Jugendherberge entdecken Umweltschutz

Nachhaltig reisen mit dem DJH? Das schaue ich mir genauer an.

„Mit mehr als einer Milliarde international reisender Touristen ist Tourismus eine mächtige, transformierende Kraft, die großen Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschen hat. Das Potenzial des Tourismus für nachhaltige Entwicklung ist erheblich.”

Mit diesen Worten erinnerte der achte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon 2015 Reiseanbieter, Hotelbetreiber, Transportunternehmen und alle anderen touristischen Entscheider an ihre Verantwortung, heute auch an morgen zu denken. Eine Verantwortung, die in diesem Jahr von der Weltgemeinschaft nochmal besonders in den Blick genommen wird: Die UN-Generalversammlung hat 2017 zum „Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus“ ausgerufen. Ein passender Zeitpunkt, einmal die Frage zu stellen, was das DJH in diesem Bereich schon auf die Beine gestellt hat und was es im Großen und Kleinen täglich dafür tut. Ich habe mich dazu auf Spurensuche begeben und werde Euch im Verlauf des Jahres daran teilhaben lassen, wieviel Nachhaltigkeit ich in den Jugendherbergen finden konnte. Ich stelle Euch Freizeiten, Herbergen und Aktionen vor, die abbilden, wie Nachhaltigkeit im touristischen Alltag verankert werden kann – und dabei noch eine Menge Spaß macht. Ein bisschen was ist mir schon begegnet.

Zuallererst bin ich aber in die Historie des DJH eingestiegen. Daher blicke ich heute für Euch zurück, in welcher Weise das DJH bereits bei seiner Gründung nachhaltig gehandelt hat und wie sich dieses Handeln bis heute professionalisiert und erweitert.

Mehr als 10 Millionen Chancen, die es zu nutzen gilt

Heute zählt das DJH 2,4 Millionen Mitglieder, das sind 2,4 Millionen Menschen, die bei Übernachtungen in den Häusern, sondern auch über das Mitgliedermagazin, Veranstaltungen oder die Online-Kommunikation erreicht werden können. Die jährliche Übernachtungszahl knackt oft die 10-Millionen-Grenze. Im Jahr zählt das DJH dementsprechend mehr als zehn Millionen Frühstücke, mehr als zehn Millionen Zimmernutzungen und mehr als zehn Millionen mal die Frage „Was machen oder lernen wir heute?“. Mehr als zehn Millionen Mal entscheiden die Informationsmaterialien am Empfangstresen, welche Ausflugsziele ein Gast kennenlernt und über welche Klassenfahrtsinhalte er seinen Eltern nach seiner Rückkehr zuhause berichtet. 10 Millionen Chancen, die es meiner Ansicht nach zu nutzen gilt!

Nachhaltig zu handeln und Gäste für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren versteht das DJH wie ich herausfinden konnte nicht erst seit heute als eine zentrale Aufgabe – schon seit der Gründung vor über 100 Jahren spielt das eine Rolle. Zu dieser Zeit wurde für umweltschützendes und soziales Tun der Begriff der Nachhaltigkeit allerdings noch nicht genutzt, von „Corporate Social Responsibiliy“ war ebenfalls nicht die Rede. Zutreffend wäre es dennoch schon damals gewesen, denn mit den Häusern und durch spezielle Bildungs- und Begegnungs-Programme setzten sich die Jugendherbergen  schon damals für Toleranz, Umweltbewusstsein und interkulturelles Verständnis ein. Diese Ziele sind in der Satzung ebenso festgeschrieben wie die Gesundheitserziehung und die Verbindung zur Natur.

Ziel erreicht?

Die Professionalisierung und der Ausbau der Angebote einerseits sowie die globalen Herausforderungen wie Klimawandel und das Zusammenrücken der Kulturen andererseits hat  nachhaltiges Handeln in den zurückliegenden Jahrzehnten noch wichtiger gemacht. Besonders die 1980er Jahre waren von einer gesellschaftlichen Rückbesinnung auf die Natur geprägt. Der „Stoppt Atomkraft!“-Aufkleber aus dieser Zeit ist als Symbol bis heute an Stromkästen oder alten Autos sichtbar. Für das DJH war es das Jahrzehnt, in dem es die ersten natur- und umweltpädagogische Ansätze und Angebote konzipiert und die erste Umwelt|Jugendherberge in Prien eröffnet hat. Inzwischen könnt Ihr in 17 Häusern mit diesem Zertifikat Urlaub machen.

Nur kurz darauf nahm dann ein zentrales DJH-Umweltreferat seinen Dienst auf und verfasste das „Handbuch Umweltschutz und Umwelterziehung in Jugendherbergen“ mit Tipps für eine umweltgerechte Bewirtschaftung. Ein weiteres zentrales Schriftstück, das an Bedeutung und Gültigkeit bis heute nicht verloren hat: die Nachhaltigkeitserklärung von 2004. Neben einer Zusammenfassung der bereits erfolgreich umgesetzten Nachhaltigkeitsmaßnahmen finden sich darin fünf Nachhaltigkeitsziele:

  • Förderung von Toleranz bzw. interkulturellem Verständnis
  •  Angebot von sozialen, kulturellen und ökologischen Bildungsprogrammen mit dem Ziel einer Förderung von nachhaltigem Verhalten – insbesondere im Rahmen von Klassenfahrten
  • Weiterentwicklung der ökologischen Qualitätsansprüche beim Bau und Betrieb der Jugendherbergen
  • Berücksichtigung von sozialen Qualitätsansprüchen beim Bau und Betrieb der Jugendherbergen
  • Entwicklung von Managementkonzepten, die neben wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Qualitätsziele fördern

Ob das DJH diese Ziele bereits erreicht hat oder ihnen zumindest in den zurückliegenden 13 Jahren näher gekommen sind? Und was hat es mit dem „Rahmenkonzept für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung im DJH“ auf sich, das im November 2014 auf der Mitgliederversammlung verabschiedet wurde? Das schaue ich mir wie eingangs berichtet in der nächsten Zeit genauer an. Alle Artikel dazu findet Ihr dann in der Serie „Nachhaltig reisen“.

Und Ihr so?

Was mich abschließend natürlich brennend interessiert: Wie wichtig ist Euch Nachhaltigkeit beim Reisen? Spielt sie bei der Urlaubsplanung eine Reise und wenn ja, in welcher Hinsicht? Und was erwartet Ihr von Eurer Unterkunft? Freue mich über Eure Meinungen in den Kommentaren!

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.