Jugendherberge entdecken

24 Stunden: Lockdown für die Jugendherbergen eine Herbergsleitung berichtet

Herbergsleitung Corinna Baumgard und ihr Team auf einem Flur der Jugendherberge Erbach

Als Leiterin der Aktiv und Fit | Jugendherberge Erbach erlebte sie den ersten Lockdown hautnah mit: Im Interview* spricht Corinna Baumgart über schwere Wochen, das Arbeiten unter neuen Hygienevorschriften und einen großen Zusammenhalt, der ihr und ihrem Team Hoffnung macht.

Interview mit Herbergsleitung Corinna Baumgart

Frau Baumgart, erinnern Sie sich noch an den Tag, an dem Sie Ihre Jugendherberge im Zuge des ersten Lockdowns schließen mussten?

Ja, daran erinnere ich mich noch, vor allem an die Tage davor. Am Wochenende war bereits viel über Corona und Schulschließungen gesprochen worden. Als die Info dann kam, hatten wir zwar nur noch einen Gast, steckten aber in den Startlöchern für den Saisonbeginn. Es war nicht fassbar und so unwirklich, aber ich war davon überzeugt, dass es nur von kurzer Dauer sein kann.

Wie erging es dem Team ihrer Jugendherberge in den ersten Tagen des ersten Lockdowns?

Es war ein großer Zusammenhalt zwischen meinem Team, mir und der Geschäftsstelle zu spüren. Gleichzeitig brach eine wahre Informationsflut über uns herein. Alle, die an der Rezeption tätig waren, haben großartige Leistungen vollbracht. Ständig riefen verunsicherte Gäste an und wollten wissen, wie es weitergeht. Die Buchungen mussten storniert und Programme bei den Partnern abgesagt werden. Die noch verbliebenen Reinigungsarbeiten wurden erledigt – wir wollten ja schnell wieder startbereit für die Wiedereröffnung sein. Die Küche stand auf einmal still: keine Vorbereitungen mehr für die kommenden Gäste. Das war für uns alle das Schlimmste: das gespenstisch leere Haus. Sehr berührt hat es uns, wie viel Mut uns unsere Gäste zugesprochen haben, wie viele ihre Reisen auf spätere Zeiträume umgebucht und uns mit Spenden unterstützt haben. Je näher die Wiedereröffnung rückte, umso wichtiger ein Hygienekonzept.

Corinna Baumgart und das Team ihrer Jugendherberge sind dank des Hygienekonzepts darauf vorbereitet, dass sie nach dem Lockdown wieder Gäste empfangen dürfen.
GEMEINSAM SICHER REISEN
Desinfizieren, Abstand halten, mit Karte zahlen: Für alle Gäste gut sichtbar sind die Hygienerichtlinien der Aktiv und Fit | Jugendherberge Erbach am Eingang angebracht worden.

Wie wurde dieses in Ihrer Jugendherberge erarbeitet und umgesetzt?

Das Grundgerüst des Hygienekonzepts lieferte der Bundesverband. Der Landesverband Hessen, der über ein eigenes Hygieneteam verfügt, hat dieses Konzept dann auf unsere Jugendherbergen angepasst. Ich habe es so gehalten, dass ich mich mit den Verantwortlichen der Abteilungen zusammengesetzt und wir gemeinsam das Konzept für unser Haus umgesetzt haben. Da es auch immer wieder behördliche Änderungen in den Verordnungen gab, haben wir die Umsetzungen oft wieder verworfen und geändert. Auch aus unserem Team heraus gab es tolle Ideen. Eine ehemalige Kollegin nähte uns sogar Masken. Das war ein großes Miteinander!

Welche konkreten Maßnahmen wurden während des ersten Lockdowns in Ihrer Jugendherberge ergriffen?

Wir haben unter anderem Plexiglasscheiben im Anmeldungsbereich installiert. Auf die bekannten Regeln wie „Abstand halten“, „Hygiene, Mund- und Nasenschutz tragen“, „lüften“ etc. wird im Haus immer wieder hingewiesen. Wir haben Desinfektionsspender im Eingangsbereich und im Speisesaal installiert. Außerdem wurde jedem Zimmer, das über keine eigene Dusche und ein WC verfügte, eine Dusche und WC im Gemeinschaftstrakt zugeordnet. Der Speisesaal wurde umgestellt, um die Abstände einhalten zu können. Die Dokumentation und Arbeitsanweisungen wurden besonders im Reinigungsbereich umgestellt und die Mitarbeitenden geschult.

Man sieht einen Pfeil auf dem Boden und Schuhe, die in Richtung der Pfeile laufen.
ALLTAG IN DER PANDEMIE: Die Laufrichtung muss beachtet werden. Auf den Boden aufgeklebte Pfeile helfen bei der Orientierung.

Wann konnten Sie ihre Jugendherberge wieder öffnen?

Am 6. Juli besuchte uns die erste Familie. Spannend für uns war, ob die Gäste unser Hygienekonzept so umsetzen würden, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Erleichterung war groß. Als wir am 17. Juli die erste Fußballgruppe bei uns hatten, lag freudige Spannung in der Luft. Wieder haben wir erlebt, dass wir sehr gut aufgestellt waren und nur noch an kleinen Rädchen drehen mussten – etwa die Organisation der Tischbesetzung und Umstellung auf zwei Essenszeiten.

Reisen mit Maske – wie gelingt es Ihrem Team, trotzdem für Urlaubsgefühl zu sorgen?

Unsere Gäste dürfen sich auf ein hoch motiviertes Team freuen, das mit Herzblut an einem schönen Aufenthalt für sie arbeitet. Wir tun alles dafür, das Hygienekonzept in Einklang mit dem Erholungs- und Erfolgsfaktor zu bringen. Die Maske gehört nun einfach für eine Weile zu unserem Leben dazu – für unser Team genauso wie für die Gäste. Umso wichtiger ist es uns, noch mehr attraktive Freiluftflächen zu gestalten: etwa Sitzgelegenheiten mit Schirmen auf der Terrasse.

Corinna Baumgart ist die Herbergsleitung der Jugendherberge Erbach. Sie freut sich darauf nach dem Lockdown wieder Gäste begrüßen zu dürfen.
Corinna Baumgart: Herbergsleitung der Jugendherberge Erbach

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die kommenden Monate?

2021 wird sicher wieder Höhen und Tiefen haben. Ich hoffe, dass wir bald wieder loslegen und unsere ersten Gäste empfangen dürfen. Es ist schon ein Kribbeln zu spüren: Wann geht es endlich wieder los?


Die Aufgaben von Herbergsleitung Corinna Baumgart während des Lockdowns in der Jugendherberge

Arbeitsbeginn

7.30 UHR: Corinna Baumgarts Tag beginnt mit dem Weg zur Rezeption. Der Rechner wird gestartet und anschließend werden die Mitarbeiter in der Küche begrüßt. „An die Maske haben wir uns gewöhnt – nicht aber daran, das Lächeln der Kollegen nur noch erahnen zu können.“

Hygieneschutz

9.40 UHR: Die Jugendherberge Erbach wird zweimal pro Tag desinfiziert – im Speisesaal zudem vor jeder neuen Tischbesetzung. Als Hausleiterin hilft Corinna Baumgart dabei natürlich fleißig mit.

Mittagszeit

14.20 UHR: Sind die Gäste versorgt, macht auch die Hausleiterin eine Pause. „Am liebsten sitze ich auf der Terrasse: Da ist alles noch etwas ,coronafreier‘ und der Gästekontakt ein Stück weit normaler.“

Rezeption

15.30 UHR: Einen Großteil des Arbeitstags unterstützt die Hausleiterin an der Rezeption. Beim Check-in und -out werden auch die Schlüssel und Berührungsflächen regelmäßig desinfiziert.

Feierabend

17.00 UHR: Ihren Feierabend genießt Corinna Baumgart am liebsten in der Natur beim Spazieren durch den Odenwald.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

0 Kommentare zu “24 Stunden: Lockdown für die Jugendherbergen eine Herbergsleitung berichtet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.