mit der Schule

Klassenfahrten – aber sicher: Ein Interview mit der Hausleiterin der Jugendherberge Pottenstein

Cirka 8 Kinder stehen um ein Lagerfeuer auf einer Wiese. Sie haben Stäbe mit Stockbrot in der Hand die sie über das Lagerfeuer halten.

Schülerinnen und Schüler brauchen in diesen herausfordernden Zeiten dringend wieder gemeinsame Erlebnisse, gegenseitigen Austausch und Erfahrungen mit Mehrwert. Klassenfahrten in Jugendherbergen bieten hierfür ideale Gelegenheiten – vor allem um Selbstvertrauen und Teamgeist gleichermaßen zu stärken.

Warum solche Gemeinschaftserlebnisse trotz veränderter Rahmenbedingungen nicht ausfallen müssen und welche „Hausaufgaben“ das Deutsche Jugendherbergswerk hier für seine Gäste schon gemacht hat, darüber spricht Kathrin Püst im DJH Lausch Plausch. Von der Leiterin der Jugendherberge Pottenstein im Landkreis Bayreuth erfahren die Zuhörenden, was sich durch die Pandemie verändert hat, welche Neuerungen es gibt und wie zum Beispiel das DJH-Hygienekonzept funktioniert: Vom Check-in bis zum Speisesaal. Außerdem erklärt Kathrin Püst im Lausch Plausch, warum Klassenfahrten ihrer Meinung nach jetzt vielleicht wichtiger denn je sind und wie neu gedachte Programme für Spaß und Lerneffekt gleichermaßen sorgen. Für die Lehrerinnen und Lehrer hat die erfahrene Herbergsleiterin außerdem noch ein persönliches Anliegen auf dem Herzen. Neugierig? Dann reinlauschen und mehr erfahren.

Das Interview mit Kathrin Püst zum Nachlesen:

Christopher: Also, wie sieht´s denn jetzt nun aus in der Jugendherberge? Das will ich wissen von Kathrin Püst. Sie leitet die Jugendherberge in Pottenstein in Bayern. Wobei, es ist eher Franken, oder?

Kathrin: Ja, aber ich bin eine Augsburgerin, deswegen hört man das bei mir Gott sei Dank nicht.

Christopher: Ach so, ja sprachliche Unterschiede gibt´s da ja auch durchaus. Wie viele Jahre gibt es die Jugendherberge schon? Und wie viele Jahre bist du schon da am Start?

Kathrin: Also, die Jugendherberge hat tatsächlich dieses Jahr ihr vierzigjähriges Bestehen, also in diesem Gebäude. In Pottenstein gibt´s schon länger eine Jugendherberge, aber 1981 wurde die Jugendherberge hier oben in Pottenstein auf dem Berg eröffnet. War damals auch das einzige Gebäude hier oben und architektonisch finde ich es echt faszinierend, weil der Architekt es geschafft hat, es so perfekt in die Hügellandschaft einzubauen, dass man gar nicht sieht, was da für ein großes Gebäude eigentlich steht. Also, hat er wirklich gut gemacht. Mein Respekt. Vierzig Jahre Baumwachstum haben natürlich auch das ihre dazu beigetragen, und ich selber bin jetzt im zehnten Jahr. Ich feiere im September mein Zehnjähriges in der Jugendherberge Pottenstein. Und auch beim Deutschen Jugendherbergswerk.

Christopher: Warum sind denn für dich auch Klassenfahrten besonders wichtig?

Kathrin: Da können wir uns ja an unsere eigenen Klassenfahrten erinnern, ne? Diese Gemeinschaft. Also dieses Zusammensein, dieses Gemeinschaft-Erleben. Klassenkameraden auch mal anders zu erleben. Und vor allen Dingen auch den Lehrer anders zu erleben. Also nicht in dieser [Art]: Er hetzt von Klassenzimmer zu Klassenzimmer und er muss seinen Stoff durchpeitschen und er hat keine Zeit. Sondern man lernt ihn ja auch hier vor Ort ja auch mal ganz anders kennen, und hat auch mal die Möglichkeit ein „privates Gespräch“ mit ihm zu führen.
Also, das fand ich immer an Klassenfahrten besonders toll. Ich weiß nicht, wie es dir ging, Christopher, wenn du auf Klassenfahrt gefahren bist.

Christopher: Ja, der eine Lehrer, der hat dann immer irgendwie Gitarre gespielt, da haben wir abends noch irgendwelche Lieder gesungen. Dann gab es eine Nachtwanderung und so. Ja, das ist halt, ganz anders einfach, ne? Das ist …

Kathrin: Genau, das sind Sachen, die man eigentlich mit den Eltern nicht unbedingt macht.

Christopher: Ne, eher nicht so.

Kathrin: Genau. Klar, wir haben schon … also wenn ich so beobachte … wir haben schon Familien, die mal ein Lagerfeuer buchen. Aber 95 % sind es doch tatsächlich die Schulklassen, die ein Lagerfeuer abends machen, die ein Stockbrot machen, die Musik machen, zusammen. Und es ist einfach was komplett anderes, wenn man hier in der Jugendherberge zusammen sein kann und sich beobachten kann und kennenlernen kann.

Christopher: Warum sind vielleicht da die Jugendherbergen besonders gut für geeignet – für eben genau sowas?

Kathrin: Wir unterstützen die Lehrer im ganzen Bereich der Bildung, natürlich auch gerade im sozialen Bildungsbereich, in dem wir zum Beispiel in der Jugendherberge Pottenstein Kooperationsspiele anbieten. Das sind dann Teambildungsmaßnahmen, wo die Kinder lernen, dass sie miteinander ein Problem lösen und eben nicht alleine. Dass „Egoismus“ nicht so gut durchkommt.
Wir haben es aber auch, zum Beispiel, in Grundschulen … wir haben einige Jugendherbergen mit curricularer Anbindung, das heißt sie machen lehrplanunterstütztes Lernen, haben da lehrplanunterstützende Programme entwickelt.
Wir bieten in Pottenstein auch Klettern an oder Bogenschießen. Alles so Sachen, wo man auch Konzentration braucht, aber auch immer das Miteinander eben wichtig ist. Das Rücksichtnehmen aufeinander. Das sind Sachen, die ja oft in der Schule zu kurz kommen. Gerade wenn der Lehrer nur eine Stunde oder zwei in der Woche im Klassenzimmer ist. Und dann wieder weiter ziehen muss ins nächste Klassenzimmer.

Christopher: Das ist tatsächlich verrückt. Jetzt, wo du es sagst, fällt mir das auch wieder auf, dass wir das damals halt auch hatten. Aber ich habe es als Schüler gar nicht gecheckt, um was es hier gerade geht. Also deshalb…

Kathrin: Clever, gell?

Christopher: … geschickt, eben das so einzubauen.

Kathrin: Genau. Und wir fragen auch den Lehrer, ob er Probleme hat in der Klasse. Und versuchen ihn dann da eben zu unterstützen mit unseren Programmen. Und … ehm … es ist ja auch so vielfältig, ne? Was gemacht werden kann.
Wir haben auch noch die Höhle, das ist zum Beispiel auch ein ganz spannendes Thema. In eine Höhle reinzugehen, in der es stockdunkel ist und sich da aufeinander verlassen zu müssen. Da kommen sehr viele Lehrer zurück und sagen: Es ist… Sie haben ihre Schüler komplett neu kennen gelernt. Dass Kinder, die eher zurückhaltend, schüchtern, ängstlich wirkten, die waren die, die dann mutig voran sind in die Höhle, und die größten Aufschneider eher draußen standen: „Äh, muss ich da wirklich rein? Es ist doch so dunkel, was erwartet mich?“
Also, ganz spannend für alle und für die Kinder ist es ein Heidenspaß, die wissen gar nicht, was wir wirklich mit ihnen machen.

Christopher: Das heißt echt, dass so eine Klassenfahrt im Nachhinein wirklich im Zweifel für alle irgendwie einen positiven Effekt hat, für die ganze Klasse, für den Lehrer, für die Klassengemeinschaft, was aber die Schüler einfach nicht checken. Im besten Fall.

Kathrin: Ja. Ja! Ja, ja, so soll es doch sein, oder?
So lernt man doch am besten, einfach so nebenbei.

Christopher: Ja, und das eine sind ja wahrscheinlich genau diese sozialen Komponenten, die ihr da drin habt, aber eben auch andere Bildungsangebote. Es ist quasi wie Unterricht, nur in cool, wahrscheinlich. Oder?

Kathrin: Ja, absolut.
Wir jetzt hier in Pottenstein arbeiten mit dem Fränkische-Schweiz-Museum zusammen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe noch nie einen so fantastischen Museumspädagogen, wie den erlebt.
Und der ist so dynamisch, dass wenn er merkt, die Klasse driftet ihm jetzt gerade ab, weil das Thema irgendwie gerade nicht so toll ankommt, dann spricht er kurz mit dem Lehrer und wechselt das Programm.
Oder geht anders auf die Klasse ein, teilt die dann ein, wenn er den Dreißigjährigen Krieg erklärt. In Calvinisten und „Du spielst jetzt den Papst“ und „Du bist jetzt ein Bauer“ und so weiter. Und lässt die das dann wirklich live erleben.
Und das haben wir ja in ganz vielen Jugendherbergen, die ganz viele tolle Programme haben.
Kulturelle Programme oder aber auch ­– ganz wichtiges Thema heutzutage, finde ich – die Medienkompetenz. Dem haben sich die Jugendherbergen auch verschrieben, dass wir da wirklich unterstützen wollen und helfen wollen, dass die Kinder lernen, mit den Medien umzugehen.
Also unsere Bandbreite ist – siehst Du ja im Gespräch – ist sehr breit, ne? Das geht bei ganz einfachen Seiten… Du kannst auch zum Theaterspielen zu uns kommen.

Christopher: Und wie muss ich mir das jetzt so vorstellen, als Lehrer eben. Wie … wie läuft das ab? Also ich melde mich erstmal wahrscheinlich und sage: „Hey, ich habe da eine Klassenfahrt vom Datum A bis Datum B. Und was können wir so machen?“ Wie ist so der Ablauf?

Kathrin: Das kommt jetzt ganz darauf an. Also, es gibt natürlich die forschungshungrigen, internethungrigen Lehrer. Die sitzen zu Hause und gucken erst einmal. Das ist natürlich die eine Möglichkeit, dass du selber ein bisschen forschst.
Also, das deutsche Jugendherbergswerk hat ja … wie Bundesländer … mehrere Service-Center und man kann dann dort an dem Service-Center anrufen und die Service-Center haben immer über die jeweilige Region den Überblick, über alle Jugendherbergen. Die können auch beraten.
Das sind so ganz verschiedene Wege. Dann haben wir natürlich auch Kataloge, die wir an die Schulen weitergeben, in denen Programme drinnen stehen. Natürlich immer nur ausgewählt.
Ja, und Mundpropaganda. Mundpropaganda spielt natürlich bei uns auch eine ganz große Rolle.
Das sind die verschiedenen Wege, wie die Lehrer zu uns kommen.

Christopher: Ja, jetzt war das wahrscheinlich alles relativ normal bis zum März 2020. So, und dann kam so richtig Corona, dann kam der erste Lockdown, dann kam jetzt der zweite Lockdown. Was hat sich seit Corona in deinem täglichen Job oder auch bei euch in der Jugendherberge verändert?

Kathrin: Ja, es hat sich natürlich viel verändert. Vor allen Dingen haben sich die Hygienestandards noch mal verschärft. Also, Jugendherbergen sind und waren schon immer sauber. Und diese Hygienestandards oder Qualitätsstandards, die wir haben, die wurden auch noch für Corona extra angepasst.
Wir leben natürlich nach den üblichen Regeln: Abstand halten, Maske aufsetzen. Das gilt sowohl für die Mitarbeiter als auch für unsere Gäste in den öffentlichen Bereichen.
Bei uns jetzt in der Jugendherberge, zum Beispiel, besetzen wir nur noch jeden zweiten Tisch im Speisesaal. Das heißt, wir haben dann Schichtenessen. Wir teilen dann die Zeiten ein, wann wer zum Essen gehen kann, um einfach im Speisesaal Platz zu haben.
Wir haben zwischen den Schichten ungefähr 20 Minuten Zeit, um den Speisesaal gründlich durchzulüften und alle Tische einmal zu desinfizieren, damit dann, wenn die nächsten Gäste reinkommen zum Essen, wieder unter tollen frischen Bedingungen bei uns essen können.
Das hat sich zum einen verändert.
Dann sind wir … müssen wir natürlich sehr flexibel sein. Wir wissen ja gar nicht, was so alles auf uns tagtäglich zukommt. Also, ich glaube eine der größten Pflichten von meinen Kollegen und mir, ist morgens Nachrichten hören. Was gibt es Neues? Und dann auch sofort auf die jeweilige Situation einzugehen.
Unsere Mitarbeiter sind alle extrem geschult worden, gerade im Bereich Desinfektion. Wir haben im ganzen Haus natürlich Desinfektionsspender stehen. Das hatten wir in dem Maße natürlich früher nicht. In jedem Waschraum sind Desinfektionsspender. Wir motivieren zum Händewaschen.
Die Mitarbeiter, wie gesagt, werden regelmäßig geschult, immer wieder angepasst.
Wir haben komplett unsere Reinigungsmittel umgestellt. Also, wir haben geguckt, dass wir alle Reinigungsmittel jetzt so haben, dass sie auch gleich die Viren vernichten, wenn wir sie dann anwenden.
Wir haben teilweise auch mehr Schichten, je nach Belegung des Hauses, haben wir auch in der Reinigung mehr Schichten. So dass zwei- dreimal am Tag dann die öffentlichen Bereiche komplett desinfiziert werden für die Gäste.

Christopher: Das ist ja auch so dieses, was typisch … was man vielleicht noch mit Jugendherberge verbindet. Da gibt es den Hagebuttentee und dann gibt es das Buffet, irgendwie, ne?
Das mag vielleicht auch schon wieder ganz, ganz, ganz, ganz anders sein mittlerweile, aber trotzdem ist auch das ja so ein Gemeinschaftsgefühl, was ja da kommt, ne? Alle tapern zum Buffet, holen sich da irgendwie was … was ab und essen dann gemeinschaftlich. Vielleicht bei euch ganz konkret. Wie ist das jetzt im Moment?

Kathrin: Wir machen das jetzt anders, das Gemeinschaftliche. Also, jetzt erstmal muss ich nochmal auf diesen Hagebuttentee eingehen.

Christopher: Das wusste ich, das kannst du nicht so sitzen lassen.

Kathrin: Wenn du zu der Jugendherberge kommst, Christopher, dann musst du den extra bestellen. Wir haben nämlich tatsächlich gar keinen Hagebuttentee mehr.
Verrückt, ne?
Wir machen es tatsächlich so – und auch das ist wieder ein Gemeinschaft-Erleben –, dass wir … wir geben so eine Art Speisekarte zum Ankreuzen raus. Also, wir hatten tatsächlich auch letztes Jahr im August Schulklassen hier, die nicht aus Bayern waren. Also, Berlin durfte damals fahren. Und wir geben dann einfach da so … Ich nenne es mal … zum Beispiel beim Frühstück, eine Frühstücksliste aus. Und da wird dann gefragt: „Wie viele normale Brötchen braucht ihr? Wie viele Körnerbrötchen braucht ihr? Wie viel Wurst braucht ihr? Wie viel Butter braucht ihr?“ Und so weiter.
Und da müssen wir ja auch miteinander diskutieren. Also, da wird dann auch Gemeinschaft erlebt. In dem Fall, man geht jetzt nicht mehr gemeinsam zum Buffet, sondern man hat dann gemeinsam den Topf auf dem Tisch stehen und bestenfalls ist vielleicht einer sogar so nett und teilt für alle aus. Das ist natürlich das Sinnvollste.
So machen wir das.
Wir haben dann umgestellt, dass wir gesagt haben, die Hauptmahlzeit geben wir wieder aus, mit den entsprechenden Abständen. Das funktioniert ganz gut. Was wir noch einsetzen, also, außer dem Frühstück, ist den Salat und den Nachtisch.
Das hat aber einfach damit zu tun, dass wir auch abfragen, wer wie viel Salat haben möchte. Oder wer überhaupt einen Nachtisch haben möchte. Denn es isst nicht jeder Salat, es isst nicht jeder Nachtisch. Und wir haben uns ja auch der Nachhaltigkeit verschrieben in den Jugendherbergen. Und nachhaltig sein, heißt auch keine Lebensmittel zu verschwenden.
Und jetzt auf den Tisch, weil da fünf Leute sitzen, fünf Mal Nachtisch zu stellen und hinterher isst nur einer Nachtisch, ist schade. Weil alles, was auf dem Tisch war, wird hinterher vernichtet.
Und, ja, das [hilft] uns tatsächlich sogar beim Planen, es ist sogar ganz gut. Wie wir jetzt verfahren mit dem Ganzen. Es ist auch ruhiger geworden im Speisesaal, weil natürlich jetzt nicht mehr alle auf einmal auf das Buffet stürzen oder auf die Essensausgabe.

Christopher: Ja.

Kathrin: Also, es geht schon etwas disziplinierter zu als vielleicht noch vor einem Jahr.

Christopher: Also, ihr versucht grundsätzlich so ein bisschen die Gruppen einfach voneinander zu trennen. Dass die sich eben nicht begegnen, quasi.

Kathrin: Genau, genau. Ja, das sowieso. Das passiert aber auch, wie soll ich sagen, im Interesse der Lehrer. Weil wir haben ja schon Schulklassen, sage ich jetzt mal, von der fünften bis zur zehnten. Und ab der siebten, achten, wird ja dann auch das andere Geschlecht interessant. Und dann möchten wir natürlich den Lehrern auch unterstützten, dass er gleich weiß, der ist da fehl am Platz, der gehört da nicht hin oder die.

Christopher: Ach, so.

Kathrin: Das wollen wir mal von beiden Seiten sehen, ne? Schon alleine deswegen. Aber das ist coronaunabhängig, tatsächlich.

Christopher: Was ist denn sonst vielleicht die … die anspruchsvollste Gruppe? Oder hat jeder … hat jede Klassenstufe oder Altersstufe so ihre Besonderheiten?

Kathrin: Ach, jede Altersstufe hat so ihre Besonderheiten.
Gut, wir haben jetzt nicht so viele Grundschüler, wobei, die sind einfach süß, ne?
Die sind meistens das erste Mal weg von zu Hause und die erzählen viel und die ratschen mit dir und wenn die Taschengeld dabei haben, dann ist das am besten am Montagabend schon ausgegeben. Und die sind einfach so herzlich und so offen.
Und die sechsten Klassen, da kommt es darauf an. Da haben wir Wochen, da sind die noch sehr kindlich, ne? Da kaufen die dann die Kuscheltiere bei uns an der Rezeption und irgendwie ganz verschmust alle. Und dann kommt die nächste Woche darauf wieder eine sechste Klasse, und die sind voll in der Pubertät. Und da ist dann: „Wir kaufen Freundschaftsbändchen“ und „Wer geht mit wem“ und komplett andere Themen. Also, es ist wirklich sehr lustig.
Es ist auch ganz verschieden und mit den Älteren, so neunte, zehnte Klasse, da reibt man sich vielleicht auch manchmal, ne? Da geht´s dann noch mehr ums Grenzen abstecken. Wie weit kann ich gehen? Aber das gehört auch dazu. Und auch das ist unsere Aufgabe, da den Lehrer zu unterstützen und nicht den Schüler. Wenn er Blödsinn im Kopf hat.

Christopher: Ja, ja, so muss … im Endeffekt, das war ja früher so ein bisschen auch dieses Bild, so Herbergsvater, der haut dann auch mal auf den Tisch oder so. Inwiefern ist das vielleicht auch noch deine Rolle, nur eben vielleicht ein bisschen moderner?

Kathrin: Ein bisschen moderner, ja.
Also wir hauen nicht mehr auf den Tisch. In der Regel begrüßen wir die Klassen persönlich und machen auch dann mal unsere Regeln klar bei dieser persönlichen Begrüßung. Wollen uns aber natürlich schon auch so hinstellen, dass man zu uns kommen kann, wenn was ist. Also, was wir vermeiden wollen, ist das Kinder Angst vor uns haben und irgendwann eben in Erinnerung haben: „Also, die Klassenfahrt wäre ja ganz nett gewesen, wäre da nicht dieser Herbergsvater gewesen. Also, der war ja schon unterwegs! Ne? Und wie der da nachts randaliert hat …“
Um Gottes Willen, nein. Also davon sind wir alle, glaub ich, mittlerweile weit entfernt.
Wir versuchen ihnen freundschaftlich und auf Augenhöhe zu begegnen. Man muss vielleicht auch manchmal durchgreifen, aber da haben wir dann … das machen wir nicht mit anschreien.

Christopher: Jetzt haben wir vorhin schon über das Programm gesprochen, was ihr um die reine Übernachtung herumbastelt.
Wie hat sich das jetzt in Corona-Zeiten geändert? Wir gehen jetzt mal davon aus, eben Stand zum Beispiel letzter Sommer. Was … was da möglich war. Wie kann man das dann unter Coronabedingungen machen? Weil da haben ja zum Beispiel so Erlebnispädagogen oder so, dann mit wechselnden Klassen oder mit wechselnden Gruppen zu tun.

Kathrin: Ja, also so Sachen wie Bogenschießen oder Höhle, sind jetzt … also Höhle haben wir letztes Jahr jetzt ausfallen lassen, weil die Höhle relativ klein ist. Aber Bogenschießen zum Beispiel ist gar kein Problem. Weil das findet an der frischen Luft statt und das wird dann entsprechend so aufgebaut, dass alle genug Abstand haben.
Wir haben eine kleine Kletterhalle auf unserem Gelände. Und in der wird … natürlich führen wir den Baustein Klettern auch durch, aber wir achten natürlich auch da auf Bausteine und wir benutzen zum Beispiel, ehm … Du kennst das noch vom Turnen, wenn du früher ans Reck gegangen bist, dann hast du doch dieses Magnesium gehabt, ne? Diesen weißen Puder.
Und das gibt es mittlerweile auch flüssig mit Alkohol. Das heißt …

Christopher: Ah, das desinfiziert schön.

Kathrin: Genau, das ist super. Das desinfiziert schön und desinfiziert auch gleichzeitig das Seil, das zum Sichern genutzt wird. Wenn derjenige dann klettert, desinfiziert er netterweise auch gleich die Klettergriffe mit, ne? Auf diese Weise.

Christopher: Das ist ja praktisch.

Kathrin: Solche Sachen, genau.
Bei den Kooperationsspielen musst du halt ein bisschen umstellen, da kannst du halt dann nicht mehr Übungen machen, wo sie jetzt zu eng aneinander sind. Beziehungsweise, da müssen halt dann im Zweifel die Masken aufgesetzt werden.
Aber wir versuchen wirklich, so viel wie möglich auch an der frischen Luft draußen zu machen.
Und, ja für uns ist halt wichtig, dass jetzt wirklich die … dass die Lehrer sich trauen. Und die dürfen auch wirklich sich trauen. Also, wir helfen ihnen von Anfang bis Ende. Wir haben Planungshilfen, wir haben Checklisten, wir gehen alles mit ihnen durch. Wir haben wirklich Sehnsucht nach unseren Schulklassen. Und das letzte Jahr hat ja auch gezeigt, dass es geht. Also, die Schulklassen, die wir im August da hatten. Es hat ja funktioniert, weil alle mitgemacht haben.
Und ich glaube, das ist das Wichtigste.
Und es soll sich auch wirklich kein Lehrer scheuen, einfach bei uns anzurufen und nachzufragen. Denen fehlt ja der Kontakt, ne?
Und gerade deswegen finde ich jetzt, im Anschluss an einen Lockdown oder so, auch diese Klassenreisen besonders wichtig, weil man hat sich jetzt wieder über Wochen, über Monate nicht gesehen. Also, teilweise haben die sich ja jetzt dann zwei, drei, vier Monate nicht gesehen und das ist eine irrsinnige Welt in der Entwicklungszeit eines Kindes, diese drei, vier, fünf Monate, die es dann sein werden.
Und wo hat denn der Lehrer besser die Möglichkeit zu gucken, welche Entwicklungen die einzelnen Kinder durchgemacht haben, als bei einer Klassenreise? Wo er einfach 24 Stunden mit ihnen zusammen ist. Wo er sie auch miteinander interagieren sieht und vielleicht auch wieder gucken kann, dass wirklich die Klasse zu einer Klasse wird. Und gerade jetzt finde ich es extrem wichtig, dass Klassenreisen stattfinden.

Christopher: Wir sind uns alle einig, Klassenfahrten müssen wieder sein.
Und das ist ja das Coole, ihr könnt euch bei den Jugendherbergen echt darauf verlassen, die kümmern sich Anfang bis Ende um euch und natürlich dann vor allem vor Ort. Mit dem extra DJH‑Hygienekonzept, zusammen entwickelt mit den Experten des Universitätsklinikums des Saarlandes: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Lüften. Vor Ort. Die kümmern sich um euch. Mit getrennten Gruppen, mit mehr Hygiene und eigenen Sanitärräumen natürlich. Scheut euch nicht nachzufragen! Traut euch vor allem zu buchen! Meldet euch bei den Service-Centern. Oder guckt euch auf der Homepage der Jugendherbergen um, Jugendherberge.de
Da gibt es alle Infos für eure nächste Klassenfahrt.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

Die Folgen der Corona-Pandemie für Schülerinnen und Schüler

So entstehen Programme für Klassenfahrten

Klassenfahrt 2021 – aber sicher: Mit den Jugendherbergen

0 Kommentare zu “Klassenfahrten – aber sicher: Ein Interview mit der Hausleiterin der Jugendherberge Pottenstein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.