Englisch lernen, das Spaß macht – und bleibt!
Wie gelingt es, dass deine Schüler*innen Englisch nicht nur verstehen, sondern selbstbewusst sprechen? Im Interview mit Helene Altenstein, Project Manager bei InterACT English gGmbH, erzählt sie, wie das Team mit kreativen Projekten, theaterpädagogischen Methoden und der besonderen Atmosphäre von Jugendherbergen Lernräume schafft, in denen Sprache lebendig wird. Erfahre, warum Klassenfahrten mit InterACT eine Alternative zu Auslandsreisen sein können und wie sie Mut, Gemeinschaft und Freude an der englischen Sprache fördern.
Mathis: Wie ist InterACT entstanden? Was war die ursprüngliche Idee hinter dem Projekt?
Helene: InterACT ist aus der Vision entstanden, Englischlernen neu zu denken: kreativ, emotional und erlebnisorientiert.
Wie wir von vielen Lehrkräften und Schüler*innen gehört haben, besteht eine der größten Herausforderungen im Fremdsprachenunterricht darin, die Sprache nicht nur zu verstehen, sondern aktiv anzuwenden – im Sprechen, im Handeln, im Miteinander.
Die Theorie und Grammatik werden im Unterricht meist hervorragend vermittelt – was jedoch oft fehlt, ist ein praxisnaher, angstfreier Raum, in dem junge Menschen Englisch im echten Kontext erleben und ausprobieren können, ohne schulischen Leistungsdruck. Genau diesen Raum wollten wir schaffen.
Die Wurzeln unseres Ansatzes liegen in der Theaterpädagogik, wo Kommunikation ganzheitlich gedacht wird: mit Körper, Stimme, Emotion und Ausdruck. Daraus ist die Idee für Sprachcamps und Klassenfahrten gewachsen – und auch für innerschulische Projekte, die wir mittlerweile bundesweit an Schulen anbieten. Unser Ziel ist es, möglichst vielen Schüler*innen die Chance zu geben, Sprache lebendig und selbstwirksam zu erleben – ganz gleich, ob auf Klassenfahrt oder im Klassenzimmer.
Mathis: Was ist das zentrale Konzept von InterACT? Was macht euren Ansatz im Bereich Sprachvermittlung besonders?
Helene: Unser zentrales Konzept ist projektorientiertes Lernen mit Schwerpunkt auf Kreativität als Katalysator für Gruppenarbeit. Wir verbinden Sprachförderung mit theaterpädagogischen Methoden und interaktiven Lernformaten, die Raum für Selbstwirksamkeit und gemeinsames Lernen schaffen. Bei uns steht nicht die perfekte Grammatik im Vordergrund, sondern der Mut, sich auszuprobieren – ganz ohne Notendruck. Unsere englischsprachigen Teamer*innen sind Teaching Artists – also pädagogisch ausgebildete Künstler*innen, die aus Bereichen wie Theater, Musik oder Tanz kommen – und schaffen eine authentische, kreative und wertschätzende Lernatmosphäre. Grundsätzlich bieten wir Schüler*innen Kontakt- und Interaktionsmöglichkeiten mit Menschen aus aller Welt. So wird Englisch zur gelebten Sprache, nicht nur zur Schulaufgabe.
Mathis: Seit wann arbeitet ihr mit den Jugendherbergen in Deutschland zusammen? Was schätzt ihr an dieser Kooperation besonders?
Helene: Unsere Zusammenarbeit mit dem DJH besteht seit vielen Jahren und ist für uns ein echter Glücksfall. Die Jugendherbergen bieten nicht nur die passende Infrastruktur für unsere Programme, sondern teilen auch unsere pädagogischen Werte: Gemeinschaft, Teilhabe und Bildung. Besonders schätzen wir die Offenheit für neue Formate und die enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Viele Herbergsteams sind mittlerweile echte Partner im Bildungsprozess – das ist etwas Besonderes.
Mathis: Wie profitieren Schulklassen von der Kombination aus InterACT-Programmen und dem Umfeld einer Jugendherberge?
Helene: Die Kombination aus unseren InterACT Programmen und dem besonderen Umfeld einer Jugendherberge bietet viel Raum für intensives und praxisnahes Englischlernen. Die Jugendherberge bietet einen sicheren, zugleich inspirierenden Rahmen, in dem Schüler*innen sich frei bewegen und in einer vertrauten Gemeinschaft erleben können.
Unser Programm stellt zudem eine sinnvolle Alternative zu Klassenreisen ins Ausland dar: Für Schüler*innen und Eltern kann eine solche Klassenfahrt finanziell leichter umsetzbar sein. Gleichzeitig kann sie den organisatorischen Aufwand reduzieren, der bei einer Auslandsfahrt entsteht. So können sich alle Beteiligten auf das Wesentliche konzentrieren – die gemeinsame Lernerfahrung und das Miteinander.
Dadurch entsteht ein Raum, in dem die Sprache lebendig wird, und Schüler*innen lernen Englisch nicht nur als Fach, sondern als lebendiges Kommunikationsmittel kennen.

Mathis: Wie kann eine Klassenfahrt mit InterACT dazu beitragen, dass Schüler*innen Englisch besser und nachhaltiger lernen?
Helene: Sprachen lernt man besonders lebendig, wenn man sie aktiv braucht, erlebt und anwendet. Bei unseren Programmen tauchen Schüler*innen für mehrere Tage in eine englischsprachige Erlebniswelt ein, in der sie sich spielerisch, kreativ und ohne Angst vor Fehlern ausdrücken können. Das kann ihre Sprachkompetenz und ihr Selbstvertrauen stärken und damit eine wichtige Grundlage für langfristiges Lernen schaffen.
Unser Ziel ist es, einen Funken zu legen: Wir möchten Lust auf Englisch machen, Neugier wecken und zeigen, dass Sprache mehr ist als Grammatikregeln – sie ist ein Werkzeug, um sich auszudrücken, sich zu verbinden und sich selbst zu entdecken.
Wir erleben immer wieder, dass aus kleinen Erfolgen echtes Interesse wird – manchmal sogar eine neue Leidenschaft. Wenn Schüler*innen am Ende sagen: „Englisch macht mir jetzt richtig Spaß“, dann wissen wir: Der Funke ist übergesprungen.
Mathis: Was unterscheidet das Lernen bei InterACT vom klassischen Fremdsprachenunterricht im Klassenzimmer?
Helene: Wir wissen, dass viele Englischlehrkräfte bereits sehr moderne und kreative Unterrichtsmethoden einsetzen. Unser Ansatz ergänzt und erweitert diese durch das Lernen in einer englischsprachigen Umgebung, in der Schüler*innen an kreativen Projekten wie Theater, Filmemachen, Medienmusik oder anderen künstlerischen Formaten arbeiten.
Durch diese praktische Umsetzung werden die Schüler*innen herausgefordert, ihr Wissen aktiv anzuwenden und die Sprache wirklich zu verkörpern – nicht nur im Kopf, sondern auch im Handeln und in der Kommunikation mit anderen.
Ein besonderer Bestandteil unserer Programme ist die Interaktion mit Muttersprachlerinnen. Dabei erleben die Schülerinnen neben der Sprache auch Gestik, Mimik und Sprachmelodie unmittelbar in der Kommunikation. Fähigkeiten, die im klassischen Klassenraum oft schwerer zu entwickeln sind.
So entsteht ein ganzheitliches, lebendiges Lernerlebnis, das Sprachkenntnisse mit sozialen und kulturellen Kompetenzen verbindet.
Mathis: Welche Rückmeldungen erhaltet ihr von Lehrkräften und Schüler*innen zu euren Programmen? Gibt es Erlebnisse, die euch besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Helene: Lehrkräfte berichten uns häufig, dass sie überrascht sind, wie schnell sich ihre Schüler*innen öffnen und anfangen, Englisch aktiv zu nutzen – selbst diejenigen, die im Unterricht sonst eher zurückhaltend sind. Häufig hören wir Sätze wie: „Ich hätte nie gedacht, dass meine Klasse so frei Englisch sprechen kann.“
Unsere Teaching Artists schaffen eine Atmosphäre, in der junge Menschen sich ausprobieren dürfen, ohne bewertet zu werden. Dabei beobachten wir häufig, dass Schüler*innen mutiger werden, neugierig sind und mehr Interesse an der Sprache entwickeln.
Ein besonders eindrückliches Erlebnis war eine Schülerin, die in der Schule kaum Englisch sprach. Am letzten Abend hat sie dann ganz spontan ein selbstgeschriebenes englisches Gedicht vor der Gruppe vorgetragen – mit klarer Stimme und leuchtenden Augen. Genau diese Momente sind es, für die wir bei InterACT arbeiten: Wenn ein junger Mensch merkt, dass Sprache Freude machen kann – und dass sie ein Werkzeug ist, um gehört, verstanden und gesehen zu werden.
Mathis: Welche Ideen habt ihr für die Zukunft von InterACT – insbesondere im Hinblick auf Klassenfahrten und Sprachförderung?
Helene: Wir möchten unser Angebot noch inklusiver und vielfältiger gestalten und soziale sowie ökologische Themen künftig stärker in unsere Programme einbeziehen. Themen wie Empowerment, gesellschaftlicher Zusammenhalt und globale Perspektiven sollen künftig noch stärker in unseren Programmen verankert sein. Gleichzeitig möchten wir unsere In-School-Angebote weiter ausbauen und noch gezielter mit Schulen zusammenarbeiten, für die Klassenfahrten aus finanziellen oder organisatorischen Gründen schwer umsetzbar sind. Gerade für Schulen im ländlichen Raum oder mit besonderem Förderbedarf können diese innerschulischen Projekte eine echte Chance sein.
Und natürlich freuen wir uns darauf, auch gemeinsam mit dem DJH neue Impulse zu setzen – vielleicht sogar international.
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