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DJH for Future: Projekte für mehr Nachhaltigkeit in Jugendherbergen

Greta, Fridays for Future, globale Klimastreiks. In diesem Jahr steht das Thema Umweltschutz mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit – auch beim DJH! Dort dreht sich zwar schon seit Jahrzehnten vieles um Umweltschutz und Nachhaltigkeit (dazu gibt´s sogar eine Website mit vielen Infos: jugendherberge.de/nachhaltig) , doch die drängenden Fragen zur Klimapolitik und zum Verhalten jedes Einzelnen wirken auf die bestehenden Aktivitäten wie ein Katalysator. Noch intensiver verfolgen die Jugendherbergen das Ziel, ihre Gäste für den Wert der Natur zu sensibilisieren und für nachhaltigere Gewohnheiten zu inspirieren. Außerdem gehen sie als außerschulischer Bildungsort und touristischer Anbieter mit gutem Beispiel voran. Ein paar konkrete best practice-Projekte aus dem ganzen Bundesgebiet habe ich Euch einmal mitgebracht.

Nachhaltigkeit in Jugendherbergen: Ein paar Beispiele

Lübeck: Süßes aus dem FairOMat

Keine Jugendherberge ohne Snackautomaten! In Lübeck zeigt die Jugendherberge „Vor dem Burgtor“, dass selbst dieses traditionsreiche Gerät nachhaltig zum Einsatz kommen kann. Dort steht im Eingangsbereich der FairOMat, ein komplett ohne Strom betriebener Süßigkeiten-Automat, in dem es nur fair produzierte Schokoriegel & Co. gibt. Der Antrieb funktioniert über eine Kurbel an der Seite, mit der man sich seine bestellten Snacks selbst rauskurbeln. Herbergsleiterin Gudula Berger war der FairOMat ein echtes Herzensanliegen: Sie arbeitet ehrenamtlich im Lübecker Eine-Welt-Laden und möchte die dort gewonnenen Erfahrungen auch in ihre Jugendherberge einbringen.

Weimar: Ökoparlament im BildungszentrumKlimaschutz

In Deutschland gibt es 16 sogenannte „BildungszentrenKlimaschutz“, je ein Zentrum pro Bundesland. In Thüringen war dies 2017 und 2018 die Jugendherberge Weimar „Am Ettersberg“, die als Impulsgeber für andere Bildungsstätten zeigte, wie Klimawissen vermittelt werden kann. Die für das Projekt entstandenen Elemente sind noch heute vor Ort. Besonders prägnant für anreisende Gäste ist eine über das Areal verteilte Installation aus verschiedenen Elementen: Gleich zu Beginn wird die Anreise mit Hilfe unterschiedlich schwerer Stiefel diskutiert. Das Kernstück der Installation ist das „Ökoparlament“ mit Klima-Schutz-Plenum. Es lädt Gäste ein, über unterschiedliche Positionen in der Klimadebatte zu diskutieren. Es wird von weiteren Info-Elementen ergänzt, beispielsweise flattern Gedankenfetzen auf Upcyling-Fähnchen im Baum und formen eine „Faktenwolke“ zum Thema Klimaschutz, die in der Debatte aufgegriffen und selbst ergänzt werden kann.

Für Lehrer*innen und Pädagog*innen gibt es vor Ort zudem den BaukastenKlimaschutz mit Lehrmaterialien und Spielanleitungen, die in der Jugendherberge, aber auch zuhause zum Einsatz kommen können.

Kiel & Tönning: Leinenbüdel statt Papiertüte

Die Jugendherbergen Kiel und Tönning tüten um: Dort gibt es nicht mehr jeden Tag eine Papiertüte für das Lunchpaket, sondern Gäste bekommen am Anfang ihres Aufenthalts einen Leinenbeutel, den „Lieblingsbüdel“. Darin können sie sich jeden Tag ihr Lunchpaket mitnehmen und haben am Ende ihres Aufenthalts noch ein schönes und nachhaltiges Andenken.

Köln-Riehl: 5.000 Kilogramm weniger Speisereste

Gleich 13 Jugendherbergen in Nordrhein-Westfalen haben sich dem Projekt „MehrWertKonsum“ angeschlossen. In Kooperation mit der Verbraucherzentrale hatten die Häuser gemessen, wie viele Speisereste bei den einzelnen Mahlzeiten anfallen. Rezepturen wurden optimiert, weniger gut laufende Speisen gegen attraktive, klimafreundliche Gerichte ausgetauscht. Die Veränderungen der Speisepläne hinsichtlich ihrer Klima- und Umweltbilanz berechnet sowie Fortbildungen, Workshops und Seminare für die Haus- und Küchenleitungen organisiert.

Wie lohnenswert der Prozess war, zeigen die Effekte in der Jugendherberge Köln-Riehl: Hier blieben im ersten Quartal 2019 ein Drittel weniger Reste auf den Tellern, am Büffet und in den Töpfen zurück. Die Reste auf den Tellern konnten sogar fast halbiert werden. Auf ein Jahr gerechnet ergeben sich so Einsparungen in der Vollverpflegung (Frühstück, Mittag- und Abendessen) von insgesamt rund 5.000 Kilogramm Speiseabfälle. Durch die Abfallvermeidung spart die Jugendherberge Köln-Riehl bis zu 16 Tonnen CO2-Emissionen.

Warnemünde und Bremen: Influencer-Events

Damit sich wichtige Themen verbreiten und eine öffentliche Diskussion angestoßen wird, brauchen sie Reichweite – sowohl analog als auch digital. Zusätzlich zur Bildungsarbeit in den einzelnen Jugendherbergen nutzt das DJH daher auch Soziale Medien, um für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Und es tritt in Kontakt mit denen, die das online ebenfalls tun – um zunächst voneinander zu lernen und dann gemeinsam auf gebündelte Weise Wissen sowie Inspiration in den Sozialen Medien zu verbreiten. So haben die Jugendherbergen zwischen Nordsee und Sauerland bereits 2017 auf der ITB Berlin bei einem Influencer Event mit einem wiederverwendbaren Lunchbag für weniger Müll und nachhaltige Ernährung beim Reisen geworben.

Kommende Woche steht in der Jugendherberge Warnemünde sogar ein ganzes Wochenende im Zeichen von Zero Waste und Klimaschutz im Tourismus. „Fair unterwegs? Weil Klimaschutz keinen Urlaub macht“ lautet der Titel des Events, bei dem sich 15 Bloggerinnen und Instagramerinnen in verschiedenen Diskussionsrunden, Workshops und bei Outdoor-Aktivitäten zusammen mit Vertreter*innen der Jugendherbergen über Herausforderungen und Potentiale des nachhaltigen Reisens austauschen. Das Event könnt Ihr aus der Ferne verfolgen, wenn Ihr dem Hashtag #DJHfairunterwegs bei Instagram folgt.

DJH-Website: Klimaneutral, na klar!

Online-Aktivitäten verursachen C02. Wusstet Ihr beispielweise, dass der Versand von 10 Mails so viel CO2 verursacht wie eine Energiesparlampe pro Stunde? Der DJH-Internetauftritt ist seit 5 Jahren als klimaneutrale Website anerkannt. Die Webseiten werden außerdem seit langem mit Naturstrom und GreenIT betrieben. Durch die Nutzung und die Besucher*innen auf den Seiten entstehen jährlich trotzdem noch immer ca. 21 Tonnen CO2-Emissionen. Sie werden inzwischen mit Hilfe eines zertifizierten Projektes zur Wiederaufforstung in Panama kompensiert.

Nicht nur die DJH-Website, auch einige einige Jugendherbergen sind komplett klimaneutral: die Jugendherbergen Brilon, Juist, Lingen, Norddeich und Norderney. Viele andere Standorte bieten ihren Gästen eine Kompensation an. In Bayern, in Unterweser-Ems und in Baden-Württemberg ist es beispielsweise möglich, mit einer freiwilligen Abgabe von 0,20 € pro Übernachtung Klimaschutzprojekte über myclimate oder Plant for the Planet zu unterstützen und so klimaneutral zu übernachten.

Göttingen: Faire Sportkleidung

Beim Medienworkshop „FAIR CUT“ in der Jugendherberge Göttingen widmen sich Schüler*innen der Frage, wie fair Handel sein kann. Die Regeln des Fair Plays als Maxime im Sport werden dafür auf die Herstellung von Sportequipment übertragen. Der inhaltlichen Einstieg passiert dabei ganz anschaulich: Bei einer Exkursion in die Innenstadt begeben sich die Schulklassen auf die Suche nach Sportartikeln aus Fairem Handel und lernen vertrauenswürdige Siegel kennen. Außerdem werden die Schüler*innen zu Filmemacher*innen: In Kleingruppen enstehen Videoclips, die zu mehr Fairness bei der Herstellung von Konsumgütern aufrufen und digital verbreitet werden können. Eine Klassenfahrt mit Reichweite!

Zertifizierte Umwelt-Jugendherbergen

Es gibt 17 DJH-Standorte in Deutschland, die in überdurchschnittlicher Weise dafür Sorge tragen, dass Gäste den Wert eines umweltbewussten und klimaschonenden Lebens mit allen Sinnen erleben – die zertifizierten Umwelt|Jugendherbergen. Wiesen, Wälder und Gewässer nach heimischen Tierarten untersuchen, den eigenen Salat aus dem Kräuterbeet zusammenstellen oder auf praktische Weise erfahren, wie Solarenergie funktioniert: Die Umwelt|Jugendherbergen haben sich darauf spezialisiert, ökologisches und soziales Lernen zu fördern. Dazu gehört gesunde, regionale Ernährung, das Schonen von Ressourcen oder effiziente Energienutzung, aber auch Angebote zum Erlernen von sozialverantwortlichem Handeln.

Die Umwelt|Jugendherberge Tönning ist bereits seit 1992 als Umweltstudienplatz zertifiziert. Sie beschäftigt eine eigene Umweltpädagogin, die beispielsweie mit den Schüler*innen ins Watt geht und dort vieles anschaulich erklärt. Anschließend können die Kids und Teens ihre Funde im hauseigenen Wasserlabor unter die Lupe nehmen. Im Eingangsbereich der Herberge steht außerdem ein Nordsee-Aquarium, das das Leben im Wattenmeer zeigt.

Hier findet Ihr eine Übersicht aller Umwelt|Jugendherbergen: https://www.jugendherberge.de/inspiration/profil-umwelt

Nordwesten: Walderlebniswochen für Familien

Was schützen wir am liebsten? Was uns gut tut! Dass Ausflüge in den Wald gut tun, ist von Expert*innen wissenschaftlich belegt (vgl. auch unseren Artikel zum Waldbaden). Mit ihren Walderlebniswochen für Familien tragen die Jugendherbergen Damme, Horn-Bad Meinberg, Thüle und Rüthen daher erlebnisreich zum Naturschutz bei. Outdoor kochen, Feuer machen, Löffel brennen, mit Karte und Kompass navigieren, in Bäumen zelten – speziell geschulte Teamer verwandeln den Wald für die Teilnehmer*innen in ein großes Spielfeld. Danach ist für jeden klar: Unsere Wälder müssen unbedingt erhalten bleiben!

Nebra und Kretzschau: Reise ins Glück  

Wusstet Ihr, dass nachhaltiges Handeln nachweislich glücklich macht? Das haben Glücksforscher herausgefunden. Und auch umgekehrt funktioniert der Zusammenhang: Wer glücklich ist, agiert nachhaltiger als er es weniger glücklich tun würde. Wenn wir als dafür sorgen möchten, dass die Menschen achtsamer mit sich, den Menschen um sie herum und mit der Natur umgehen, sollten wir daher häufiger eine Reise ins Glück angehen.

Genauso lautet daher auch der Titel eines Projektes, das die Jugendherbergen im April 2018 gemeinsam mit einem Team aus Expert*innen gestartet haben. Dahinter verbirgt sich ein „Bildungs- und Schulungskonzept zur Förderung von Lebenskompetenz und nachhaltigen Lebensstilen auf der Basis aktueller Glücksforschung“. Zum Projekt gehören unter anderem ein eigens konzipiertes Klassenfahrtsprogramm, in dem Schüler*innen lernen, was Minimalismus bewirken kann, wie Werbung das Kaufverhalten manipuliert und was für wunderbare Spiele aus Recyclingmaterial entstehen können. Die Jugendherbergen Nebra und Kretzschau sind zwei der zahlreichen Jugendherbergen, die sich an der Reise ins Glück beteiligen (eine Übersicht aller Standorte gibt es hier).

.Klassenfahrt „Reise ins Glück“: Jugendherberge Nebra und Jugendherberge Kretzschau

Infos zum Projekt „Glück und Nachhaltigkeit“https://www.glueck-und-nachhaltigkeit.de/

Büdingen: Hauseigener Honig zum Frühstück

Wer sich in der frisch zertifizierte Umwelt|Jugendherberge in Büdingen  Honig aufs Frühstücksbrötchen schmiert, weiß genau, woher er kommt: von den zwei herbergseigenen Bienenstöcken. Wer auf die goldene Köstlichkeit auch zu Hause nicht verzichten möchte, kann den DJH-Honig sogar kaufen.

Auch in anderen Jugendherbergen werden Kräuter und Honig selbst angebaut und produziert, so zum Beispiel in der Jugendherberge Köln-Riehl und in der Jugendherbere Niebüll.

Mehr lesen

Jüngst ist hier auf dem Blog ein Beitrag zu den Nachhaltigkeitsaktivitäten der Jugendherbergen im Nordwesten erschienen. Wenn Euch interessiert, wie Paddeln für Kapstadt und Klimaschutz zusammenhängen, schaut doch mal rüber.

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 39-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

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