Lernen, das in Erinnerung bleibt
Jugendherbergen sind mehr als nur Orte für Klassenfahrten. Sie können Lernorte sein, an denen Kinder Gemeinschaft erleben, Natur neu entdecken und Themen ganz praktisch begreifen. Warum das für Lehrkräfte spannend ist, erklären Birgit Hägemann, Leiterin der Produktentwicklung für die Jugendherbergen Nordsee bis Sauerland, und Nele Barba, Teamer*innenpool-Koordinatorin.
Was macht Jugendherbergen zu besonderen außerschulischen Lernorten?
Birgit: Jugendherbergen schaffen einen anderen Erfahrungsraum als Schule. Kinder verlassen das Klassenzimmer und tauchen in Gemeinschaft, Natur und neue Zusammenhänge ein. Das ist pädagogisch wertvoll, weil sie sich dort oft ganz anders erleben. Und wir haben Zeit: Über mehrere Tage können Klassen tiefer in Themen eintauchen, als das im Schulalltag oft möglich ist.
Nele: Außerdem verändert sich das Setting. Es geht nicht um Noten oder darum, sofort die richtige Antwort zu geben. Viele Kinder erleben das als entlastend. Sie können ausprobieren, Fragen stellen, Fehler machen und lernen, ohne ständig bewertet zu werden.

Was lernen Kinder dort anders als im Unterricht?
Nele: Vor allem durchs Erleben. Wissen wird nicht nur vermittelt, sondern erfahrbar gemacht. Kinder entdecken selbst, probieren aus, bewegen sich und lösen Aufgaben gemeinsam. So entsteht oft ein viel direkterer Zugang.
Birgit: Und genau das bleibt häufig stärker hängen. Viele Erwachsene erinnern sich noch sehr genau an ihre Klassenfahrten. Das zeigt, wie prägend Lernen sein kann, wenn es mit Erlebnissen verbunden ist.
Warum sind Natur, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit dabei so wichtig?

Birgit: Die Natur ist bei uns nicht bloß Kulisse, sondern Lern- und Erfahrungsraum. Kinder beobachten, erforschen und entdecken dort ganz unmittelbar. Unser Ansatz lässt sich in drei Worten zusammenfassen: erleben, erfahren, handeln. Kinder sollen von Themen nicht nur hören, sondern sie begreifen – und so zum eigenen Handeln kommen. Gleichzeitig erleben sie: Ich kann etwas tun. Gerade bei Themen wie Nachhaltigkeit ist das entscheidend. Wir setzen nicht bei Ohnmacht an, sondern bei der Frage: Was können wir tun?
Nele: Und vieles funktioniert nur gemeinsam. Die Kinder müssen sich absprechen, Rücksicht nehmen und Lösungen finden. Genau darin steckt viel soziales Lernen. Wenn Kinder merken, dass sie selbst etwas beitragen können, wird aus einem abstrakten Thema etwas Greifbares.
Was können Lehrkräfte langfristig für ihre Klasse daraus mitnehmen?
Birgit: Oft die Erfahrung, dass Lernen mehr sein kann als reine Wissensvermittlung. Lehrkräfte erleben ihre Klasse noch einmal neu – mit anderen Dynamiken, anderen Rollen und anderen Stärken.
Nele: Viele Klassen nehmen vor allem ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl mit. Wenn Kinder gemeinsam etwas erleben, wirkt das oft weit über die Klassenfahrt hinaus.
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