Gemeinschaft erleben mit der Familie

Die Rolle von Elternblogs im Familienalltag: Interview zur Blogfamilia

Was meint ihr zur Rolle von Elternblogs ?

Sie zeigen die neueste Errungenschaft beim Shopping fürs Kinderzimmer, posten Rezepte von gesunden Schul-Pausensnack und berichten von familienfreundlichen Unterkünften überall auf der Welt. Sie schreiben aber auch über Probleme bei der Vereinbarung von Beruf und Familie, über schlaflose Nächte bei der Kindergarten-Eingewöhnung und den holprigen Weg, mit dem pubertierenden Sprössling  ernste Gespräche zu führen. Die einen tun es unterhaltsam-augenzwinkernd (z.B. luciemarshall, Mama on the rocks oder sarahplusdrei), die anderen betont bindungsorientiert (z.B. Geborgen wachsen, Berlinmittemom oder Elfenkindberlin), wieder andere sind Magazine mit mehreren AutorInnen (z.B. Mummy Mag oder Little years). Eins haben sie jedoch alle gemein: Ihre Zeilen sind für viele Mütter und Väter Inspiration, Halt und manchmal auch Angriffsfläche. Auf jeden Fall nehmen sie Einfluss auf die Auseinandersetzung mit der Frage, was Familie heute ist und sein soll – die Elternblogger.

Elternblogger auf der Blogfamilia

Am kommenden Freitag trifft sich die deutschsprachige Szene in Berlin zur Blogfamilia. Ursprünglich als familienfreundliche Ergänzung zum jährlichen Internet-Festival „re:publica“, das heute beginnt, gedacht, hat sie sich inzwischen zu einer eigenständigen Marke entwickelt, die dieses Jahr rund 150 TeilnehmerInnen zur Netzwerkveranstaltung zieht. Ich habe mit Organisatorin Alu über die Rolle von Elternblogs in der heutigen Zeit, die besonderen Anforderungen für familienfreundliche Events und Privatsphäre in der Blogosphäre gesprochen.

Alu und ihr Mann von Grosse Köpfe Elternblog

Zur Rolle von Elternblogs

„Google bloß nicht im Internet nach Babythemen“ hören frischgebackene Mütter häufig oft als Mahnung. Sag mal Alu, gibt es im Netz nicht vielleicht schon zu viele Foren und Blogs?

Einerseits ja, aber andererseits vielleicht immer noch nicht die richtigen Blogs für Jedermann? Vielfalt ist etwas sehr positives und da täglich neue Elternblogs zu den mehr als 2.000 bestehenden dazukommen, gibt es wohl noch nicht genug.

Schafft die Vielzahl nicht eher Irritation als Orientierung, weil jeder Familienblog genauso individuell ist wie die dazugehörige Familie?

Ja, es fehlt manchmal die Metaebene. Newsletterformate, die bündeln (wie heibie oder Buddenbohm), oder Stadtblogs (wie Münstermama und familiert das gerade aufbauen). Trotzdem schaffen es die Leser sich ihre Nischen zu suchen. Die Leser von unserem Blog grossekoepfe sind zum Beispiel nicht die gleichen Leser wie vom Blog hebammenblog. Mir fehlen immer noch Blogs für viele Thematiken in Deutschland, da ist also noch Luft nach oben.

Welche Funktion übernehmen Elternblogs Deiner Ansicht nach für Mütter und Väter?

Sie sind Nachschlagewerk, Inspiration und Freund. Sie befinden sich in der gleichen Situation, regen zum Nachdenken an und geben Anstoß. Man kann sich über sie aufregen, sich wiederfinden und manchmal auch nur ganz neidisch anklicken.

Glaubst Du, dass die wiederkehrenden Themen in Elternblogs ein Abbild für die drängenden Fragestellungen unserer Zeit rund um Kind & Kegel sind?

Elternblogs bilden Meinung und sind auch an Erziehungsveränderungen beteiligt, die diskutiert werden, also ja. Themen wie Familienbett, Stillen usw. werden immer wieder und drängend diskutiert, weil sich diese Generation Elternschaft damit beschäftigt. Es sind die bindungsorientierten Blogs, die Eltern helfen, da ihre Orientierung zu finden. Es sind die Alltagsblog, die helfen, manche Momente von Elternschaft zu überleben. Es sind die Humorblogs, die einen lachen lassen, wenn man als Eltern manchmal eher heulen will. Es sind die politischen Blogs, die den Anstoß geben, sich zu engagieren.

Sind Dir Blogbeiträge oder Kampagnen von Elternblogs in Erinnerung, die hohe Wellen geschlagen und Diskussionen aufgeworfen haben, die dem gesellschaftlichen Diskurs rund ums Thema Familie gut getan haben?

Das beste Beispiel dafür ist sicherlich Mama-arbeitet die immer wieder politische Debatten anstößt. Auch Kaiserinnenreich oder Sonea Sonnenschein haben im Bereich der Integration und auch der Offenheit viel geleistet. Seit wir Familienblogs auch viel stärker politisch sehen und nutzen, sind viele Debatten angestoßen worden und auch die Mittler oder Adressaten sind aufmerksamer.

Du bloggst zusammen mit deinem Mann auf grossekoepfe.de über das Leben mit Euren drei Kindern. Männer sind unter den Elternbloggern ja noch ziemlich in der Unterzahl. Woran liegt das Deiner Ansicht nach?

Viele BloggerInnen beginnen in der Elternzeit zu bloggen, diese wird immer noch größtenteils von Frauen genommen. Mein Mann hatte damals übrigens auch 12 Monate Elternzeit und hat mit dem Blog von uns beiden angefangen ; ). Oftmals ist es auch so, dass Frauen mehr in den Kommunikationskanälen unterwegs sind, bzw. Erziehungsthemen usw. googlen. Ein Beispiel dafür ist Das gewünschtestes Wunschkind, die den Blog und das Buch deshalb starteten, weil ihnen die Antworten zu ihren Fragen gefehlt haben.

Stichwort Privatsphäre. Davon gibt man eine Menge ab, wenn man anderen von seinem Wochenende, der Krankheit seiner Kinder oder dem Lieblingshotel berichtet – vor allem, wie die Kinder bis zu einem gewissen Alter gar nicht darüber mitentscheiden können. Wie wird dieses Thema unter Elternbloggern diskutiert?

Es gibt intern immer wieder Diskussionen zum Thema Foto, kein Foto usw. Patricia Cammarata hat dazu auf der letzten denkst einen guten Vortrag gehalten und auch Caspar Mierau hat dazu bereits einiges geschrieben. Ich selbst bin eine Verfechterin vom Verzicht von Fotos und Klarnamen der Kinder im Netz. Das Netz vergisst nie und wer weiß schon, ob K2 später noch gern von sich als Soundso-Kind lesen mag?

Welchen Umgang mit digitalen Medien wünscht Ihr Euch künftig für Eure Kinder? Wenn man selbst sehr aktiv im Netz ist, ist es ja noch umso schwerer, den Nachwuchs davon zu überzeugen, sich lieber offline zu beschäftigen…

Die Frage ist doch, was leben wir ihnen vor und wie erziehen wir sie so selbstständig, dass sie mündig und verantwortungsbewusst werden? Unsere Kinder dürfen Tablet spielen und am Wochenende fernsehen. Sie kriegen von uns genehmigte und dosierte Zeit. Die große Tochter reguliert Spielzeit inzwischen sehr gut selbst, beim Mittleren achten wir noch etwas darauf. Generell erziehen wir sie aber bunt.

Eure Konferenz ist extra so geplant, dass Eltern auch mit ihrem Kind daran teilnehmen können. Zum Beispiel gibt es eine ganztägige Kinderbetreuung. Andere Weiterbildungsanbieter und Konferenzorganisatoren bieten so etwas nicht an. Weil es schwierig ist, so etwas auf die Beine zu stellen, oder weil man es nicht als wichtig erachtet?

Eine Konferenz mit Kinderbetreuung kostet Geld und extra Versicherungen usw. Zudem ist für Veranstalter dann wichtig auf Nahrung usw. zu achten, da viele Eltern da eben auch drauf achten. All diese Dinge zu sehen macht viel Arbeit im Vorhinein und kostet extra. Kinder sind zudem als Konferenzteilnehmer auch immer ein Risiko (schreien, rennen usw.). Ich denke aber, dass der Trend sich weiter fortsetzt.

Was würdest Du andere Seminar-, Workshop- oder Konferenzorganisatoren raten, wenn sie familienfreundlicher werden wollen? Welche konkreten Tipps sollten Sie beherzigen?

Schließt keine Kinder aus. Auch eine kleine Kinderbetreuung, oder schon eine Kinderspielecke machen einiges aus. Die Verantwortung für die kleinsten Gäste geben Eltern eher selten ab, richtet eine Wickelecke ein und bleibt freundlich. Die kleinen Gäste könnten zukünftige zahlende Gäste sein.

Abschließend interessiert mich natürlich, ob Ihr zu fünft auch mal in Jugendherbergen reist bzw. welche persönlichen Erinnerungen Dich mit Stockbetten und Klassenfahrten verbinden.

Wir sind zu Viert schon mehrmals in Jugendhäuser gereist (also Landschulheime etc.). Da wir immer ein eigenes Zimmer hatten, gar kein Problem. Die Kinder wollen immer oben liegen (juhu). Ich habe eigentlich keine negativen Erinnerungen daran, aus keinem Land der Welt. Wir planen für 2018 mal eine Reise in eine Jugendherberge. Wir würden so gern mal wieder an die Nordsee, und Bayern steht auch ganz oben auf unserer Liste.

Danke für Deine persönlichen Einschätzungen, Alu.

Ihr seid zu einer Frage ganz anderer Meinung als Alu? Dann lasst sie uns gern in den Kommentaren wissen. Wie die Blogfamilia sind wir auch der Meinung, dass Diskussion und Austausch bereichert.

Logo Blogfamilia 2017Informationen zur Blogfamila findet Ihr im Internet unter www.blogfamilia.de. Auch für 2018 ist die Konferenz vorgesehen. Solltet ihr Euch dann ein Ticket sichern und noch eine Unterkunft benötigen, heißen wir Euch gern in den Jugendherbergen Berlin-Ostkreuz oder Berlin-International willkommen.

 

Fotos: Carolin Weinkopf

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

2 Kommentare zu “Die Rolle von Elternblogs im Familienalltag: Interview zur Blogfamilia

  1. Ein toller Beitrag… Ich freue mich schon auf Freitag und werde mich jetzt durch die von euch empfohlenen Blogs klicken. Grüße, Kati http://www.kuchenkindundkegel.de

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