Umweltschutz

„OstseeKiste – Weniger Müll ist Meer“ in der Strandjugendherberge Warnemünde

5 Fragen an Monique Starr, Programmkoordinatorin Jugendherberge Warnemünde zur neuen BNE-Klassenfahrt

Was ist die „OsteeKiste“?

Die „OstseeKiste“ ist eine mobile erlebnispädagogische Werkstatt, mit der Schüler auf einer fünftägigen Klassenfahrt direkt am Strand vor der Herbergstür anhand diverser Aufgaben auf  spielerische Art das Ökosystem Ostsee erforschen.  Sie wurde entwickelt für die Klassen 5 bis 8. Dabei geht es im Sinne einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) darum, forschend und selbstständig zu lernen und Handlungsmöglichkeiten, die jeder für sich umsetzen kann, zu entwickeln. Die EUCC – Die Küsten Union Deutschland e.V. hat die „OstseeKiste“ exklusiv für die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern konzipiert.

Die stummer Karte ist ein Teil der OstseeKiste

Ganz neu ist die „OstseeKiste – Weniger Müll ist Meer“ in der Strandjugendherberge Warnemünde an der Mecklenburgischen Ostseeküste. Worum geht es da genau?

Die „OstseeKiste“ gibt es schon länger in unseren Jugendherbergen Prora auf Rügen, Born-Ibenhorst auf dem Darß und Ueckermünde. Überall hat sie einen thematischen Schwerpunkt, der sich mit der Beschaffenheit der jeweiligen Küste beschäftigt. Warnemünde ist ein beliebtes Ostseebad, an dem das ganze Jahr über Touristen und Einheimische ihre Freizeit verbringen. Das hinterlässt Spuren. Deshalb setzen sich die Schüler bei der „OsteeKiste“ Warnemünde damit auseinander, in welchem Spannungsfeld sich die Ostsee heute befindet, welchen Einfluss wir Menschen – insbesondere bezogen auf das Thema Müll – auf das Meer haben und wie jeder Einzelne von uns zum Schutz des wertvollen Ökosystems beitragen kann.

Ganz konkret: Wie sieht so eine Woche mit der „OstseeKiste“ Warnemünde aus?

Ein ausgebildeter Teamer betreut die Einheiten am Strand. Er steht zudem der Gruppe die ganze Woche über zur Seite. Am ersten Tag verschaffen sich die Schüler einen Überblick über ihre Umgebung: Auf einer abgewandelten Geocaching-Tour entdecken sie Küste & Ostseebad rund um die Jugendherberge zu Land und zu Wasser  und müssen an den gefundenen Orten Fragen zur Ostsee, zum Küstenort und dem Einfluss des Menschen auf das Meer beantworten.

Am zweiten Tag geht es dann in die Vollen: Bei Spielen & einem Experiment am Strand setzt sich die Klasse, begleitet vom Teamer, mit dem Thema Müll im Meer auseinander. An den Stationen arbeiten sie sich selbständig in Kleingruppen zur Lösung vor. Teamer und Lehrer greifen nur ein wenn nötig, hinterher wird reflektiert.

An Tag drei geht es auf einem App-basierten Rundgang durch die Forschungsvilla des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde. Eine Art Perspektivwechsel mit der Grundfrage: Mit welchen Forschungsfragen beschäftigen sich die Wissenschaftler vor Ort?

Zusammenhänge erkennen, Wissen anwenden und eigene Handlungsmöglichkeiten entwickeln steht an Tag vier auf dem Programm: Die Klasse wendet ihre Erkenntnisse der Woche an und erarbeitet am Strand ein „Netz der Konsequenzen“. Dann geht es auf Tuchfühlung mit Strandbesuchern: In Kleingruppen werden Strandgäste zu den Themen reuse, rethink, reduce, refuse, recycle und reduce befragt, um  ganz praktische Handlungsansätze für den Alltag zu erhalten und zu entwickeln. Beim Abschlussspiel kommt dann schließlich derjenige als erstes ans Ziel, der seine Erkenntnisse aus der Strandwoche anwenden kann und noch ein Quäntchen Glück dabei hat. An allen Tagen ist natürlich auch genügend Freizeit für die Schüler eingeplant. So kann sich  Gelerntes Stück für Stück über die Woche hinweg verfestigen.

Zwei Schüler befüllen eine Wanne mit Ostseewasser. Das Material stammt aus der OstseeKiste

Selbstständig und selbstbestimmt lernen, wie funktioniert das genau an diesen vier Tagen?

Die Aufgaben werden wie gesagt von einem Teamer begleitet, der hilft, wenn es nicht weiter geht, den Tag strukturiert und mit der Klasse reflektiert. Und dennoch sind sie so aufgebaut, dass die Schüler den Ablauf und die Lösung eigenständig erarbeiten. Bei einem Salzwasserexperiment zum Beispiel muss der Versuchsaufbau in Kleingruppen eigens nach einer Anleitung gestaltet werden, hier sind Textverständnis und Teamwork gefragt. Dann wird die Reaktion des Experiments beobachtet und im Gespräch ausgewertet, was hier passiert ist. Zudem werden bei allen Aufgaben unterschiedliche Methoden und Materialien angewendet und alle Sinne angeregt. Mal geht es ums selbst konstruieren, mal um die Bildwahrnehmung, dann wieder darum, Begriffe richtig zuzuordnen. 

Dem einen Schüler liegt das eine mehr, dem anderen wiederum etwas ganz anderes. Und das ist okay. Vielleicht ist man bei der einen Aufgabe total ratlos, kann sich aber bei der anderen profilieren. Hauptsache man merkt dass man im Team vorankommt. Die Schüler erkennen für sich, wie sie selber gerne lernen und wie andere zu Lösungen kommen. Bei manchen Aufgaben gibt es auch gar keine eindeutige Lösung. Es wird lediglich im Nachhinein gemeinsam analysiert, warum die gewählte Lösung für eine bestimmte Person richtig war.

Müssen Lehrer oder  Schüler sich vorher in das Thema einarbeiten? Wie geht ihr mit unterschiedlichen Leistungsniveaus von Gruppen um?

Der Lehrer muss sich nicht im Vorhinein auf die Themen vorbereiten. Der Teamer begleitet die Fahrt inhaltlich. Er bespricht vor Ort mit dem Lehrer, welche „Rolle“ er bei den einzelnen Einheiten einnimmt, und was er dafür wissen muss. Mal ist er Beobachter, mal gemeinsam mit dem Teamer Unterstützer oder Spielleiter im Hintergrund. Das gibt dem Lehrer die Möglichkeit, seine Schüler anders kennenzulernen. Vielleicht beobachtet er, wie ein Schüler auf eine bestimmte Lernmethode besonders anspringt. Er sieht wie sich die Gruppendynamik in unterschiedlichen Situationen verändert. Er merkt wie Schüler plötzlich aus sich herauskommen oder auch überfordert mit einer Aufgabe sind. Der Lehrer hat genug Raum und Zeit für diesen Perspektivwechsel, der wiederum für den Schulalltag fruchtbar ist.

Auch die Schüler brauchen kein explizites Vorwissen, das Thema „Ökosysteme“ muss in der Schule noch nicht drangekommen sein. Die Spiele sind modulartig konzipiert. Der Teamer kann Erweiterungen hinzufügen oder weglassen, mehr oder weniger beim Spielverlauf helfen und sich so an das jeweilige Leistungsniveau der Gruppe anpassen. Der Teamer gewährleistet, dass der Spaß am Lernen erhalten bleibt, gestaltet Herausforderungen, die gehören ja dazu, vermeidet aber Überforderung. So schaffen wir für alle ein nachhaltiges Erlebnis an unserer geliebten Ostsee!

1 Kommentar zu “„OstseeKiste – Weniger Müll ist Meer“ in der Strandjugendherberge Warnemünde

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