Deutschland erobern im Grünen

Winter im Harz: Wernigerode mit Kleinkind

Wenn vor der eigenen Haustür den gesamten Winter über kaum eine Schneeflocke fällt, bleibt nur eins: Sachen packen und dorthin fahren, wo Schnee ist. Doch wohin genau, wenn man im Norden Deutschlands wohnt und außerdem ein Kleinkind dabei hat – also nicht viele Stunden bis in die Alpen fahren möchte? „In den Harz“, haben viele geantwortet. Also hab ich genau das gemacht und bin mit meinem knapp zweijährigen Sohn für ein Wochenende nach Wernigerode, Schierke und Braunlage gefahren. Wo ich den meisten Schnee gefunden habe, welche Jugendherberge unser Domizil war und worauf Ihr im Winter bei einem Trip mit Kleinkind achten solltet, lest Ihr in meinem zweiteiligen Reisebericht. Los geht´s mit Tag 1, an dem wir Wernigerode unter die Lupe genommen haben.

Winter mit Kleinkind in Wernigerode

Wernigerode mit Kleinkind: Die Stadt unter einer dünnen Schneedecke

Samstagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Wir parken das Auto nah der historischen Altstadt auf einem der offiziellen Parkplätze. Davon gibt es auf den ersten Blick ausreichend. Und mit einer maximalen Parkgebühr von 4 Euro erwischen wir einen, der nicht zur Eile drängt. Aus dem Kofferraum holen wir den Buggy  – der Schlitten bleibt drin. Wernigerode ist an diesem Vormittag weiß gepudert, eine dicke Schneedecke gibt es nicht.

Wernigerode mit Kleinkind: Unterwegs in der historischen Altstadt

Die Stadt im Mittelharz ist berühmt für ihr Fachwerk und die typischen Schieferdächer. Zurecht, wie ich beim Schlendern durch die kleinen Straßen feststelle. Das zarte, glitzernde Weiß auf den mittelalterlichen, schmuck hergerichteten Giebeln und Spitzdächern lässt nochmal Weihnachtsgefühle aufkommen. Wie schön diese Straßenzüge wohl an einem dämmrigen Adventsnachmittag mit passender Beleuchtung ausschauen? Ich notiere gedanklich, dass wir das im kommenden Dezember herausfinden sollten.

Mein Sohn, er möchte währenddessen etwas ganz anderes herausfinden: was es mit diesem ungewohnten kalten Weiß auf sich hat. Neugierig, aber auch skeptisch prüft er die Schneekugel, die ich für ihn forme. Selber anfassen? Ähm, nein. Mama soll die Kugel lieber in die Luft schmeißen. Na gut!

Wir laufen durch die Fußgängerzone und stehen schnell auf dem Marktplatz, vor dem historischen Rathaus. Anfang des 15. Jahrhunderts ist es entstanden und war zunächst ein gräfliches Spielhaus. 1539 bis 1544 wurde es schließlich zum Rathaus umgebaut. Rathäuser gab es streng genommen allerdings zwei: eines in der Altstadt und eines in der Neustadt. Wernigerode teilt sich im Zentrum nämlich in diese beiden Stadtgebiete, wobei das Wörtchen „neu“ in „Neustadt“ irreführend ist: Die Siedlung am nordöstlichen Rand der bereits bestehenden Altstadt bildete sich schon im 13. Jahrhundert.

Wernigerode mit Kleinkind: Bimmelbahn fährt zum Schloss

Wernigerode mit Kleinkind: Mit der Bimmelbahn zum Schloss

Diese und viele andere Informationen zur Stadtgeschichte erfahre ich dank der Einspieler in der Wernigeröder Bimmelbahn. Die schwarz-gelbe Bahn, sie bringt uns hinauf auf das Schloss von Wernigerode. Eine rund zehnminütige Fahrt, die mächtig Eindruck bei meinem Sohn hinterlässt. Vor dem Fenster und seinen Augen ziehen die bunten Fassaden entlang, es wackelt angenehm abenteuerlich – ein Traum für kleine Kinder. Ob wir überhaupt mitfahren können, war uns erst unklar, schließlich haben wir den Kinderwagen dabei. Aber ganz hinten in der Bimmelbahn, da gibt es Stauraum für ein bis zwei Buggys oder Wagen.

Wir fahren vorbei am Lustgarten, in dem ich einen schönen Spielplatz erspähe. Noch ein paar schlengelnde Kurven, Endstation. Die letzten Meter aufs Schloss geht man als Besucher immer zu Fuß. Der erhöhte Puls und das geduldige Warten auf den etwas langsameren Nachwuchs wird mit einem phantastischen Ausblick über Wernigerode belohnt. Von oben kann man die Zweiteilung in Alt- und Neustadt gut erkennen, und auch die Zwölfmorgental-Skischanzen fallen sofort ins Auge. Dort kann man bei ausreichend Schnee übrigens auch rodeln. Garniert wird die wunderbare Aussicht für uns mit etwas Sonne – herrlich.

Wernigerode mit Kleinkind: Die Fahrt mit der Bimmelbahn hinterlässt mächtig Eindruck bei dem Kleinen!

Den Weg hinab fahren wir wieder mit der Bahn. Am Fuße des Schlossberges kommen wir am Wildpark vorbei, von dem ich bereits bei meiner Vorbereitung auf die Reise gehört habe. Er ist rund ums Jahr geöffnet und beherbergt heimische Tierarten. Sofern ich das vom Vorbeifahren und dem ersten Eindruck beurteilen kann, lohnt sich ein Besuch dort mit Kindern auf jeden Fall. Zurück in der Altstadt hält die Bimmelbahn genau dort, wo wir auch mit ihr gestartet sind. „Neiiiin.“ Der Lütte zieht ein wehmütiges Schippchen, als er aussteigen soll. Und schläft eine Viertelstunde später im Kinderwagen ein.

Wernigerode mit Kleinkind: Ausreichend Platz in der Kultur|Jugendherberge

Mächtig durchgefroren entscheide ich, dass wir nach seinem Schläfchen nicht wie ursprünglich geplant mit der Harzer Schmalspurbahn nach Schierke fahren – es ist einfach schon zu spät und wäre bei der Ankunft fast schon dunkel. Stattdessen düsen wir nach einem Snack im „Wiecker“ in die Jugendherberge. Sie liegt leicht erhöht etwas außerhalb der Altstadt (gut 10 Minuten Fahrt mit dem Auto oder dem Bus; eine Haltestelle befindet sich fußläufig in direkter Nähe). Wernigerode mit Kleinkind: Das zusätzliche "Hüpfbett" des Dreibettzimmers gefällt dem Kleinen sichtlich!

Wir beziehen unser Dreibettzimmer mit Badezimmer, in dem zusätzlich ein massives Kinderbett steht. Platz haben wir genug: das Kinderbett für den Sprössling, ein Bett für mich, ein Bett als Wickelplatz – und eines zum Hüpfen.

Wernigerode mit Kleinkind: Indoor-Aktivitäten

Es ist Nachmittag geworden und ich überlege, was wir noch unternehmen können. Raus möchte ich mit dem Lütten nicht mehr – zu kalt und zu dunkel. Ich entscheide mich für einen Besuch in der Indoor-Spielhalle des Hasseröder Ferienparks, der in wenigen Autominuten von der Jugendherberge aus zu erreichen ist. Auf dem Weg hoffe ich, dass diese Spielhalle angenehm abweicht von der, in der ich in Bremen schon mal war. Denn danach habe ich mir eines geschworen: Nie wieder gehe ich in solch eine Indoor-Spielhalle.

Ich hätte diesem Schwur treu bleiben sollen. denn um ehrlich zu sein, hat es mir auch in Wernigerode nicht im lauten, warmen Ambiente zwischen vier großen Hüpfburgen gefallen. Mir persönlich war der Raum zu klein und die Ausstattung zu phantasielos. Mein Sohn war auch recht schnell von den Eindrücken und der Lautstärke überfordert. Vielleicht sind wir einfach beide nicht der Typ für solch ein Angebot. Beim Rausgehen haben wir noch einen Blick ins angrenzende Brockenbad geworfen. Das würde ich beim nächsten Mal wohl eher für eine Indoor-Aktivität aussuchen. Oder ins Schiefe Haus gehen.

Als der Lütte und ich etwas später in unseren Jugendherbergs-Betten liegen, sind wir beide angenehm geschafft. Am kommenden Tag wollen wir noch eine Schippe obendrauf legen, eine Schnee-Schippe um genau zu sein. In der Nacht soll es schneien und wir hoffen darauf, in Schierke und Braunlage den Schlitten rausholen und eine dicke Schneedecke erkunden zu können.

 

Meine Wernigerode-Tipps in der Zusammenfassung:

  • In Wernigerode seid Ihr mit einem Kinderwagen oder Buggy auf der sicheren Seite.
  • Wenn Ihr wie wir in der Jugendherberge Wernigerode übernachtet, lasst Euch möglichst ein Zimmer im dritten oder vierten Stock mit Blick auf die Stadt geben.
  • Steckt das Gutscheinheft ein, das Ihr beim Check-In in der Jugendherberge bekommt. Darin sind zahlreiche Coupons, die Euch nutzen werden.
  • Mit (Klein-)Kind solltet Ihr unbedingt in der Bimmelbahn hinauf zum Schloss fahren. Den Rückweg würde ich zu Fuß und mit Kinderwagen absolvieren und als Ziel den Wildtierpark ansteuern.
  • In Wernigerode startet die Harzer Schmalspurbahn, die bis hinauf zum Brocken fährt. Mit Kleinkind reicht allerdings die Fahrt nach Schierke und zurück (jeweils eine Stunde).
  • Schaut in die Angebotsübersicht für Familien, die Ihr auf der Seite der Tourismuszentrale findet: www.wernigerode-tourismus.de.
  • Der Lustgarten ist ein herrliches Fleckchen Natur mit einem vielseitigen Baumbestand. Hier können Kinder ordentlich toben und einen Spielplatz gibt es auch. Ein perfektes Zwischenziel, wenn Ihr zu Fuß aufs Schloss marschieren und ein kleines Picknick machen möchtet.

Im zweiten Teil verrate ich Euch , ob der Wetterbericht Recht behielt und wir in Schierke und Braunlage tatsächlich durch dicke Schneemassen stapfen konnten. Außerdem: Mein Urteil, welcher der drei besuchten Orte Wernigerode, Schierke und Braunlage für mich der kleinkindtauglichste war.

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

2 Kommentare zu “Winter im Harz: Wernigerode mit Kleinkind

  1. Sandra Geistmann

    Das klingt sehr spannend, vor allem da wir Interesse an einem Besuch der DJH im Sommer diesen Jahres haben. Daher bin ich schon neugierig auf den 2. Teil des Blogs. Wann soll der denn erscheinen?

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