Gemeinschaft erleben mit der Schule

Umwelt-Klassenfahrten: Schule im Grünen

man sieht eine Apfelbaumplantage

Wie können wir die Kraft von Wasser, Wind und Sonne nutzen? Warum ist es so wichtig, dass wir auf unsere Natur achtgeben? Und welche Rolle spielen dabei regionale Lebensmittel? – Das Motto unserer Umwelt-Klassenfahrten lautet: „Gemeinsam der Natur auf der Spur.“ Wir stellen sechs spannende Beispiele vor.

Glitzernde Seen, reißende Flüsse, blühende Felder, grüne Wälder: Zwischen Nordsee und Alpen erstreckt sich ein Naturparadies voll einzigartiger Lebensräume. Der perfekte Ort, um auf Entdeckungstour zu gehen. Hier kann man Abenteuer erleben: auf Bäume klettern, über Seen paddeln, im Herbstlaub tanzen. Ja, nie scheint der Alltag so fern wie an einem Tag mitten in der Natur. Heute ist Natur der Ort, der uns wie kein zweiter vor Augen führt, dass unsere Umwelt keine Superkräfte besitzt. Sie ist verletzlich, ihre Schönheit und Vielfalt ist vergänglich. Gerade wenn wir sie mit Füßen treten: für jeden Weg das Auto nehmen, achtlos Müll produzieren und, und, und.

Nicht erst seit Greta Thunberg wissen wir: Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, der die Menschheit gerade gegenübersteht. Unseren Schatz „Natur“ können wir nur gemeinsam retten. Indem wir unser Handeln kritisch hinterfragen und dabei auch die mitnehmen, denen wir diesen Planeten einmal hinterlassen wollen: unsere Kinder.

WIR MACHEN UNS BEI KLASSENFAHRTEN FÜR DIE UMWELT STARK

Die Jugendherbergen setzen sich darum seit ihrer Gründung auf vielfältige Weise für ein umweltbewusstes, klimaschonendes Leben ein. Das beginnt bereits im Kindergarten und in der Schule. Unser Ziel: schon den Jüngsten vermitteln, dass die Natur ein Schatz ist, den man schützen muss. Außerdem können wir unheimlich viel von der Natur lernen. Spaß, Spannung, überraschende Entdeckungen und tolle Outdoorerlebnisse werden in unseren Umweltbildungsprogrammen großgeschrieben, denn Umweltschutz und großartige Abenteuer sind kein Widerspruch. Glauben Sie nicht? Dann begleiten Sie uns auf eine Reise zu sechs Umwelt|Jugendherbergen und ihren Klassenfahrten. Die Umwelt|Jugendherbergen haben sich darauf spezialisiert, ökologisches und soziales Lernen zu kombinieren. Los geht‘s in der Jugendherberge Mirow an der Mecklenburger Seenplatte.

zwei Kinder backen einen Kuchen
MITGEDACHT – Zu Papas Geburtstag backen Felicitas und Schwester Lynn einen Kuchen. Die Äpfel und Beeren kommen vom Biobauern um die Ecke. „Ganz ohne Plastikmüll – und super lecker“, weiß die Elfjährige seit ihrer Klassenfahrt in die Jugendherberge Mirow.

MIROW: UMWELTBEWUSSTE ERNÄHRUNG

„Und diese Lebensmittel wachsen alle hier auf unseren Feldern?“ Felicitas staunt nicht schlecht über die Info, die Teamerin Jana ihr und ihren Mitschülern gerade aufgetischt hat. Am zweiten Tag der Klassenfahrt steht für die Sechstklässler aus Kiel heute ein kulinarisches Highlight auf dem Programm. Dieses hat die Elf- bis Zwölfjährigen bereits mit dem Kanu über den Mirower See geführt.

Das Motto des heutigen Tages lautet „Naturliebe geht durch den Magen“ – es wird gemeinsam über offenem Feuer gekocht. Das Besondere: Die Zutaten für die Gemüsesuppe haben nicht Tausende Reisekilometer aus Nordafrika oder Südamerika hinter sich gebracht. Sie stammen alle aus Deutschland und zum Großteil aus der Region. Es gibt Möhren, Kartoffeln, gelbe Zucchini und Tomaten, außerdem Äpfel fürs Dessert. „Das Obst und Gemüse sieht sogar leckerer aus als das, das man im Supermarkt findet“, stellt Felicitas fest. Jana nickt: „Und es wird ganz ohne Kühlenergie in unserem Erdkeller frisch gehalten, wie früher.“

Apropos frisch: „Für die Suppe benötigen wir noch Kräuter aus unserem Garten. Dort haben wir unter anderem Rosmarin und Thymian angepflanzt.“ So findet sich die Klasse kurz darauf im Kräuterhochbeet der Jugendherberge wieder. „Super Idee: selbst anpflanzen anstatt im Markt kaufen. Da wirft man doch eh die Hälfte weg, weil die Mengen zu groß sind“, stellt Felicitas fest, während sie die Rosmarinzweige abzupft. „Außerdem sind die Kräuter dort meist noch in Plastik eingeschweißt“, erinnert sie Referendarin Marlin. „Da braucht sich wirklich niemand über die Gigamengen an Abfall zu wundern, die unsere Umwelt belasten, aber wie ihr seht: Es gibt viele kleine Stellschrauben, an denen man drehen kann, um das zu verhindern: etwa häufiger regionales Obst essen.“

Drei Kinder unter einer Decke auf einer Wiese schauen in den Sonnenaufgang.
GEMEINSAMZEIT – Nach einem spannenden Entdeckertag bleibt am Abend noch genug Zeit,
um gemeinsam abzuschalten und als starkes Klassenteam zusammenzuwachsen.

NORDERNEY: UMWELT KLASSENFAHRTEN INS WATT

Einen anderen spannenden Zugang zum Thema Umweltschutz wählt das Klassenfahrtprogramm, für das sich die Achtklässler eines Bielefelder Gymnasiums entschieden haben: Bei „Insel-Welten“ in der Jugendherberge
Norderney
dreht sich nämlich alles – wie könnte es auf einer im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer gelegenen Insel anders sein – um das Watt und den Lebensraum Meer. Was zeichnet diesen aus? Welche Tiere leben hier? Was brauchen sie zum Leben? – Nur drei von vielen Fragen, denen sich die Schüler am zweiten Tag ihrer Klassenreise widmen. Dafür sind die 13- bis 14-Jährigen nach dem Frühstück mit ihren Lehrern in das nur einen Kilometer entfernte Nationalparkhaus Wattwelten aufgebrochen. Hier erfahren sie unter anderem viel über traditionellen Fischfang und wie sich dieser im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Besonders gebannt lauschen die Schüler aber, als es um das Thema Verschmutzung der Weltmeere geht. Rund zehn Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jährlich in die Ozeane; nicht ohne Folgen: Knapp eine Million tote Seevögel und rund Hunderttausend Meeressäuger pro Jahr – das sind Zahlen, die die Schüler nicht kalt lassen. „Wenn wir dagegen nichts tun, schwimmt bald mehr Plastik im Meer als Fische“, stellt Lion (14) fest. Während es für die Schüler zurück zur Jugendherberge geht, diskutieren sie, welchen Beitrag sie leisten können, um das zu verhindern: etwa Produkte kaufen, die frei von Mikroplastik sind. „Und statt Einmalbecher zu nutzen, kann man auch gleich mit dem RefillBecher zum Coffee Store gehen“, schlägt Lehrer Klaus Meiser vor. Gute Idee! Auch wir füllen unsere Thermobecher nochmal auf, ehe die Reise in Richtung Sauerland weitergeht.

Drei Mädchen laufen über eine Wiese. Im Hintergrund sieht man einen See.
„WAS UNS GLÜCKLICH MACHT? UMWELT KLASSENFAHRTEN WIE DIESE!“

BRILON: UMWELT KLASSENFAHRTEN ZUM THEMA KLIMASCHUTZ

Noch ist die malerisch gelegene Umwelt|Jugendherberge Brilon wegen Umbauarbeiten geschlossen. Doch schon bald wird sich in der Jugendherberge wieder alles um diese Fragen drehen: Wie kann jeder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Ausgangspunkt für die nachhaltige Entdeckungstour ist der Wald. Der bietet nicht nur die Kulisse für tolle Outdoorabenteuer, er ist auch eine wichtige natürliche Klimaanlage. Wie die Schüler auf ihrer Entdeckungstour zum Thema „Wald und Klima“ feststellen dürfen. Wie diese Klimaanlage funktioniert und warum das Waldsterben dramatische Konsequenzen für uns haben wird, erlernen junge Forscher auch bei einer filmischen Reise mit einem Spaceshuttle. Dabei blicken sie auf die Erde und die Polkappen und diskutieren, welche Folgen der Klimawandel für sie hat. Während sich Brilon für die Neueröffnung im Frühjahr 2020 startklar macht, setzen wir die Reise fort.

Zwei Jungen sitzen an einem Fluss und untersuchen eine Wasserprobe.
ALLES IM FLUSS – Welche Tiere und Pflanzen leben in Bächen, Seen und Meeren? Was zeichnet diese Lebensräume aus? In unseren Umwelt-Klassenfahrten gehen wir diesen Fragen nach.

LINDLAR: MINT IST MEHR ALS EINE FARBE

In der Jugendherberge Lindlar warten bereits die Fünftklässler einer Frankfurter Gesamtschule auf uns. Für drei Nächte haben die Schüler mit Biologielehrerin Monika Wanke im Rahmen einer Klassenfahrt eingecheckt. Die sich dem Umweltschutz auf experimentelle Weise nähert. „Die Forscherwerkstatt ist eines der Programme im Rheinland, die das Siegel ,MINT-unterstützend‘ tragen. Das hat mich neugierig gemacht“, erklärt die Klassenlehrerin. MINT, das steht für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Für Wissenschaften, von denen viele Schulabgänger beim Start ins Berufsleben lieber die Finger lassen.

„Weil im Schulalltag wohl nicht deutlich genug wird, wie spannend diese Themen sein können“, vermutet die Pädagogin. Deshalb schlägt sie eine Klassenfahrt vor. Bei der Reise soll dieses Vorurteil beseitigen werden. Nachdem sie am Forschertag den Lebensraum Bach aus verschiedenen Blickwinkeln beobachtet und dokumentiert haben, lautet das Motto nun: „Selber machen“. Beim „Wasser-Bau-Projekt“ kann die Klasse ihr gewonnenes Wissen zu Strömungen und den Wasserkräften in Gruppenarbeiten einbringen. „Ich find es toll, dass die Schüler mit so viel Spaß bei der Sache sind“, freut sich Frau Wanke. „Das wird ihren Blick auf die Natur, ihre Kräfte und Gefahren, denen sie ausgesetzt ist, schärfen.“

Zwei Kinder stehen vor einem Solarzellenpanel und berühren es.
„MIT SONNE GANZE HÄUSER ZU BEHEIZEN – EINE ECHT GENIALE IDEE …“

WALDHÄUSER: SONNENSEITE DES LERNENS

Der Frage „Was können wir von und mit der Natur lernen?“ widmet sich auch die nächste Klassenfahrt, die wir uns genauer anschauen wollen. Bei „Teufelsstein und Himmelsleiter“ in der Jugendherberge Waldhäuser dreht sich an Tag zwei alles um das Thema „Solarenergie zum Anfassen“. Dafür bietet das auf 1.000 Meter Höhe im Nationalpark Bayerischer Wald gelegene Haus den idealen Ausgangspunkt.

Nachdem sich die Schüler hier mit Energiegewinnung durch natürliche Ressourcen – vor allem mit der Solarenergie – vertraut gemacht haben, geht es nun zur Sache. In Teams schlüpfen sie in die Rolle von Ingenieuren Sie sollen mithilfe von Solarzellen, eines Motors und Sonnenschein ein eigenes Vehikel zum Fahren bringen. Gar nicht so leicht! Doch am Ende des Experimentiertages, bei dem sich alle gegenseitig unter die Arme greifen, bringen alle Schüler ihr eigenes Gefährt an den Start. „Unser Solar-Car ist nicht nur ein Unikat, im Gegensatz zu Benzinmotoren schadet es auch nicht der Umwelt“, strahlt Marvin, dessen Wagen im Rennen die Nase vorn hat. Für die Schüler klingt der Tag bei Stockbrot aus.

Ein Mädchen geht durch ein Kornfeld und berührt dabei die Ähren.
SELBST ENTDECKEN
Wasser, Sonne und Wind sind Ressourcen, die wir noch viel besser nutzen können. Wie? Das lernen die Schüler hier durch Ausprobieren und Experimentieren.

BAD URACH: UMWELT KLASSENFAHRTEN MIT BISS

Und auch wir lassen uns das Ende unserer Reise auf der Zunge zergehen, mit Laugengebäck und Apfelsaft, zwei Leckereien, die die Schüler bei den „BNE Apfeltagen im Biosphärenreservat“ in der Jugendherberge Bad Urach selbst hergestellt haben; aus regionalen Zutaten, versteht sich. Deren Spuren sind die Fünftklässler aus Ulm an vier Entdeckertagen gefolgt. „Wir haben auf Streuobstwiesen Äpfel gesammelt, einen Biolandhof besucht und in einer Mühle gelernt, wie aus Getreide Brot wird“, erzählt Linus. „Ich hab mir vorgenommen, daheim jetzt auch ein Gemüsebeet anzupflanzen!“ Mitschülerin Lea, die Vegetarierin ist, stellt fest: „Es ist toll zu erleben, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie viel Zeit und Liebe darin steckt. Bevor ich nächstes Mal Essen wegwerfe, denke ich zweimal darüber nach und kaufe lieber gar nicht erst zu viel ein.“ Kleine Dinge, die wir alle ändern können, denn: Die Umwelt rettet niemand allein – das können wir nur gemeinsam schaffen.

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