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Winter im Harz: Schierke und Braunlage mit Kleinkind

In Bremen zeigt sich der Winter bislang nur von seiner grauen Seite. Schneezauber? Nein, davon keine Spur. Daher habe ich ein Wochenende dort verbracht, wo die weiße Pracht häufiger zu finden ist, in den Harz. Mit dabei: mein knapp zweijähriger Sohn. In Teil eins unserer Reisestory habe ich Euch bereits berichtet, was wir am ersten Tag in Wernigerode unternommen haben. Heute erfahrt Ihr, wie kleinkindfreundlich Schierke und Braunlage sind.

Winter mit Kleinkind in Schierke: Rodelspaß

Sonntagmorgen. Die Wettervorhersage hat ihr Versprechen gehalten: Es hat über Nacht geschneit. Nach dem Frühstück stellt uns der Wegweiser im Innenhof der Jugendherberge Wernigerode zwar vor die Wahl, aber für uns Schneehungrigen ist klar, dass wir nicht zurück ins Bett marschieren, sondern in Richtung Brocken aufbrechen. Leider fahren wir auch heute nicht mit der Harzer Schmalspurbahn, weil wir a) am Abend schon wieder zurück nach Bremen müssen und b) im Anschluss an unseren heutigen Stopp in Schierke unbedingt noch Braunlage kennenlernen wollen. Also Gepäck ins Auto, Navi einstellen und los.

Die Fahrt nach Schierke dauert nur gut 20 Minuten. Und in jeder dieser 20 Minuten verwandelt sich die Landschaft ein wenig mehr in das Winterwonderland, das ich mir im Harz erhofft habe. Die Tannen am Straßenrand tragen üppiges Weiß, das sie Äste leicht nach unten drückt. Zwischen den Bäumen funkelt außerdem die Sonne durch. Blaue Flecken sind am Himmel zu sehen. Königswetter!

In Schierke angekommen, bin ich ratlos, wo das Parken wohl am sinnvollsten ist. Mit Kleinkind ist diese logistische Frage ja immer eine zentrale, gerade dann, wenn man den Kinderwagen nicht mitnehmen möchte und auf die Lauffreude des Nachwuchses angewiesen ist. Je länger die Fußwege, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann 13 Kilo auf dem Arm herumträgt.

Ich stelle das Auto am östlichen Rand von Schierke ab – und damit am vollkommen falschen Ende, wie ich nach einiger Zeit, die der Lütte und ich durch den Schnee stapfen, feststelle. Der Schlitten, den wir dabei haben, ist leider auch eher Last als Hilfe, denn mein Sohnemann stellt schnell fest, dass er keinen großen Spaß daran hat, sich darauf durch Schierke ziehen zu lassen. Selber laufen ist ihm lieber.

Alle anderen Kinder, die in Schierke unterwegs sind, geht es da anders: Schlitten sind in diesem Urlaubsort im Winter DAS Fortbewegungsmittel schlechthin. Zurecht, denn ein Buggy macht hier wirklich wenig Sinn. Viele Wege sind nicht (vollständig) geräumt, und das ist für die Optik auch wirklich gut so. Gerade diese Unberührtheit begeistert mich bei unserem Spaziergang durch den Schnee.

Irgendwann wird aber klar, dass wir besser noch einmal umparken. Wir landen schließlich am offiziellen Parkplatz hinterm Kurpark, direkt am Brocken Coaster. Der Brocken Coaster ist eine Allwetter-Rodelbahn für Erwachsene und Kinder ab 3 Jahren. Ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen, eine Runde zu drehen und kann Euch daher sagen, dass eine kurvenreiche Fahrt durch die Schneekulisse riesigen Spaß macht. Mit 2,20 Euro ist das Ticket zudem erschwinglich.

Direkt neben dem Parkplatz gibt es eine lange kostenfreie Rodelstrecke. Einen anderer beliebter Ort, um mit einem Schlitten hinaubzusausen, findet Ihr am Parkhaus „Am Winterbergtor“. Da Schlittenfahren auf der Beliebtheitsliste meines Sohnes an diesem Tag recht weit unten steht, machen wir eine Spaziergang auf dem Ottoweg-Rundwegs, der am Parkplatz des Brocken-Coasters entlangläuft. Ein Weg, der sich im Sommer übrigens gut mit dem Kinderwagen nutzen lässt.

Gegen 13 Uhr beenden wir das Outdoor-Programm der ersten Tageshälfte. Wir nutzen die Wickelmöglichkeit auf der öffentlichen Toilette des Brocken-Coasters, danach geht´s mit dem Auto weiter nach Braunlage.

Meine Schierke-Tipps in der Zusammenfassung:

  • Wenn es in Schierke geschneit hat, sind Schlitten und Tragesysteme die beste Möglichkeit, mit Kleinkind mobil zu sein.
  • Schlittschuh-Fans kommen in der Schierker Feuerstein Arena auf ihre Kosten. Dort ist Eislaufen für die ganze Familie möglich.
  • Für Kinder ab 3 Jahre ist der Brocken-Coaster ein rasantes Vergnügen. Für Erwachsene auch.
  • Von Schierke aus könnt Ihr mit der Schmalspurbahn bis auf den Brocken fahren.
  • Wenn Ihr lieber auf den Brocken wandern wollt, dann ist die Jugendherberge Schierke der perfekte Ausgangspunkt. Von dort aus seid Ihr in ca. 2 Stunden auf dem Gipfel.
  • Die Jugendherberge Schierke bietet spezielle Angebote für Familien, auch im Advent und zum Jahreswechsel.
  • Schierke bietet tolle Rodelmöglichkeiten für kleine Kinder, z.B. am Brocken-Coaster, im Kurpark und am Parkhaus „Am Winterbergtor“

Winter mit Kleinkind in Braunlage: Wintersportparadies

Mit schlafendem Kind auf der Rückbank komme ich in Braunlage an. Ich parke in der Marktstraße, heben das schlafende Kind vom Auto in den Kinderwagen und laufen entlang des Kurparks. In Braunlage kommt man mit Kinderwagen oder Buggy gut zurecht, solange man nicht zu sehr in die Nebenstraßen abbiegt. Die Hauptwege sind weitestgehend frei und auch sonst sind die Wege auch häufig geräumt.

In Braunlage treffen sich die Skisportler. Dass Loipen und Abfahrtshänge in unmittelbarer Umgebung zu finden sind, spüre ich schnell. An der Hauptdurchgangsstraße mit Geschäften und Gastronomie finde ich nicht nur Ski-Verleihe, nein, es weht auch ein Hauch von Hüttengaudi durch das Zentrum. Je später der Nachmittag desto besser besucht sind die Glühweinstände und Holzbuden, an denen Musik gespielt wird und sich Urlauber von ihrem Tag im Schnee berichten.

Die Wurmbergseilbahn ist am heutigen Sonntag leider geschlossen, die Folgen von Sturmtief Frederike sind noch nicht vollständig beseitigt Anderenfalls wäre die Gondelfahrt hinauf ins Skigebiet Wurmberg unser Must have gewesen. Statt dessen bleiben wir nun im Zentrum Braunlages und finden dabei etwas, das ich Euch abschließend noch gern empfehlen möchte: die Salzwelt Braunlage.

Meeresklima mitten im Harz – das bieten die zwei Salzräume der Salzwelt, in denen Ihr auf Liegen entspannen und die wohltuende Wirkung von Salzen auf Eure Gesundheit nutzen könnt. Mit Blick auf die vielen Erkältungen, die vor allem Kindergartenkinder im Winter mit sich umherschleppen, ist ein gemeinsamer Besuch in der Salzwelt für Familien meiner Ansicht nach eine echt lohnende Beschäftigung, wenn man Ruhe im Warmen sucht. Zumal Ihr dort vorher oder hinterher noch gemütlich etwas Warmes trinken oder im Shop stöbern könnt.

Der Nachmittag zeigt sich inzwischen von seiner dämmernden Seite und wir brechen – wie so viele um diese Zeit – zu unserer mehrstündigen Fahrt zurück nach Bremen auf. Wir nehme die Straße in Richtung Bad Harzburg und kommen daher noch im Skigebiet Torfhaus vorbei. Von hier aus gibt es einen grandiosen Blick rüber zum Brocken. Eigentlich. Heute verschwindet er wieder einmal im Nebel. Und wir verschwinden auch. Nach Hause.

Meine Braunlage-Tipps in der Zusammenfassung:

  • Der Schlitten kann im Ortsinneren im Auto bleiben, mit dem Kinderwagen kommt Ihr hier gut zurecht.
  • Eine Gondelfahrt mit der Wurmbergseilbahn ist ein Muss. Sie bringt Euch auf den höchsten Berg Niedersachsens und eröffnet Euch Zugang zu einem wahren Paradies für Skisportler und Schneeliebhaber. Alpine Skipisten, Freestyle-Gelände, Rodelbahn, Snowtubing-Area, Langlaufloipen Winterwanderwege – alles da!
  • Die Salzwelt Braunlage ist ein hervorragender Ort, um die Atemwege mit Soleluft und die Sinne mit sanften Tönen und wechselnden Lichtern zu stimulieren.
  • Auch als Langläufer seid ihr in der Jugendherberge Braunlage goldrichtig: Direkt vor ihr breitet sich das ansehnliche Netz der Langlaufloipen aus – nachts zum Teil mit Beleuchtung! Außerdem gibt es Verbindungsloipen nach Hohegeiß, Torfhaus, Schierke und zum Südharzer Loipennetz. Skiausrüstungen könnt Ihr bei Bedarf vor Ort leihen.

Winter mit Kleinkind im Harz: Wohin denn nun?

Wenn Ihr mich nun fragen würdet, welcher der Orte Wernigerode, Schierke und Braunlage sich im Winter am meisten für Kleinkinder eignet, so fällt mir eine eindeutige Antwort schwer. Was die Größe der drei beliebten Orte im Harz und die damit einhergehenden Wege betrifft, sind alle drei eine gute Wahl.

Wer in jedem Fall rodeln möchte, hat in Braunlage und Schierke immer etwas bessere Karten. Beide Orte liegen höher als Wernigerode und haben daher mehr Schnee. Wernigerode hat hingegen den Vorteil, dass Ihr dort viel unternehmen könnt, wenn Ihr mal nicht draußen sein wollt (Museen, Escape Room, Schlossbesichtigung, Schwimmbad).

Da alle drei Orte so nah beieinander liegen, kann man am Ende mit keinem wirklich etwas falsch machen. Ihr seid in der Jugendherberge Braunlage, wollte aber in Wernigerode ins Museum? Ab in die Brockenbahn und zack seid Ihr da. Ich seid als Geschichtsinteressierte lieber inmittern der Fachwerkgassen Wernigerodes unterwegs, habt aber irgendwann doch Lust auf eine Wanderung? Dann ins Auto gesprungen und nach Schierke gedüst.

Der Mittelharz ist also immer eine gute Idee, wenn der Winter vor Eurer Haustür einfach nicht Halt machen möchte. Da ich Wernigerode und die dortige Jugendherberge nun schon etwas kenne und keine leidenschaftliche Skifahrerin bin, würde ich persönlich das nächste Mal in der Jugendherberge Schierke Station machen.

Wie sieht es bei Euch aus? Seid Ihr auch schon mit Kleinkind im Schnee gewesen? Und was unternehmt Ihr, wenn Ihr im Harz urlaubt? Berichtet uns in den Kommentaren gern von Euren Lieblingsplätzen und Erfahrungen!

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

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