Gemeinschaft erleben

Jugendherbergen im Nordwesten paddeln für Kinder in Kapstadt

Wenn im Township von Kapstadt dutzende Kinder voller Begeisterung auf Fotos schauen, die nur Augenblicke davor in der Nähe von Meppen entstanden sind, dann muss es zwischen diesen beiden Orten eine besondere Verbindung geben. Und so war es am vergangenen Wochenende auch: Ubomi e.V. hat mit Hilfe der Jugendherbergen im Nordwesten, „Nature-Guides“ sowie einigen anderen Sponsoren und Unterstützern das Benefiz-Event „Stand Up for Ubomi“ ausgerichtet. 80 Menschen verschiedener Nationen kamen und paddelten zugunsten des Hilfsprojektes von Geeste aus 19 Kilometer zur Jugendherberge Meppen. Unter anderem auf barrierefreien MegaSUPs – den ersten SUPs für Rollstuhlfahrer.

Schon bevor es am Samstagvormittag in der Nähe des Geester Fähranlegers auf die Ems ging, bot sich Beobachtern ein lebhaft-fröhliches Bild: Auf einigen der bereitliegenden Stand Up-Paddelboards, die in den kommenden Stunden mit Kraft der Arme über den Fluss bis hinauf nach Meppen gebracht werden sollten, wurde getanzt. Und „tanzen“ meint in diesem Fall nicht „ein bißchen mit dem Fuß wippen“, sondern „ausgelassen kurdische, afrikanische und lateinamerikanische Moves aufs Brett bringen“. Ganz spontan – zwischen Bananenbrot, Kaffee und erstem Kennenlernen – wurden die SUPs zu kleinen Bühnen, auf denen unterschiedliche Kulturen den exotischen Tanzstil ihres Landes zum Besten gaben. Das Publikum? Es versuchte sofort, es den versierten Tänzern nachzumachen.

Warmgetanzt machte sich die Gruppe dann um 12.30 Uhr auf den Wasserweg. Der Start war so quirlig wie das Kennenlernen, gab es in der Gruppe doch so einige, die noch nie ein Paddel in der Hand hatten. Fiel jemand ins Wasser? Oh ja, na klar! Veranlasste das zu Trübsinn? Überhaupt nicht, im Gegenteil. Wer bei Stand Up for Ubomi dabei war, dem ging es nicht um sportlichen Erfolg oder darum, immer ganz vorn in der bunten Gruppe mitzumischen.

In den nächsten Stunden wurde immer mal wieder gesellig vor sich hingedümpelt. Einfach mal rüberpaddeln zu den Mitstreitern und mehr über sie erfahren, das war dann angesagt. Oder beim kleinen Hunger ein optimistisches „Habt Ihr noch etwas zu essen im Gepäck?“ in Richtung der benachbarten SUPs rufen und sich dann über rüberfliegende Käsebrötchen freuen. Oft schlossen sich auch viele SUPs zusammen und veranstalten dann ein gemeinsames Picknick auf dem Wasser.

Ubomi auf der Ems – Staunen in Kapstadt

Biggi, Programmbeauftragte der Jugendherbergen im Nordwesten und Mit-Gründerin von Ubomi, sammelte viele dieser Momente mit der Smartphone-Kamera und sendete sie sofort weiter an ihre KollegInnen in Kapstadt, wo alle in den zwei Ubomi-Häusern betreuten Kinder ihren Augen kaum trauen konnten.

„Für unsere Kinder ist es unglaublich, dass sich so viele Menschen am anderen Ende der Welt für sie interessieren und engagieren. Aufmerksamkeit haben diese Kinder zuvor in ihrem Leben nicht erfahren, umso toller und motivierender ist es für sie. Die Bilder von so vielen Menschen, die sich mit großer Begeisterung für sie ins Zeug legen, sind beeindruckend. Die Ubomi-Shirts sind dabei ein schönes Erkennungszeichen und schaffen direkt eine Verbindung. Unser Kinder waren am Samstag auf jeden Fall unser größter Fanclub. Andersherum gilt dies allerdings auch. Wir wollten mit „Stand Up for Ubomi“ Aufmerksamkeit schaffen und konnten durch die Aktion viele Menschen für Ubomi erwärmen, denen das Schicksal unserer Kinder und ihre neugewonnene Lebensfreude in unseren Ubomi-Häusern, ans Herz geht.“

Test bestanden: SUPs für Rollstuhlfahrer

„Stand Up for Ubomi hilft nicht nur den Kindern in den Armenvierteln in Südafrika, sondern treibt auch den inklusiven Gedanken in Deutschland weiter voran. Uns war bei dieser Aktion wichtig, dass jeder mitmachen kann“, so Biggi. Daher waren auch rollstuhlgerechte Mega-SUPs vor Ort. Das überzeugte auch die Aktion Mensch, die das Event im Rahmen des Projektes „Integration von Menschen mit Behinderung im Wassersport“ des SUP & Ourdoor Verein Lüneburg förderte. Die mit Rollstuhl nutzbaren Mega-SUPs sind ein echtes Novum und werden in den Jugendherbergen auch weiter zum Einsatz kommen.

Denn nach Ankunft in Meppen war klar: das barrierefreie Prinzip funktioniert und ermöglicht Menschen im Rollstuhl an einem tollen Wassersport teilzunehmen. Die erste Jugendherberge wird die Jugendherberge Lingen sein, die dieses inklusive Wassersportprogramm anbieten wird.

Sechs Stunden dauerte die Benefiz-Paddeltour. Während die Arme etwas müde geworden waren, waren es die Beine nicht. Und so endete der Abend im Zirkuszelt der Jugendherberge Meppen wie der Vormittag in Geeste begonnen hat: mit einem riesigen internationalen Fest. Bis in die Nacht hinein wurde die Manege als Tanzfläche genutzt. Wer es zwischendurch etwas ruhiger mochte, relaxte sich bei guten Gesprächen am prasselnden Lagerfeuer.

Ausflug ans Wasser für Ubomi-Kinder

„Das war ein tolles Erlebnis“, fasste Biggi am Sonntagmorgen beim Frühstück das Benefiz-Event zusammen. „ Ich bin immer wieder begeistert, dass Ubomi inzwischen so ein gelebtes Projekt ist und sich so viele Menschen engagieren, unseren Kindern ein kindgerechtes und menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.“

 

Bei „Stand Up for Ubomi“ ist so viel Geld zusammen gekommen, dass die Ubomi-Häuser für einen Monat finanziell abgesichert sind. Und ein kleiner Ausflug für die Kinder, die das Township nie verlassen, ist von dem Geld auch geplant. Vielleicht ans Meer.

Wenn Ihr mehr über Ubomi e.V. erfahren möchtet, schaut auf der Ubomi-Website vorbei. Bei Instagram und Facebook ist das Hilfsprojekt für hilfsbedürftige Kinder ebenfalls vertreten. Ein Like ist hier gut aufgehoben.

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

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