im Grünen

24 Stunden: Unterwegs mit dem Waldhüter von Panarbora

Ein Bild des Aufstiegs zum Baumwipfelpfad Panarbora

Im Dickicht rund um die Jugendherberge Waldbröl im Naturerlebnispark „Panarbora“ lauern tolle Outdoorabenteuer. Das weiß niemand besser als er: Waldhüter Patrick Mielke (53). Wie er Schüler auf ihrer Klassenfahrt für die Natur begeistert? Das hat er uns verraten!

Interview mit Waldhüter Patrick Mielke

Naturerlebnispark und Jugendherberge Panarbora des DJH-Rheinland. Aussichtsturm. Fotograf: Ludolf Dahmen.

Herr Mielke, wie genau sieht der Arbeitsalltag eines Waldhüters in Panarbora aus?

Der ist vielseitig und bewegt sich vor allem zwischen Park und Schreibtisch. Im Büro übernehme ich etwa die Entwicklung und Steuerung von Touren in unseren Wald, halte Kontakt zu den Tourismusverbänden, zu Lehrern, die bei uns Touren buchen, und verfasse Posts für Social Media. Am liebsten bin ich aber im Wald selbst unterwegs: Dazu gehören etwa Kontrolltouren zum Baumwipfelpfad und Aussichtsturm, bei denen ich zum Beispiel checke, ob die Lernstationen in gutem Zustand sind. Außerdem gehe ich regelmäßig durch den Park und mache mir ein Bild davon, ob hier To-dos lauern oder ob unsere Gäste Abfall weggeworfen haben. Das tun sie aber nur selten: Wir haben ein sehr gut erzogenes Publikum (lacht).

Apropos Publikum: Als Waldhüter unternehmen Sie ja auch Touren mit Gruppen in Ihren Wald.

Ja, ein sehr schöner Teil meiner Arbeit! Wir bieten in „Panarbora“ Touren zu verschiedenen Themen an, etwa Klimatouren, bei denen es um die Fragen geht: Was ist Wetter? Was ist Witterung? Und was ist dann Klima? Bei den Genusstouren beleuchten wir, wie die Früchte des Waldes, etwa der Eberesche, schmecken und wie man sie weiterverarbeiten kann. Wichtig ist mir dabei, dass jedes Programm perfekt zur Gruppe passt: Die berühmte „Tour von der Stange“ habe ich nicht zu bieten. Das ist doch viel zu langweilig!

HIGHLIGHT VON „PANARBORA“ Der Baumwipfelpfad mit seinem 40 Meter hohen Aussichtsturm und dem Fernblick aufs Siebengebirge zählt zu den Besuchermagneten. Natürlich macht auch Patrick Mielke hier auf seinen Walderlebnis-Touren halt.

Wenn ich als Lehrer eine Tour bei Ihnen buche, was erwartet mich dann?

Klassen buchen bei mir in der Regel die „klassische Tour“, die im Schnitt so ungefähr 60 bis 90 Minuten dauert. Ehe es auf den Baumwipfelpfad geht, treffen wir uns zu Beginn erst mal am Aufgang. Im ersten Dialog mit den Schülerinnen und Schülern versuche ich dann schon mal, ein erstes Gefühl dafür zu bekommen: Wie ist die Erwartungshaltung der Gruppe? Wo liegen die Interessen? Ebenso wichtig: Wie groß ist das Vorwissen? Die Erfahrung zeigt: Während Klassen aus ländlichen Regionen oft ein gutes Verständnis für den Lebensraum Wald mitbringen und Lust darauf haben, sich noch tiefer ins Dickicht vorzuwagen, muss man bei Schülern aus den Ballungsräumen oft noch etwas „Pionierarbeit“ leisten (lacht).

Wie genau stellen Sie das an?

Indem ich individuell reagiere und mich im Vorfeld mit den Lehrern abstimme. Ist der Wald für einen Großteil der Gruppe Neuland, haben die Schüler mitunter sogar Ängste davor, die es ihnen zu nehmen gilt. Ich versuche, ihnen durch Wissensvermittlung an den Lernstationen, durch Quizspiele, aber vor allem durch haptisches Erleben – etwa das Berühren von Tierfellen wie dem von Wildschwein oder Rehkitz – ein Gefühl dafür zu geben: Der Wald ist ein faszinierender Raum, von und in dem man lernen, aber in dem man auch Spaß haben kann. Besonders beliebt sind Rollenspiele, wie: „Wo würdet ihr bei Gewitter Schutz suchen?“ Das Gelächter ist groß, wenn ich denen, die sich für das Wasser entschieden haben, sage: „Das wäre schiefgegangen!“ Das Wichtigste ist aber, spontan zu reagieren. Auch für die Hinweise der Lehrer, die mir sagen: „Kannst du dazu noch mehr erzählen?“, bin ich dankbar. So haben schließlich alle am meisten von der Tour.

VERSTEHEN An den sechs Lernstationen des Baumwipfelpfades erfahren die Schülerinnen und Schüler spielerisch allerhand Spannendes über den Wald und seine Bewohner.

Stichwort Klimawandel. Haben Sie mit Blick auf Ihre Tourengäste das Gefühl, dass hier ein Umdenken stattfindet?

Ja, ganz eindeutig sind viele junge Menschen dafür sensibilisiert! Ich werde zum Beispiel oft gefragt, ob das der berüchtigte Borkenkäfer sei, der Wäldern verheerende Schäden zufügen kann. Ebenso Thema: die Abholzung der Fichtenbestände. Heute ist das Bewusstsein bei vielen dafür größer denn je: Sind die Fichten weg, fehlen auch wichtige Biotope – etwa für Steinpilze. Das Thema ist präsent. Das freut mich als Waldhüter besonders.

Der klassische Arbeitstag des Waldhüters von „Panarbora“

Alles in Ordnung?

9.30 UHR: Zum Start in den Tag checkt Patrick Mielke kurz seine Mails. Dann geht es auf den ersten Rundgang: Sind der Aussichtsturm und der Baumwipfelpfad in einem guten Zustand?

Auf Tour!

11.00 UHR: In der Hochsaison übernimmt Patrick Mielke oft bis zu vier Touren pro Tag. Als Erstes führt der 53-Jährige heute eine Grundschulklasse aus dem Rhein-Sieg-Kreis über den Baumwipfelpfad.

Planungszeit

14.30 UHR: Nachdem er mit einer Klasse das Feuchtbiotop des Waldes unter die Lupe genommen hat, setzt sich Patrick Mielke mit seinen Kolleginnen und Kollegen an die Planung des Herbstferienprogramms und entwickelt neue Programmideen.

Letzte Runde!

16.30 UHR: Der Waldhüter empfängt die letzte Tour des Tages. Eine Abschlussklasse hat sich für eine Tour zu den Sagen des Bergischen Landes durch den Nutscheid entschieden.

Feierabend

18.30 UHR: Allmählich leert sich der Park. Patrick Mielke unternimmt einen letzten Gang über den Baumwipfelpfad. „Für mich ist das die schönste Zeit des Tages: Herrlich diese Ruhe im Wald, oder?

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Fotos: DJH / Ludolf Dahmen; privat

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