Deutschland erobern im Grünen

Tanz auf dem Vulkan: Ein Besuch in der familienfreundlichen Jugendherberge Mayen

„Vulkanpark-Jugendherberge“ – als ich vor einiger Zeit über diese Formulierung auf der Website des DJH stolperte, schaute ich zweimal hin. Familien-Jugendherberge, Sport-Jugendherberge, Kultur-Jugendherberge, das alles sind für mich inzwischen vertraute Bezeichnungen. Eine Vulkanpark-Jugendherberge war mir hingegen noch nicht untergekommen. Kein Wunder, wie ich jetzt weiß: Nur die frisch modernisierte Jugendherberge Mayen trägt diesen Titel. Ich hab mir das familienfreundliche Haus und die Umgebung mal angeschaut.

Start: Bremen. Ziel: Mayen.

Als ich meine Reiseroute in die Maske der Fahrplanauskunft tippe, habe ich – um ganz ehrlich zu sein – keinen Schimmer, in welchen Teil von Deutschland mich meine Reise zur Jugendherberge Mayen genau führen würde. Umstieg in Koblenz verrät mir die Deutsch Bahn. Aha, Deutsches Eck also. Mosel und Rhein, da klingelt was bei mir. Von Koblenz aus ginge es dann noch eine Stunde mit dem Bus weiter. Ich frage ergänzend die Suchmaschine in meinem Internetbrowser, was sie mir zur geographischen Lage von Mayen sagen kann. Sie antwortet eindeutig:  „Vulkanpark Eifel“. Na dann: Auf in die Eifel!

Als ich ein paar Tage später in Mayen aus dem Bus steige, empfängt mich der sommerliche Mittwoch in Rheinland-Pfalz mit 31 Grad. Heiße Temperaturen im Vulkangebiet! Zur Jugendherberge sind es von der Haltestelle nur rund 500 Meter, die haben es allerdings in sich: westlich sowie nördlich und südwestlich von Mayen erhebt sich die Eifel in einer Geländestufe. Für mich geht es daher bergauf. Während ich dabei ordentlich ins Schwitzen gerate, höre ich Wasserspritzer und Gelächter: direkt unterhalb der Jugendherberge erfrischen sich gerade einige Mayener im Freibad. Das wäre jetzt auch nicht schlecht… Mangels Badekleidung und vor allem, weil ich ja wissen will, was es mit den Vulkanen in der Eifel auf sich hat, marschiere ich weiter. Und werde bei meiner Ankunft an der Jugendherberge belohnt – mit einem tollen Ausblick.

 

Auf den Ausblick folgt der Einblick in das gerade erst wiedereröffnete Haus. 10 Monate lang wurde es grundlegend erneuert, was ich beim Eintreten in den Empfangsbereich kaum übersehen kann: zeitgemäßes farbenfrohes Mobiliar, eine durchlässige Raumaufteilung zwischen Empfang, Speise- und Aufenthaltsraum, eine einladende Spielecke für Kinder, lichtdurchflutete große Fenster und ein moderner Kamin erwarten mich im Erdgeschoss des 101-Betten-Hauses.

Alles, was das Mutterherz begehrt

Was mir sofort ins Auge fällt: die schönen Hochstühle, die für die Mahlzeiten bereit stehen. Ja, die Augen einer Kleinkind-Mutter bleiben schnell an solchen Details hängen… Vor allem, weil ich meinen Lütten ursprünglich mit nach Mayen bringen wollte.

Das klappte kurzfristig nicht, was das Team der Jugendherberge Mayen allerdings erst bei meiner Ankunft erfährt. Deshalb ist mein Zimmer mit allem versorgt, was sich Eltern für eine entspannte Übernachtung nur wünschen können: Babybett, Babywanne, Babyphone, Wickelunterlage, Windeln und Kuscheltier. Sogar an einen Tritt im Badezimmer, der Kindern beim Erreichen des Waschbeckens helfen kann, hat das Housekeeping gedacht.

Platz genug für Kinderwagen & Co. hätte ich in dem großen Zimmer ebenfalls. Den großartigen Ausblick über Mayen gibt´s noch obendrauf. Keine Frage: Hier hätte der Lütte auch eine gute Zeit haben können.

Duschen in jedem Zimmer

Ohne Kind im Schlepptau habe ich die Ruhe, erst einmal unter die nigelnagelneue Dusche zu springen. In der Jugendherberge Mayen hat seit der Rundum-Erneuerung jedes Zimmer ein eigenes Bad – eine inzwischen in vielen Jugendherbergen eingeführte Veränderung, die ich persönlich nicht mehr missen mag. Von der aber viele Freunde, mit denen ich spreche, gar nicht wissen. Immer noch spukt die Vorstellung von Etagenduschen durch die Köpfe.

Ja, die gibt es durchaus noch, aber schon lange nicht mehr in jeder Jugendherberge und wenn meist nicht mehr ausschließlich. Daher mein Tipp: Checkt bei Eurer nächsten Reiseplanung doch auch immer mal die Jugendherberge vor Ort und ob sie nicht Familienzimmer mit Bad, Einzelzimmer mit Bad oder sogar Apartmenthäuser hat. Findet Ihr nämlich häufiger als Ihr vielleicht denkt.

Lava in der Eifel

Frisch und abgekühlt treffe ich eine halbe Stunde später im Erdgeschoss Laura Büschner, Hausleiterin in Mayen. Eine frisch Zugezogene, die die Vulkaneifel gerade erst in all ihren Facetten kennenlernt. „Unsere Gäste sind im Gegensatz zu mir oft schon alte Hasen, wenn es um die Vulkaneifel geht“, schmunzelt sie. „Sowohl Schulklassen als auch Familien kommen in vielen Fällen explizit zu uns, weil sie sich für Lava, Mineralien, Vulkane und Geologie interessieren. Besonders Kinder zieht das Thema unglaublich in den Bann.“ Ich stutze. „Aber brodelnde Vulkane gibt es hier doch nicht und im Ort ist mir vorhin rein gar nichts Vulkanisches aufgefallen. Wo bekommt man hier denn überhaupt Vulkan-Feeling?“, will ich wissen.

Laura Büscher hat die Antwort: „Ja, man wundert sich im ersten Moment. Aber wenn man einmal anfängt, die Umgebung und die Angebote im Vulkanpark unter die Lupe zu nehmen, ist man sprachlos, wieviel es zu entdecken gibt. Hier in Mayen gibt es beispielsweise die Genovaburg mit Eifelmuseum und Deutschem Schieferwerk, das Erlebniszentrum Terra Vulcania und das Mayener Grubenfeld. In der Umgebung gibt es den Laacher See, der noch brodelt, und zahlreiche andere sogenannte Maare. Und das ist nur der Anfang.“

Erlebniszentrum Terra Vulcania

Auch ich möchte einen Anfang, denn genauso ahnungslos wie ich über die geographische Lage Mayens war, bin ich über die Vulkaneifel und Vulkanismus. Hatten wir dazu eigentlich mal was in er Schule, frage ich mich. Wenn ja, dann ist meine Erinnerung daran vollkommen verblasst. Es ist also höchste Zeit, diese Wissenslücke zu schließen. „Wissen Sie was“, sage ich zu Frau Büscher, „ich mach mich mal auf dem Weg in das Terra Vulcania. Wenn ich in eine Vulkanpark-Jugendherberge zu Gast bin, in der sogar Ansichten von Basalthöhlen über meinem Bett hängen, sollte ich schleunigst mehr über Vulkane in der Eifel erfahren.“

Das Erlebniszentrum Terra Vulcania hat in den Sommerferien jeden Tag geöffnet und kann zu Fuß erreicht werden. Als ich ankomme werde ich von einem strahlenden Gesicht empfangen: Sabine Leonard steht vergnügt hinter einem magmaroten Tresen. Seit Eröffnung des Erlebniszentrums vor vier Jahren gehört sie zum Terra Vulcania-Team. Und sie ist Mayenerin aus Leidenschaft, wie ich schnell merke. „Hier gibt es so viel Einmaliges“, schwärmt sie. „Außerdem sind wir Mayener alle steinreich.“

Nein, sie meint keine Euros auf dem Konto, sondern Gesteine unter der Erde: Basalt und Schiefer. Beides findet man in Mayen und Umgebung in unvergleichbaren Mengen und die Region profitiert nicht unerheblich vom Abbau und Verkauf. Im Terra Vulcania spielt der Basalt die Hauptrolle. Oder wie die Einwohner von Mayen sagen „Das schwarze Gold der Eifel“.

Für meine Tour durch das Erlebniszentrum und das Mayener Grubenfeld bekomme ich eine Expertin an die Seite: Gästeführerin Kerstin Hahnhart. Sie gibt mir mit Hilfe einer großen Landkarte erst einmal einen Überblick, welche Region das Vulkanland Eifel überhaupt umfasst. Außerdem sehe ich, wie viele Berge, Erhebungen, Maare und Vulkane in dem Gebiet zu finden sind. Eine ganze Menge mehr als ich vermutet habe. Der historisch bedeutsamste ist der Bellerberg-Vulkan. Er brach vor 200.000 Jahren aus und sein Lavastrom prägte Geographie und Geologie der Eifel umfassend. Sein Magma ist es, das heute in erkaltete Form als Mayener Basalt bekannt ist und als Werk- und Baustein in viele Länder verkauft wird.

Ausstellung „SteinZeiten“

Wie die Menschen in den vorangehenden 7.000 Jahren Basalt nutzten, lerne ich, nachdem Kerstin Hahnhart mit mir in der Ausstellung „SteinZeiten“ angekommen ist. Hier zeigen Modelle, historische Überbleibsel und ein animierter Film, wie unterschiedlich Abbau und Weiterverarbeitung im Römischen Reich, im Mittelalter und in der Neuzeit waren und wie sich die Eifel dadurch veränderte. An vielen Stellen passiert das interaktiv, der Besucher kann sich selbst als Bergarbeiter ausprobieren. So teste ich beispielsweise, ob ich genug Kraft aufbringen kann, einen Basaltklotz zu bewegen. Nein kann ich nicht. Für Kinder gibt es in einem nachgebildeten Klassenzimmer ein Quiz zur Bergbaugeschichte nach dem Prinzip von „Wer wird Millionär“.

Ich sehe außerdem präparierte Fledermäuse hinter Glas. Fledermäuse? „Ja, Fledermäuse. Das wichtigste Tier hier auf dem Gelände“, klärt mich Kerstin Hahnhart auf. „Gerade im Spätsommer und Herbst sieht man sie abends in Scharen über das Gelände fliegen. Und ihren Winter verbringen sie meist vollständig in den Schächten des Grubenfeldes. Das sehen wir gleich, wenn wir rübergehen.“

Das Mayener Grubenfeld

Das, worum es im Ausstellungsbereich geht, können Besucher auf dem Mayener Grubenfeld nämlich ganz real und in Originalgröße erleben. Das Steinbruchgelände bietet Zugang zu unterirdischen Abbauschächten und Blick auf überirdische Basaltvorkommen. Es ist eindrucksvoll.

Bei meinem Spaziergang über das Grubenfeld sehe ich ihn dann plötzlich in aller Größe: einen erkalteten Lavastrom. Ich stehe vor einer meterhohen Wand, die ich zuvor im Vorbeigehen einfach als „Feldwand“ bezeichnet hätte. Aber nein, wie ich jetzt weiß ist das, was sich da über mir auftürmt, Basalt. Also irgendwann einmal ein heißer Lavastrom, der sich kilometerweit durch die Eifel fraß. In diesem Moment wird mir das Ausmaß des Vulkanausbruchs vor 200.000 Jahren erst so richtig bewusst.

„Aber inzwischen sind die Vulkane in der Eifel doch alle still, oder?“ Kerstin Hahnhart verneint. „Der Laacher See ist noch aktiv, dort brodelt es ja noch sichtbar. Experten gehen davon aus, dass er in ungefähr 10.000 Jahren noch einmal ausbricht.“ Ui.

Nach gut zwei Stunden verabschiede ich mich von Kerstin Hahnhart. Mit schwirrendem Kopf voller Informationen rund um Schlackenvulkanen und Steinbruchalltag sitze ich kurze Zeit später zum Abendessen in der Jugendherberge. Es ist viel los, einige Schulklassen sind ebenfalls zum Essen vor Ort. Eine von ihnen hat es sich bei einem Barbecue vor der Herberge gemütlich gemacht. Für mich gibt es Salat und Pellkartoffeln mit Quark. Perfekt bei dieser Hitze.

Nach dem Essen erkunde ich das Außengelände der Jugendherberge und sehe die vielen hohen Bäume, von denen Laura Büscher sprach, als sie mir vom Monkeyklettern erzählte, beim dem Kids im Rahmen der Klassenfahrt „Klasse Teamtage“ die Baumstämme nach oben kraxeln. Ansonsten seien natürlich die Klassenfahrten mit Vulkan-Bezug der Renner bei Schule.

Als ich später in Bett steige, ist es noch immer knackig warm draußen. Ein heißer Tag war das für mich in der Vulkaneifel. In jederlei Hinsicht.

Erzählt doch mal: Habt Ihr einen Faible für Vulkane und die Eifel? Kennt Ihr die Region? Bin gespannt auf Eure Gedanken zu diesem heißen Thema!

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

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