Linda Salzer im Interview: Was BildungPLUS besonders macht

BildungPLUS: Lehrerin geht mit einer Gruppe von Schüler*innen durch eine grüne, naturnahe Umgebung.

Mit BildungPLUS macht das DJH pädagogisch geprüfte Programme für Klassenfahrten besser sichtbar. Lehrkräfte erhalten damit Orientierung bei der Auswahl, während Schüler*innen von Lernangeboten profitieren, die Wissen, gemeinsames Erleben und persönliche Entwicklung miteinander verbinden. Im Interview spricht Linda Salzer darüber, wie BildungPLUS entstanden ist, welche Qualitätskriterien dahinterstehen und warum regionale Vielfalt dabei eine wichtige Rolle spielt. Linda ist im DJH-Landesverband Sachsen-Anhalt für Pädagogik und Programmgestaltung zuständig und hat die Entwicklung von BildungPLUS aus pädagogischer Sicht begleitet.

BildungPLUS Klassenfahrt: Mehr Orientierung für Lehrkräfte

Mathis: Linda, aus welchem konkreten Bedarf heraus ist BildungPLUS entstanden? Welche Rückmeldungen oder Beobachtungen haben gezeigt, dass Lehrkräfte und Schulklassen ein solches Angebot brauchen?

Linda Salzer im Porträt. Im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen mit dem DJH-Klassenfahrtsprodukt BildungPLUS.
Linda Salzer

Linda: Die Idee zu BildungPLUS ist aus der Gemeinwohlorientierung des DJH entstanden. Bildung gehört zum Kern unseres Selbstverständnisses.

Jugendherbergen sind nicht nur Orte zum Übernachten. Sie sind besondere Lern- und Erfahrungsräume. Gerade Klassenfahrten schaffen Möglichkeiten, die der Schulalltag so nicht immer bieten kann. Kinder und Jugendliche erleben Gemeinschaft, lernen miteinander und voneinander und erfahren, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirkt. Gleichzeitig können sie sich intensiv mit gesellschaftlichen, ökologischen oder kulturellen Themen auseinandersetzen.

Im DJH gibt es bereits eine große Vielfalt an Programmen. Für Lehrkräfte ist aber nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, welche Angebote über Freizeit und gemeinsames Erleben hinausgehen und einen klaren pädagogischen Anspruch haben.

Und genau da setzt BildungPLUS an. Das Angebot schafft Orientierung und macht Programme sichtbar, die nach gemeinsamen pädagogischen Qualitätskriterien geprüft wurden.

Wir wollen Bildung in Jugendherbergen also nicht neu erfinden. Vielmehr machen wir die pädagogische Qualität, die vielerorts längst vorhanden ist, besser sichtbar. Lehrkräfte erhalten damit eine verlässliche Entscheidungshilfe für die Planung ihrer Klassenfahrt.

Die gemeinsamen Qualitätskriterien geben uns auch für die Zukunft eine klare Grundlage. Wir können weitere Programme gezielt prüfen, ihre pädagogische Qualität weiterentwickeln und das Bildungsangebot im DJH Schritt für Schritt ausbauen.

Bildungsprogramme gemeinsam weiterentwickeln

Mathis: An der Entwicklung waren mehrere DJH-Landesverbände beteiligt. Wie hat sich die Zusammenarbeit gestaltet und welche unterschiedlichen Erfahrungen sind in BildungPLUS eingeflossen?

Linda: Die Zusammenarbeit über mehrere Landesverbände hinweg war besonders wertvoll. Denn die Voraussetzungen und Erfahrungen in den Regionen sind sehr unterschiedlich.

Jugendherbergen arbeiten mit verschiedenen Zielgruppen, regionalen Partnerorganisationen und eigenen pädagogischen Schwerpunkten. Manche Häuser haben schon seit vielen Jahren etablierte Bildungsprogramme. Andere bringen besondere Kompetenzen mit, die eng mit ihrem Standort oder ihrer Region verbunden sind. All diese Perspektiven wollten wir in einen gemeinsamen Rahmen bringen.

Dabei ging es ausdrücklich nicht darum, überall dasselbe Programm umzusetzen. Das hätte auch gar nicht zum DJH gepasst.

Unser Ziel war es, bundesweit verbindliche Leitplanken zu entwickeln und gleichzeitig genügend Raum für die Stärken der einzelnen Landesverbände und Jugendherbergen zu lassen. Dafür mussten wir viele Fragen gemeinsam klären: Was verstehen wir im DJH eigentlich unter Bildung? Was zeichnet ein gutes Bildungsprogramm aus? Welche Anforderungen sollen überall gelten und wo brauchen die Häuser bewusst Gestaltungsspielraum?

Diese Diskussionen waren intensiv, aber genau das hat BildungPLUS aus meiner Sicht stark gemacht. Heute verbindet das Angebot einen gemeinsamen Qualitätsanspruch mit der Vielfalt, die unsere Jugendherbergen auszeichnet.

Pädagogische Qualität bei der BildungPLUS Klassenfahrt

Mathis: Was war euch bei der Entwicklung besonders wichtig, damit BildungPLUS pädagogisch sinnvoll ist und den Unterricht sinnvoll ergänzt?

Linda: Als Sozialpädagogin habe ich mich im Entwicklungsprozess vor allem mit den pädagogischen Qualitätskriterien beschäftigt. Gemeinsam mit den beteiligten Kolleg*innen haben wir festgelegt, was ein Programm von BildungPLUS auszeichnen soll.

Uns war von Anfang an wichtig, nicht einfach möglichst viele vorhandene Angebote mit einem neuen Namen zu versehen. Wo BildungPLUS draufsteht, soll auch ein klarer und nachvollziehbarer pädagogischer Mehrwert drinstecken.

Ein gutes Bildungsprogramm braucht konkrete Ziele und muss zur jeweiligen Altersgruppe passen. Ebenso wichtig sind Methoden, die Kinder und Jugendliche aktiv einbeziehen. Die Schüler*innen sollen nicht nur zuhören und Informationen aufnehmen. Sie sollen selbst entdecken, ausprobieren, reflektieren und gemeinsam handeln.

Dazu gehören auch qualifizierte Programmpartner*innen sowie verlässliche Sicherheits- und Qualitätsstandards. Und wir wollen genauer hinschauen: Wie funktionieren die Programme in der Praxis? Was lässt sich weiterentwickeln?

BildungPLUS soll den Unterricht nicht ersetzen. Es geht auch nicht darum, die Schulstunde einfach an einen anderen Ort zu verlegen. Die Stärke liegt gerade im Lernen außerhalb des klassischen Unterrichts. Themen können praktisch erfahrbar werden und einen direkten Bezug zur Lebenswelt der Schüler*innen bekommen.

So kommen fachliches Lernen, persönliche Erfahrungen und gemeinsames Erleben zusammen. Genau das kann eine Klassenfahrt leisten.

Was BildungPLUS von anderen Klassenfahrten unterscheidet

Mathis: Das DJH bietet bereits viele Programme für Klassenfahrten an. Was unterscheidet BildungPLUS von anderen Angeboten und woran merken Lehrkräfte und Schüler*innen diesen Unterschied?

Linda: Ein entscheidender Unterschied ist das verbindliche Qualitätsversprechen. Dazu gehört bei BildungPLUS auch, dass wir bewusst viel Zeit und Raum für pädagogische Arbeit einplanen.

Die Programme laufen in der Regel über fünf Tage und haben fünf pädagogisch begleitete Bildungsblöcke mit insgesamt 20 Unterrichtseinheiten. Die einzelnen Bausteine greifen dabei ineinander und bauen aufeinander auf.

Für Lehrkräfte schafft das Orientierung und Verlässlichkeit. Sie können gezielt Programme auswählen, bei denen pädagogische Ziele, Inhalte und Methoden aufeinander abgestimmt sind. Gleichzeitig bleibt genügend Raum, ein Angebot zu finden, das zur Klasse, zum Alter der Schüler*innen und zu den jeweiligen schulischen Themen passt.

Die Schüler*innen erleben den Unterschied vor allem darin, wie sie lernen. Sie hören nicht nur zu, sondern handeln selbst, probieren Dinge aus, erleben etwas gemeinsam und setzen sich mit ihren Erfahrungen auseinander. So verbindet BildungPLUS fachliches Lernen mit persönlicher Entwicklung und der Stärkung der Klassengemeinschaft.

BildungPLUS und die Zukunft pädagogischer Klassenfahrten

Mathis: Zum Schluss: Wie sieht die Zukunft von bildungPLUS aus? Wird es Weiterentwicklungen oder Optimierungen geben?

Linda: Ja, auf jeden Fall. BildungPLUS ist für mich kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein Angebot, das sich weiterentwickeln soll.

Bildungsbedarfe verändern sich. Neue gesellschaftliche Themen kommen hinzu, und auch Schulen und junge Menschen stellen andere Fragen als noch vor einigen Jahren. Deshalb müssen wir sowohl die Qualitätskriterien als auch die einzelnen Programme regelmäßig anschauen und weiterentwickeln.

Dabei wollen wir die Erfahrungen aus den Jugendherbergen einbeziehen. Auch die Perspektiven von Lehrkräften und Schüler*innen können uns zeigen, was gut funktioniert, wo wir nachjustieren sollten und welche Themen oder Formate künftig interessant sein könnten.

Langfristig wünsche ich mir, dass BildungPLUS zu einem klar erkennbaren Qualitätsversprechen des DJH wird. Lehrkräfte sollen wissen: Wenn sie ein Programm von BildungPLUS auswählen, entscheiden sie sich für ein pädagogisch geprüftes Angebot, das ihre Klassenfahrt sinnvoll bereichert.

Gleichzeitig soll jede Jugendherberge ihre eigenen Stärken behalten. Ein gemeinsamer Anspruch und regionale Besonderheiten schließen sich nicht aus. Im Gegenteil, genau diese Mischung macht BildungPLUS aus.

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