Neues erproben

Klassenfahrten in die Zeit der Römer

Zeitreise in die Zeit der Römer

Wir befinden uns im Jahre 2018 n. Chr. Alle Schüler stöhnen über langweiligen Geschichtsunterricht. Alle Schüler? Nein! Glückliche Gruppen gehen auf Klassenfahrt in die Zeit der Römer: Entlang des Limes, der alten Grenze zwischen Römischem Reich und Germanien, bietet sich die perfekte Kulisse, um außerhalb des Schulalltags in neue Wissenswelten einzutauchen und im Klassenteam auf eine unvergessliche Zeitreise zu gehen …

Servus, ihr alten Römer!

Salvete, discipuli et discipulae!*“, ruft Lateinlehrerin Barbara Haeseler der Schülergruppe zu. „Salve, magistra!**“, schallt es zurück. Die morgendlichen Begrüßungsformeln aus dem Lateinunterricht funktionieren auch vor der Jugendherberge Xanten. Doch anders als im Schulalltag heißt es für die zwei Lateinklassen der Ahrensburger Stormarnschule heute nicht: „Lateinbuch auf und übersetzen!“ Heute bekommen die Zwölf- bis 13-Jährigen die Chance, endlich mal selbst in die Zeit, in der die „tote Sprache Latein“ gesprochen wurde, einzutauchen. Für Schüler wie Melvin (12) ein echter Lichtblick: „Ehrlich gesagt, find ich es schwer, mich für die Lateinübersetzungen zu begeistern. Die Texte wirken so aus der Zeit gefallen. Mir fehlt der Bezug“ – und schnell auch die Motivation.

Ein Kritikpunkt, den Lehrerin Haeseler nachempfinden kann .„Wir können noch so viel Grammatik und Vokabeln pauken: Ein Verständnis für eine Sprache wie Latein entwickelt man nur, wenn man vor Augen hat, wie dieses alte Rom tickte.“ Der perfekte Ort dafür ist schnell gefunden: die Stadt Xanten in Nordrhein-Westfalen. Zwischen dem Rhein und dem heutigen Stadtkern befand sich einst eine römische Stadt mit rund 10.000 Einwohnern, die Colonia Ulpia Traiana. „Wir gucken uns jetzt aber nicht nur einen Haufen alter Steine an?“ Diese Angst kann der Museumspädagoge der Gruppe schnell nehmen. Zum Start des dreitägigen Programms Antike und Natur erleben der Jugendherberge Xanten begleitet er die Schüler und ihre Lehrerinnen heute auf ihrer Tour durch den Archäologischen Park Xanten mit seinen Nachbauten von Tempeln, Häusern, Handwerksbetrieben, Geschäften und einer Badeanstalt. Besonders das Amphitheater mit seinen Tribünen fasziniert die Schüler. „Wenn man sich vorstellt, dass hier früher Gladiatoren gekämpft haben, ist das krass“, findet Melvin. „So sah also der frühe Vorläufer eines Bundesligastadions aus.“ Die Mädels freuen sich derweil über den Kreativ-Workshop, in dem ihnen der Pädagoge erklärt, wie man aus Wachsblöcken Schreibtafeln fertigte. Beim Versuch, Buchstaben in die massiven Tafeln zu ritzen, stellt Miriam (12) lachend fest: „Wer hätte das gedacht: Latein zu schreiben ist echt noch anstrengender als die Sprache zu übersetzen.“

*„Seid gegrüßt, Schüler und Schülerinnen!“
**„Seien Sie gegrüßt, Frau Lehrerin!“
Amphitheater Xanten NRW Zeit der Römer
Amphitheater aus der Zeit der Römer Xanten, GettyImages TunedIn

DIE SPUREN AUS DER ZEIT DER RÖMER – MAN FINDET SIE ÜBERALL

Wer im Geschichts- und Lateinunterricht – oder bei der Lektüre von „Asterix und Obelix“ – gut aufgepasst hat, weiß, dass Xanten nicht die einzige römische Siedlung im heutigen Bundesgebiet war. Tatsächlich sind von Nord bis Süd zahlreiche historische Stätten zu finden, die Schüler zu erlebnisreichen Zeitreisen einladen. Nur einen Sprung von Xanten entfernt befanden sich etwa bei Haltern am See ein großes römisches Heerlager und eine Siedlung. Das dreitägige Programm Actionreiche Reise ins alte Rom der Jugendherberge Haltern am See bietet Klassen das ideale Zeitreise-Allround-Paket. Unter dem Motto „Erlebe die Zeit der Römer hautnah“ werden die Schüler der 2. bis 7. Klasse zu Bürgern Roms ausgebildet. Dazu gehört es, selbst eine Legionärsausrüstung zu basteln. Beim „Kampf der Legionäre“ beweisen die Schüler dann Teamgeist. „Im Vorabgespräch mit dem Teamer der Jugendherberge haben wir vereinbart, dass wir in die drei Tage hier vor Ort Kurzreferate integrieren“, erzählt Lehrerin Lisa Meyer. „So werden Entdeckerprogramm und Wissensvermittlung clever kombiniert.“

Lernen über die Zeit der Römer
Schüler erleben die Zeit der Römer hautnah

MIT DEM LIMES VOM RHEIN BIS REGENSBURG

Vielleicht wussten Sie’s: Viele Jahre bildete der Rhein die natürliche Grenze des Römischen Reichs zu Germanien. Doch ab 100 n. Chr. errichteten die Römer ihren berühmten Grenzwall „Limes“, der heute zum Welterbe zählt. Mit rund 550 Kilometer Länge in Deutschland ist dieser nicht nur das längste Bodendenkmal nach der Chinesischen Mauer, sondern auch unser Orientierungsanker auf der Reise zu weiteren tollen Programmen auf den Spuren der Römer. Weiter geht es gen Süden: Von Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz startet der Limes südostwärts. Die Jugendherberge im benachbarten Leutesdorf bietet zusammen mit dem Erlebnismuseum RömerWelt einen Kochkurs der besonderen Art: Geschichte, die durch den Magen geht heißt das Programm. Schüler bereiten typische Speisen zu, wie sie Legionäre und Bürger vor 2.000 Jahren aßen. „Klar, dass die ständig in den Krieg zogen“, lacht Luca (9) beim Biss in sein selbst gebackenes Brot. „Bei so fadem Essen hätte ich auch versucht, Gewürze zu erbeuten.“

Klassenfahrt in die Zeit der Römer
Schulklasse entdeckt die Zeit der Römer
Südlich entlang des Limes

Weiter südlich entlang des Limes, in Hessen, lädt die Jugendherberge Oberreifenberg zu einem Zwischenstopp. Das Programm Die Grenzer vom Limes stellt den Grenzwall mit seinen zahllosen Türmen und Gräben in den Mittelpunkt. Hier lernen Grundschüler, was für eine wahre Meisterleistung die Römer mit dem Bau vollbrachten. „Wir haben im Wald mit unseren eigenen Händen ein Stück Mauer nachgebaut“, erzählt Lena (8). „Wahnsinn, wie viele Steine wir schleppen und geschickt übereinanderstapeln mussten. Ich hätte nie gedacht, dass man selbst für ein so kurzes Stück so viele fleißige Hände benötigt.“

Im Archäologiepark über die Zeit der Römer lernen
Im Archäologiepark, Getty Images lilly3

Auch von der Jugendherberge Walldürn in Baden-Württemberg liegt der Limes nur wenige Meter entfernt. Der perfekte Ort, um mit dem Programm Auf den Spuren der Römer auf Zeitreise zu gehen. Begleitet von erfahrenen Pädagogen entdecken die Schüler der 5. bis 13. Klasse hier, wie das Leben vor 1.800 Jahren aussah. „Wir haben uns für den Themenschwerpunkt Medizin entschieden“, erklärt Lateinlehrerin Lara Boening, die mit ihrer 10. Klasse für drei Tage in der Jugendherberge eingecheckt hat. „Ich bin begeistert, wie viel unser Teamer zu berichten weiß. Da lerne selbst ich Neues.“ Abgerundet werden die drei Tage durch den Besuch eines Römerbads und des Römermuseums in Osterburken.

RÖMISCHE SPUREN IM TIEFSTEN BAYERN

Den Schlusspunkt des Limes und unserer deutschlandweiten Klassen-Zeitreise bildet das dreitägige Programm Römer Aktiv der Jugendherberge Regensburg. Hier gehen die Schüler auf eine Entdeckungstour in die Regensburger Altstadt, die ein echtes Baukunstwerk der römischen Geschichte beheimatet: die Porta Praetoria, ein fast 2.000 Jahre altes Stadttor. Bei der Stadtführung „Das römische Regensburg“ und der Römer|Werkstatt tauchen die Klassen tief in die römische Geschichte ein und entdecken, wo diese bis heute ihre Spuren hinterlassen hat, denn das hat sie: nicht nur physisch, in Form prächtiger Bauten, sondern auch in unserer Sprache. Wenn es in Regensburg „Servus“ als Grußform heißt, so zeigt das: Weder Latein noch das römische Erbe ist tot oder gar vergessen. Mit den Programmen der Jugendherbergen wird diese spannende Epoche europäischer Geschichte wieder lebendig!

 

Impressionen einer Klassenfahrt in die Zeit der Römer

 

 

0 Kommentare zu “Klassenfahrten in die Zeit der Römer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.