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#DJHfairunterwegs: 6 Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Urlaub

Intensiv. Lebendig. Und vor allem lehrreich. So möchte ich das Influencer-Wochenende #DJHfairunterwegs, das jüngst in der Jugendherberge Warnemünde stattfand, beschreiben. 16 Bloggerinnen waren an die Ostsee gekommen, um miteinander, mit dem Team der Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern und mit einigen Expert*innen über Nachhaltigkeit im Urlaub und Küstenschutz ins Gespräch zu kommen. In Workshops, draußen am Strand, bei einem Insta-Walk durch das Ostseebad Warnemünde und abends am Lagerfeuer wurde gelernt, gelacht und geschnackt. Eins war am Ende des Wochenendes klar: das Ziel, Nachhaltigkeit in allen Lebenssituationen und sozialen Lebenswelten zu verankern, ist noch lange nicht erreicht. Klar war aber auch: Es gibt eine Menge, was jede*r Einzelne tun kann, um dem Ziel näher zu kommen. Die wichtigsten sechs Learnings des Wochenendes habe ich Euch im Folgenden zusammengefasst.

Tipps für mehr Nachhaltigkeit: Nutzt digitale Tools!

Wir alle haben unser Smartphone dabei. Ständig. Daher ist es ein ideales Instrument, um im Alltag noch nachhaltiger zu werden. Wie? Ganz einfach: Indem wir beispielsweise bei Instagram Accounts folgen, die uns Inspiration dazu geben. Indem wir Apps runterladen, die Lebensmittelmittelverschwendung reduzieren oder mit denen wir Herstellern im Nu mitteilen können, dass wir uns ihre Produkte ohne Plastik wünschen. Indem wir Podcasts hören, in denen Menschen zu Wort kommen, die das less waste-Prinzip erfolgreich leben.

Gleich zu Beginn unseres #DJHfairunterwegs-Wochenendes haben wir solche digitalen Tools auf kreative Weise zusammengetragen. Damit sich die Teilnehmerinnen besser kennenlernen, haben wir sie in Zweierteam zusammengebracht und ihnen zunächst Zeit gegeben, sich und ihre Kanäle gegenseitig vorzustellen. Danach haben sie auf Plakatvorlagen ihre liebsten digitalen Nachhaltigkeits-Tools vermerkt.

Die am häufigsten genannten waren diese:

  • To good to go: hilft  Restaurants, Bäckereien, Supermärkten und Hotels dabei, weniger Lebensmittel wegwerfen zu müssen, indem sie ihre überschüssige Ware über die App zu einem vergünstigten Preis an Selbstabholer anbieten können – mit Preisen bis max. 3,90€.
  • CodeCheck: ein kostenloser Dienst, der vor schädlichen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln und Kosmetikprodukten schützen will. Scannt einfach den Barcode eines fraglichen Produktes ein und erhaltet sofort die passenden Angaben.
  • Replace Plastic: mit dieser App scannt ihr die Barcodes von Produkten, um dem Hersteller mitzuteilen, dass Ihr Euch dafür Verpackungen ohne Plastik wünscht.
  • Ebay Kleinanzeigen: mit dieser digitalen Verkaufsbörse könnt Ihr Gebrauchtes verkaufen oder selbst Second Hand-Möbel, Kleidungsstücke und vieles mehr zu günstigen Preisen erwerben
  • Blablacar: die größte Mitfahrzentrale Europas
  • Ecosia: die grüne Suchmaschine, die 80 Prozent ihres Einnahmeüberschusses für gemeinnützige Naturschutzorganisationen spendet
  • Happy Cow: die App verwaltet vegane und vegetarische Restaurants, Cafés und Läden auf der ganzen Welt

Und selbst der umstrittene Messenger-Dienst WhatsApp kann dabei helfen, die Umwelt zu schützen – so haben wir es bei unserem „Gang durch das vernetzte Warnemünde“ am Sonntagvormittag gelernt. Dabei trafen wir zwei der mehr als hundert Akteur*innen von „Cleaning with meaning“. Die Jugendinitiative, deren Mitglieder sich regelmäßig zum Müll sammeln in Rostock & Warnemünde treffen, formierte sich im Januar 2019 – indem zwei Schülerinnen eine WhatsApp-Gruppe ins Leben riefen, sie an die Schülersprecher*innen verschiedener Schulen schickten und so in kürzester Zeit eine Community aufbauten.

Lissi und Caro von cleaning with meaning

Bis heute hat „Cleaning with meaning“ keinen analogen Raum, keine Hierarchien, keine feste Regeln. Aber es gibt die Nachrichten-App, in die Mitglieder Termine für Müllsammelaktionen schreiben und mit Fotos die Ergebnisse der Sammelaktionen dokumentieren. Ein Prinzip, das ansteckt und anspornt.

Tipps für mehr Nachhaltigkeit: Entschleunigt im Alltag!

Ob bei der Fahrt zur Arbeit oder beim Wocheneinkauf – wer möglichst umweltverträglich handeln möchte, braucht vor allem eins: mehr Zeit. Denn die Geschwindigkeit, die unserem Alltag heutzutage zugrunde liegt, lässt wenig Raum, sich politisch zu engagieren, sich mit den vielen verschiedenen Öko-Labels zu beschäftigen, die Wohnung zu entrümpeln oder endlich mal zu einer grünen Bank zu wechseln. „Muss ich mal machen. Demnächst.“ tönt es ständig in unserem Kopf, doch die Flut an Mails und die täglichen ToDos zwischen Haushalt, Familie und Sozialleben kommen meist dazwischen. Was dem Klimaschutz daher gut täte: Entschleunigung.

Denise M´Baye

Dass dies die zentrale Antwort auf die Frage, wie nachhaltiges Reisen gelingen kann, sein würde, hatte vermutlich niemand von uns erwartet, als wir uns Samstagvormittag mit Denise M´Baye im blauen Raum der Jugendherberge Warnemünde trafen, um genau über diese Frage ins Gespräch zu kommen. Die Schauspielerin und Podcasterin startete ihren Themen-Input mit einer berührenden Kurzgeschichte, in der sie ihre Kindheitserinnerungen an Strandurlaube in Italien teilte. Und eine Situation aus jüngster Vergangenheit, als sie am Strand von Italien eine Kinderstimme im Ohr hatte. Die schwärmte: „Schau mal Mama, der Sand ist bunt. Schön, oder?“ Was das kleine Kind noch nicht wusste: Es sind winzige Plastikpartikel, die den Sand so bunt färben.

Im Folgenden sammelte Denise unsere Gedanken zum Thema Reisen. Erst die positiven (Erholung, Völkerverständigung, Freiheit, Horizont erweitern, Zeit füreinander, frische Luft, keine Termine, Natur erleben, raus aus dem Alltag,  aufatmen…), dann die negativen (Stress, Umweltverschmutzung, Massentourismus Ausbeutung Zerstörung, Anreise, überlaufene Naturorte, CO2, Familienstress, Ignoranz, Scham…). Wie am Vorabend, als wir schon einmal in großer Runde über Herausforderungen des nachhaltigen Reisens sprachen, entwickelte sich in kürzester Zeit eine Diskussion, in der das Gefühl der Scham eine große Rolle spielte. Es ging um Flugscham und ganz grundsätzlich um die Scham darüber, dass man nie alles schafft, was man gern machen möchte.

Nathalie von Mom and a half man und Anke von Wastless Hero (links)

Rachel (mamadenkt.de) sinnierte offen darüber, ob diese Scham wohl eher aus ihr selbst heraus oder von außen kommt. Und Nathalie (mom and a half man) gab zu, dass sie sich beim ersten Kennenlernen der vielen Green Blogger als Reisebloggerin fast schlecht fühlte, weil sie gerade erst begonnen hat, nachhaltiger zu leben. „Das Thema Nachhaltigkeit ist krass emotional besetzt“, meinte auch Denise. „Das sieht man nicht nur an den Konflikten im Netz, sondern erlebt man ja sogar in der eigenen Familie. Wenn man am Geburtstag einen veganen Kuchen backt, glauben einzelne Familienmitglieder, man wolle ihnen ein schlechtes Gewissen machen.“

https://www.instagram.com/p/B4DZpL-lAZ6/

Es ging hin und her. Viele Facetten des Umweltschutzes wurden angeschnitten, viele Gedanken sehr offen und persönlich vorgetragen. Die Köpfe qualmten. „Ich mache Euch einen Vorschlag“, unterbrach Speakerin Denise dann irgendwann. „Wir gehen jetzt mal raus an den Strand und meditieren gemeinsam.“ Gesagt, getan.

Entschleunigung für mehr Nachhaltigkeit

Sauerstoffgetränkt zurück im blauen Raum sammelten wir dann Vorschläge, wie unser Reisen nachhaltiger werden könnte. Und siehe da, viele der Ideen hatten gar nichts mit dem Urlaub, sondern mit der Zeit zuhause zu tun. Wenn wir es schaffen würden, so die mehrheitliche Meinung, Urlaub in den Alltag zu integrieren (in Form von kleinen Auszeiten, Spaziergängen, eintägigen Ausflügen, einer schöner Tasse Tee), wäre das Verlangen nach All-inclusive-Urlaub am anderen Ende der Welt, weit weg von zuhause, vermutlich in vielen Fällen nicht vorhanden.

„Wer mit sich selbst im Reinen ist, muss nicht zum Yoga nach Bali.“

Denise M´Baye

Tipps für mehr Nachhaltigkeit: Bezieht Kinder früh mit ein!

Viele Bloggerinnen waren gemeinsam mit ihrer Familie zu #DJHfairunterwegs angereist. Die beiden DJH-Mitarbeiterinnen Sabine Alex (Familien-Yogalehrerin in der Jugendherberge Güstrow) und Anne Brenner (Umweltpädagogin der Umweltjugendherberge Prora auf Rügen) waren daher das ganze Wochenende mit von der Partie und haben altersentsprechende Aktivitäten mit den insgesamt 16 Kindern unternommen:

Eben noch Milchtüte, jetzt Vogelhaus.

Während sich die Großen über digitale Tools austauschten, verwandelten die Kleinen beispielsweise alte Tetrapaks in Vogelfutterhäuschen. Während die Erwachsenen beim Strandspaziergang mit Rebekka vom NABU Mittleres Mecklenburg erfuhren, wie weit ein touristischer Strand von „echter Natur“ entfernt ist die, sammelte der Nachwuchs in Form eines kleinen Naturbingos mit Anne Brenner verschiedene Materialien am Strand ein – auch „etwas vom Mensch gemachtes“ sollte dabei im Eimer landen.

Ein wesentlicher Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit, davon sind die Jugendherbergen schon viele Jahrzehnte überzeugt, ist Umweltbildung. Und damit kann man nicht früh genug beginnen.

In diesem Sinne haben wir am Wochenende etwas kennengelernt, was auf Klassenfahrten in Warnemünde ab sofort zum Einsatz kommt: die Ostseekiste, eine mobile erlebnispädagogische Werkstatt für Fünft- bis Achtklässler zum Ökosystem Ostsee. Sie wurde exklusiv von der EUCC – Die Küsten Union Deutschland e.V. für die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern konzipiert und ist in den Jugendherbergen Prora auf Rügen und Born-Ibenhorst auf dem Darß bereits länger im Einsatz. Bei der Werkstatt geht es im Sinne einer Bildung für Nachhaltigen Entwicklung (BNE) darum, forschend und selbstständig zu lernen und Handlungsmöglichkeiten, die jeder für sich umsetzen kann, zu entwickeln.

Nun gibt es sie auch in der Jugendherberge Warnemünde und noch bevor die ersten Schüler*innen fünf Tage mit ihr am Strand unterwegs waren, durften die Teilnehmer*innen von #DJHfairunterwegs ein paar Experimente und Spiele ausprobieren.
 
Dabei war der Spieltrieb unserer Teilnehmerinnen nicht geringer als der von Fünft- bis Achtklässlern: Beim Meeresmüll-Trimory, Salzwasserexperiment und begehbarer Ostseekarte wurde geknobelt, was das Zeug hält und viel gelacht. Schnell war man sich einig, dass es wichtig ist auch mal ganz unbeschwert und spielerisch an die Sache ranzugehen. Spaß daran haben, sich über unsere Umwelt, was sie bedroht und was sie schützen kann zu bilden.

Rätselraten mit der Ostseekiste

„ Auf der Klassenfahrt sind die Aufgaben und Experimente über eine ganze Woche verteilt“, sagt Anke Vorlauf, Projektmanagerin für BNE bei der EUCC-D,  sie hat die OstseeKiste Warnemünde entwickelt. „Man lernt nicht frontal alles auf einmal, sondern erarbeitet sich Stück für Stück sein Wissen. Die Aufgaben sind so aufgebaut, dass Lehrer und Teamer möglichst wenig eingreifen. So kann sich Gelerntes verfestigen. Aber jeder Schüler kann auch für sich herausfinden, was er ganz persönlich aus der Woche mitnimmt und auf was er in Zukunft achten möchte.“

Ähnlich ist es doch bei uns: Man kann nie in allen Bereichen zu hundert Prozent nachhaltig leben. Aber man kann sein Thema für das man brennt finden und für sich Dinge umsetzen. Mit Leidenschaft statt mit Schere im Kopf. Das steckt übrigens auch hinter dem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung: Einerseits aufzeigen was Herausforderungen sind, andererseits Selbstständigkeit und Selbstermächtigung fördern, junge Menschen befähigen Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Außerdem ist der Effekt nicht zu verachten, am Ort des Geschehens zu lernen: So stehen wir nachmittags mit der Schlussaufgabe der OstseeKiste, dem „Netz der Konsequenzen“, am breiten Sandstrand vor der Jugendherberge. Mit einem Seil verbinden wir Ursachen und Wirkungen von Meeresmüll auf Karten, die auf dem Sand verteilt sind. Und kommen nicht umhin, die Schönheit der Ostsee im Sonnenuntergang zu bewundern.

Das wird in den Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur bei diesem Programm genutzt: „Wir in MV haben im Grunde vor jeder Herberge irgendeinen schützenswerten Naturraum, auf den man auch nebenbei aufmerksam machen kann.“, sagt Anne Brenner, Umweltpädagogin aus Prora. Ob Familien eine Strandwanderung machen oder Schüler*innen einen Surfkurs belegen: Sind Gäste erst mal für die Schönheit der Natur hier begeistert, seien sie auch motiviert, diese Schönheit zu erhalten. „Deshalb sind viele Aktivitäten bei uns in der Jugendherberge so aufgebaut, dass es erst mal ums Naturerlebnis, wie zum Beispiel den Fun auf dem Surfbrett, geht und dann, ganz ohne erhobenen Zeigefinger um die Frage: Wie können wir diese Schönheit erhalten“, sagt Anne.

Tipps für mehr Nachhaltigkeit: Vermeidet beim Reisen Müll

Müll am Ostseestrand ist kein Thema? Ja, das denkt man, wenn man durch den feinen weißen Sand im Ostseebad Warnemünde stapft. Aber allein die Tatsache, dass er so fein und weiß ist, sollte jeden von uns stutzig machen. Eigentlich müssten hier nämlich auch große und kleine Steine enthalten sein. Und Muscheln. Das Gegenteil ist allerdings der Fall – und das liegt an den Treckern, die morgens am Strand unterwegs sind und Müll aus dem Sand sieben.

Süßes ist schnell aufgegessen. Die Verpackung hingegen übersteht Jahrzehnte.

Diese und viele andere erschreckende Informationen gab uns Rebecca vom NABU bei einem geologischen Strandspaziergang. Sie berichtete uns eindrücklich davon, was es für das Ökosystem und vor allem für den Erhalt der Küste bedeutet, wenn die ursprüngliche Beschaffenheit an den Ufern verändert wird – nichts Gutes! Sie zeigte uns Fotos, wie es nur wenige Kilometer weiter an Stränden aussieht, die nicht für das touristische Auge gepflegt werden – wie auf der Müllkippe. Sie demonstrierte uns, welche Teile besonders oft angespült werden und welche davon auch Jahrzehnte später nahezu unbeschadet aussehen. Wir lernten, dass nur eine Zigarettenkippe mit ihren Filter aus Plastik und Giften bereits 50 Liter Wasser vergiften kann. Und erfuhren, dass auch im Oktober, nach zahlreichen Müllsammelaktionen,  noch Reste vom Silvester-Feuerwerk am Strand zu finden sind.

Denise und Caro von Ein bisschen grüner

Alle von uns waren erschüttert – und das, obwohl wir alle längst für das Thema sensibilisiert sind. Urlaubsregionen stehen, das wird uns nochmal in aller Deutlichkeit bewusst, vor einer riesigen Herausforderung: sie wollen ein attraktiver touristischer Hotspot sein und müssen gleichzeitig den Naturraum schützen. Ein Unterfangen, das nur gelingen kann, wenn Urlaubende mitmachen. Wenn Raucher ihre Kippen nicht in den Sand schnipsen, wenn wir mit einer kleinen Wunderkerze den Jahreswechsel feiern statt wild herumzuböllern, wenn wir auf Luftballons bei der Hochzeitfeier im Strandrestaurant verzichten, wenn wir das Eis im Sommer aus der Waffel und nicht mit dem Plastiklöffel aus dem Becher genießen.

Tipps für mehr Nachhaltigkeit: Vernetzt Euch!

Alleine ist man stark, gemeinsam ist man stärker – auch beim Klimaschutz. Wie Vernetzung für die gute Sache funktionieren kann, haben wir beim sonntäglichen Instawalk durch Warnemünde anhand des Rostocker Meeresmüllstammtisches erlebt. Auf unserem Weg entlang der Wahrzeichen des Ostseebades warteten verschiedene Nachhaltigkeits-Akteure auf uns, die alle sowohl etwas ganz Eigenes auf die Beine stellen als auch im Rahmen des Meeresmüllstammtisches gemeinsam an Zielen arbeiten.

Nardine von der EUCC-D

„Kein Plastik bei die Fische“ heißt die Kampagne, die uns Beate von der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde und Nardine von der EUCC-D gleich zu Beginn vorstellen. Teil der Kampagne sind zehn mannshohe Strandascher, die auf unterhaltsame Weise dafür sensibilisieren, wie schädlich Zigarettenstummel für die Ostseeküste sind. Die EUCC-D wertet als Projektpartner aus, ob im Umkreis der Ascher weniger Müll anfällt als anderswo am Strand und kann so den tatsächlichen Effekt der Maßnahme ein stückweit messen. Auch Strandascher to go gibt es – 5.000 von ihnen wurden bereits verteilt. Aber nicht nur Zigarettenresten, sondern auch anderem Müll sagt die Kampagne den Kampf an. So arbeitet die Tourismuszentrale auch an dem Ziel, dass möglichst viele Gastronome auf biologisch abbaubares Geschirr umstellen.

Nadja (links) eröffnet in Rostock einen Unverpackt-Laden

Dass überhaupt so wenig Müll wie möglich entsteht, dafür macht sich auch Nadja stark, die wir anschließend am Leuchtturm treffen. Sie ist eine der beiden Gründerinnen von „Green Goldi“, dem derzeit einzigen Rostocker Unverpacktladen, der in Kürze eröffnen wird. Sie berichtet uns von den Herausforderungen des Vorhabens, über ihren persönlichen Antrieb und über Workshops, die im Unverpacktladen stattfinden werden.

Gemeinsam mit ihr sammeln wir dann noch Lissi und Caro von cleaning with meaning (über ihre Jugendinitiative habt ihr schon weiter oben lesen können) ein, abschließend treffen wir nochmal auf Rebekka, die uns schon am Vortag eindrucksvoll über die Auswirkungen von Meeresmüll aufgeklärt hat, sowie auf Susanna vom BUND MV.

Vertreterinnen des Rostocker Meeresmüllstammtisches

Und da stehen sie dann versammelt am Hafen vom Warnemünde – die zentralen Mitglieder des Meeresmüllstammtisches, zu dem übrigens auch die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern gehören. Und dann geht es nicht mehr um die einzelnen Projekte, sondern um das, was man gemeinsam erreichen kann und auch muss: die Menschen zum Handeln bewegen, die für große Veränderungen sorgen können. Die Politik vor allem.

Denn eins ist allen, die dort vor den Fischkuttern stehen, klar: gemeinsame Veranstaltungen wie der Küstenputztag können für das Thema Meeresmüll sensibilisieren und ihm kurzfristig Aufmerksamkeit bringen. Aber sie sind keine Lösung. Die Lösung ist nicht, dass engagierte Menschen sich zusammentun und den Strand von Müll befreien. Die Lösung wäre, alles dafür zu tun, dass Müll überhaupt nicht entsteht. Und dazu braucht es Vorgaben, vermutlich auch Verbote. Damit das passiert, muss der öffentliche Druck auf Entscheider*innen allerdings meist sehr groß sein – und dafür braucht es Vernetzung.

Immer wieder stellen wir fest, dass es auf die kleinen Schritte ankommt, um Großes anzustoßen. Aber auch, dass wir uns brauchen. Wir brauchen uns, wenn wir laut werden und dem Wunsch nachkommen wollen, diesen Ort für nachfolgende Generationen zu erhalten.“

Rachel von mamadenkt.de

Ein anderer Vorteil von Vernetzung: man kommt auf neue Ideen, reflektiert seine eigenen Gedanken und erlebt, dass man nicht allein mit seinem Vorhaben ist. Viele der 16 Teilnehmer*innen von #DJHfairunterwegs schilderten am Ende des Wochenendes, dass unsere Veranstaltung genau dies hervorragend leisten konnte. Nicht nur das Kennenlernen der Initiativen und Akteure sei gewinnbringend gewesen, auch der Austausch untereinander. „Das Wochenende hallt nach“ – diese Worte haben wir in vielen Instagram-Postings, die nach der Abreise entstanden, gelesen.  Und uns wahnsinnig gefreut.

In diesem Sinne der letzte und wichtigste Tipp:

Tipps für Nachhaltigkeit: Umgebt Euch mit Menschen, die reden UND handeln

Ohne die inhaltlich so engagierten und neugierigen Teilnehmerinnen wäre #DJHfairunterwegs nur irgendein Wochenende in Warnemünde gewesen. Mit ihnen und den engagierten Akteur*innen, die wir in Warnemünde getroffen haben, war es eine sprudelnde Inspirationsquelle. Wir legen Euch die Blogs und Instagram-Accounts der sechzehn Frauen sowie die Websites der verschiedenen Initiativen wärmstens ans Herz, wenn Ihr auch künftig spannende und informative Texte aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Reise, Familie und Küstenschutz lesen möchtet.

Unsere Teilnehmerinnen:

Andrea von Nachhaltigkeit – warum nicht?, Anneke von Eenemeenemama, Anke von Wasteless Hero, Caro von Ein bisschen grüner, Carola von Frische Brise, Eva von Sockenbergen, Franzi von Franzi Schädel, Maren von Minza will Sommer, Nathalie von Mom and a half man, Nina von Frei.Schwimmerin, Rachel von Mama denkt, Ramona von 2 plus 4 sind wir, Sassi von liniert kariert, Suse von Ich lebe jetzt, Tatjana von InCapitalLetters und Vici von Fräulein Blütenstaub

Nachhaltigkeits-Akteure in Warnemünde und Umgebung

NABU Mittleres Mecklenburg

EUCC-D

BUND – Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Green Goldie

Cleaning with meaning

Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde

Und nicht zu vergessen: die Umwelt-Jugendherbergen in MeckPomm:

Jugendherberge Born-Ibenhorst

Jugendherberge Prora

Jugendherberge Mirow

Weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit bei den Jugendherbergen findet ihr unter: www.jugendherberge.de/nachhaltig

Noch mehr Impressionen vom Wochenende:

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 39-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

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