mit der Familie Neues erproben

Teambuilding für Familien

Raus aus dem Alltag – und rein in den Wald. Das ist das Motto beim Programm „Natur macht stark – Teambuilding für Familien “ der Jugendherberge Eisenberg. Wir haben drei Familien auf ihrem unvergesslichen Waldabenteuer begleitet.

Ein sonniger Freitag im Spätsommer. Eine alte Säge- und Getreidemühle im Eisenberger Mühltal in Thüringen. Drei Familien mit ihren vier Kindern aus dem Rheinland und die Frage: Was wird passieren, wenn diese zehnköpfige Gruppe gemeinsam für zwei Tage in den Wald aufbricht?

Auf Gruppenexpedition im Unterholz

„Eine ganze Menge“, weiß Benjamin Riedel, Entwicklungspädagoge und Gründer des erlebnispädagogischen Programmanbieters „Naturfüchse“. Seit drei Jahren begleitet der 32-Jährige gemeinsam mit seinem Team die Gäste der Jugendherberge Eisenberg auf einem Teambuilding für Familien – Programm der besonderen Art: „Wir gehen raus in den Wald.“ Für Riedel ist das Unterholz der perfekte Ort, um den Zusammenhalt innerhalb von Teams nachhaltig zu stärken. Der Grund: „Der Wald führt uns vor Augen, wie klein jeder Einzelne von uns eigentlich ist, und er zeigt uns, dass es Mächte gibt, etwa die Bäume, die viel größer sind als wir. Das ist eine Grenzerfahrung, die dabei hilft, sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu werden, Denkmuster zu verändern und um über sich selbst hinauszuwachsen.“ Genau das hat Riedel vor: Er will seinen zehn Programmteilnehmern in den nächsten zwei Tagen helfen, noch mehr aus sich und ihrer Gruppe herauszuholen. „Und natürlich möchte ich auch Werbung für den Lebensraum Wald machen.“

Familien-Abenteuer in der Gungoldinger Wacholderheide

Rein ins Naturvergnügen

Ehe das Abenteuer Unterholz für sie beginnt, stärken sich die drei Familien zunächst beim Mittagessen in der Jugendherberge. „Genau das Richtige nach der langen Anreise“, freut sich Karsten Steiner, der mit seiner Familie und der seines Bruders Martin soeben aus Kerpen angereist ist. Außerdem mit dabei: Die Familie von Karstens bestem Freund, Nils Markgraf.

„Wir drei verreisen regelmäßig mit unseren Familien“, erzählt Karsten Steiner. „Dieses Jahr hat es mit einem großen Urlaub leider nicht geklappt, weil wir bauen. Meine Frau Miriam schlug alternativ das Teambuilding-Programm ,Natur macht stark‘ hier vor.“ Die Idee, die Auszeit mit einem Naturabenteuer zu verbinden, kommt bei allen super an – gerade bei den Kids, die mit sieben, acht und zehn Jahren alle in einem ähnlichen Alter sind. „Wir verbringen viel Zeit miteinander. Natürlich haben wir uns da irgendwo an die Marotten der anderen gewöhnt“, erzählt Karsten Steiner. „Ich glaube trotzdem, dass uns diese Tage hier viel bringen werden: der Gruppe, aber auch jedem Einzelnen von uns.“

Davon ist auch Benjamin Riedel überzeugt. „Im Vorabgespräch, in dem wir die Erwartungen abklopfen, sind schon einige Punkte zutage gekommen, an denen wir arbeiten wollen.“ Mehr Ruhe und Verständnis im Umgang miteinander etwa. „Es ist wichtig, dass jede Familie weiß, was sie verändern will“, erklärt Riedel. Darum halten die Steiners und die Markgrafs vor Programmbeginn zunächst ihre individuellen Familienziele in einem Wertevertrag fest. „Morgen schauen wir dann, wie viel wir erreicht haben“, erklärt Riedel. „Nun lasst uns aber rausgehen – der Wald wartet!“

 

Teambuildung für Familien bedeutet „Halt geben, gemeinsam stark sein“

Nach einer Runde „Daumen fangen“, bei der alle die Müdigkeit nach der langen Fahrt aus den Fingern schütteln, schickt Riedel die Teilnehmer hoch auf einen quergelegten Baumstamm. „Ihr steht jetzt alle hintereinander. Ändert doch jetzt bitte einmal die Reihenfolge. Du, Jonas, rückst als Jüngster nach vorn, der Älteste nach hinten, und versucht, beim Platzwechsel nicht den Boden zu berühren.“ „Voll easy“, lacht Jonas (7) und krabbelt direkt durch die Beine von Papa Karsten auf Platz eins. Die Älteren tun sich da schon etwas schwerer. Doch dank stützender Hände, wenig Berührungsangst, schließlich kennt man sich, guter Abstimmung und etwas Geschick, ist die Reihenfolge schnell gefunden.

Natur erleben als Familie

Die nächste Aufgabe ist da schon etwas anspruchsvoller. In ihren Familienteams sollen die zwei Steiners und die Markgrafs einen kniehoch gespannten Slackline-Parcour überwinden. „Ich bin ein Grobmotoriker“, versucht Karsten prompt zu kneifen. „Zum Seiltänzer tauge ich nicht.“ „Ist doch supereasy“, findet Jonas und ist bereits am Ende der Line angekommen. Auch Mama Miriam hat den Dreh schnell raus. „Das wollte ich immer schon ausprobieren“, freut sie sich über das kleine Erfolgserlebnis. Doch bei Jonas sinkt die Laune: „Komm schon, Papa, die anderen sind viel schneller. Ich hab keinen Bock, wegen dir zu verlieren.“ Mama Miriam gefällt diese Reaktion gar nicht: „Jonas, lass uns Papa doch lieber helfen: Du hältst seine rechte Hand, ich die linke.“ „Boah, neee, dann muss ich ja nochmal von vorn anfangen und alles doppelt laufen. Papa ist doch kein Baby.“ Doch als Jonas sieht, wie weit Onkel Martin, Tante Sylvia und die Zwillinge Nora und Mira (8) schon gelaufen sind, ändert er seine Meinung doch. So kommen am Ende alle ans Ziel.

„Und, wie habt ihr den ersten Tag erlebt?“, will Riedel am Abend wissen. Vor dem Lagerfeuer mit Stockbrotbacken hat er die Runde nochmal um sich versammelt. Alle sind sich einig: „Das war ein super Start.“ Gerade das erste Mal auf der Slackline zu stehen, kam bei den meisten gut an. „Gibt es etwas, das wir morgen anders machen sollten?“, will der Entwicklungspädagoge wissen. „Wir könnten die Teams durchmischen!“, schlägt Jonas vor. „Ich würde gerne mal nur mit Mira, Nora und Bo eine Aufgabe lösen.“ Riedel nickt: „Ich will mal schauen, was ich für euch tun kann. So viel sei schon verraten: Wir gehen morgen auf große Waldexpedition – gemeinsam!“

Teambuilding für Familien im Wald

Von Kreisläufern und Lösungsfindern

Am nächsten Morgen trifft sich die Gruppe nach dem Frühstück wieder. „Perfekt, ich  sehe, ihr habt alle an feste Schuhe gedacht. Dann lasst uns jetzt die Expeditionsgruppen einteilen. Wer von euch traut es sich zu, die GPS-Gruppe zu übernehmen und die anderen zu führen?“ Sofort schießt Jonas‘ Finger in die Höhe: „Ich, ich, ich.“ „Und du, Bo?“, fragt Riedel den Markgraf-Spross. „Hättest du auch Lust auf diese Aufgabe?“ „Au ja!“ Karsten und Nichte Mira (8) entscheiden sich für die Kochgruppe, Miriam Steiner übernimmt die Ersthelfer-Gruppe, Nils Markgraf und Nora (8) die Spurenleser-, Sylvia Steiner die Gute-Laune- und ihr Mann Martin die Müllgruppe.

Nachdem Riedel jeden in seine Aufgabe eingewiesen, der GPS-Gruppe die Geräte erklärt und der Kochgruppe das Aussehen der fürs Essen benötigten Waldkräuter beschrieben hat, kann die Tour beginnen. „Bo, Jonas, hier sind die Koordinaten.“ Sofort übernimmt Jonas das Ruder, tippt die Daten ins Gerät und steuert alle Richtung Wald. Auch die anderen finden schnell in ihre jeweilige Rollen: Sylvia erzählt Witze, Miriam erkundigt sich nach Blasen oder anderen Wehwehchen im Team, die Spurenleser-Gruppe folgt mit gespitzten Ohren den Erklärungen von Benjamin Riedel, der jede Menge über die Bäume und die Tiere, die im Wald leben, zu berichten weiß. Ehe sich die Gruppe versieht, ist das erste Ziel erreicht. Nach einer Teamübung, dem gemeinsamen Hüttenbau aus Naturmaterialien, geht es weiter. „Die nächsten Koordinaten führen uns zur Kochstelle“, erklärt Riedel zur Freude von Nora und Mira, die schon jetzt ihren „Riesenhunger“ bekunden.

Doch nach 15 Minuten Fußmarsch stellt Karsten fest: „Hier waren wir doch eben erst?!“ Bo läuft rot an. „Ich bin Schuld“, findet er und lässt den Kopf hängen. „Ich glaube, ich hätte an der Gabelung doch den Weg links nehmen müssen.“ Mira stöhnt: „Puh, echt jetzt? Ich sterbe vor Hunger!“ Programmleiter Riedel hält sich derweil im Hintergrund: Wie wird die Gruppe diese Situation wohl lösen? „Ist nicht schlimm!“, findet Nils Markgraf. „Wir können froh sein, dass Karsten als Müllgruppenleiter so aufmerksam die Umwelt beobachtet und bemerkt hat, dass wir im Kreis laufen. Besser wir drehen jetzt um als später.“ Jonas nickt: „Ich hätte es auch merken müssen. Ist echt nicht Bo’s Schuld.“ Mama Miriam schmunzelt: Steckt in ihrem impulsiven Sohn am Ende doch ein echter Teamplayer? „Dafür sind wir ja als Expeditionsteam unterwegs: einer für alle, alle für einen“, findet Sylvia und zückt eine Packung Gummibärchen: „Mit neuer Energie finden wir das Ziel bestimmt.“ Und tatsächlich: Eine Dreiviertelstunde später sitzen alle mit einer Tasse dampfendem Waldkräuter-Tee am Lagerfeuer. „Echt cool hier“, strahlt Jonas. „Papa, du musst mir zu Hause unbedingt mal zeigen, wie du so schnell Feuer gemacht hast. Das fand ich echt mega!“

Orientierung im Wald beim Teamevent für Familien

Starkes Gefühl beim Teambuilding für Familien

Erst am Abend kehrt die Gruppe in die Jugendherberge zurück. Alle sind müde, aber glücklich über einen unvergesslichen Tag: Sie haben Hütten gebaut, sind durchs Bachbett gewandert, haben die Orientierung verloren und wiedergefunden und erlebt, wie gut sie als Team funktionieren, wenn sich jeder einbringt. „Es wäre toll, wenn ihr einige der Erfahrungen mit in euren Alltag nehmt“, verabschiedet sich Riedel schließlich. „Etwa, wie gut es tut, wenn man sich unterstützt, Geduld mitbringt und versucht, ohne Streit Lösungen zu finden.“

Auf der Rückfahrt am nächsten Tag nimmt Mama Miriam Jonas in den Arm: „Ich bin stolz auf dich, Großer! Ich weiß, wie schwer es dir gefallen ist, hier und da über deinen Schatten zu springen. Das hast du toll gemacht.“ „Jetzt müssen wir nur noch Papa beibringen, wie man Slackline läuft“, grinst der Siebenjährige. „Vielleicht können wir ja auf dem Rückweg eine kaufen und im neuen Garten zusammen trainieren.“

 

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