Jugendherberge entdecken

Inklusion am Arbeitsplatz

Inklusion am Arbeitsplatz

Alle wollen sie – aber wie klappt Inklusion am Arbeitsplatz wirklich? Wir haben Patrick Meier in der Jugendherberge Trier besucht und ihn nach seinen Erfahrungen gefragt.

Die Aufgabe ist klar: Wir wollen zeigen, dass Mitarbeiter mit Behinderung zum Alltag der Jugendherbergen gehören. Die Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland schlagen uns Patrick Meier vor. Er arbeitet in der Jugendherberge Trier, so weit die erste Info. Also rufe ich in Trier an, um mit Betriebsleiter Georgios Tsanis zu sprechen. Am Telefon meldet sich ein hilfsbereiter Mann, dem ich versuche, mein Anliegen zu erklären. Dann ein kurzer Moment der Verwirrung: Patrick Meier selbst ist am Telefon. „Habe ich die richtigen Worte gewählt?“ frage ich mich. Patrick Meier reagiert freundlich und souverän. Schnell ist ein Interviewtermin vereinbart.

Vorbildfunktion für Inklusion

Im Gespräch erzählt der 29-Jährige, dass er seit seiner Geburt an „Hemiparese links“ erkrankt ist, einer unvollständigen Lähmung der linken Körperhälfte, die seine Feinmotorik einschränkt. „Ich habe das große Glück gehabt, dass ich in meiner Familie und der Schule nie Herabsetzung erfahren habe. Daher stand meine körperliche Einschränkung nie im Vordergrund.“
Nach der dreijährigen Ausbildung zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit am Europäischen Berufsbildungswerk Bitburg war Patrick Meier zunächst in der Verwaltung eines Freizeitparks tätig. Seit April 2013 arbeitet er an der Rezeption der Jugendherberge Trier. „Hier habe ich viel Kontakt zu den Gästen. Und anders als am Telefon fällt es dann schon auf, dass meine linke Körperseite teilweise gelähmt ist.“
Er berichtet, dass einige Gäste und Kollegen anfangs mit Unsicherheit reagieren. „Andere sprechen mich aber auch offen an, fragen nach und sagen, dass sie es klasse finden, dass die Jugendherbergen die Inklusion am Arbeitsplatz fördern. So sollte es überall sein“, ergänzt Patrick Meier. „Das Wichtigste für mich ist, dass jeder sieht: Der kann was!“
Georgios Tsanis ergänzt: „Patrick ist ein gutes Beispiel dafür, wie gut Inklusion am Arbeitsplatz gelingen kann. Gerade der Kontakt mit den Gästen bewegt ganz viel in den Köpfen der Menschen. Wir gehen aber noch weiter und bieten auch Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung an – und das nicht als Werkstatt, sondern als normaler Ausbildungsbetrieb. Mein Motto ist: ‚Nicht warten, sondern tun!‘“

Mein Tagesablauf:

Coffee_togo_Aqua

7 Uhr: Die Frühschicht beginnt

Wenn Patrick Meier Frühschicht hat, ist er kurz vor sieben vor Ort. Dort heißt es: Computer hochfahren, die Rechnungen der heute abreisenden Gäste bereitlegen und das Bistro vorbereiten. Schon bald duftet es herrlich nach Kaffee. Und los gehts.

Zimmerschlüssel

9 Uhr: Auschecken

Nach dem Frühstück kommen die ersten Gäste, die abreisen wollen, an die Rezeption. Gerade bei Gruppen, die mehrere Tage im Haus waren, gibt es meist noch einiges zu besprechen, oft werden auch schon Termine für den nächsten Besuch reserviert.

Tassen_gestapelt_Aqua

10 Uhr: Service im Bistro

Nachdem die abreisenden Gäste verabschiedet sind und die ersten Fragen der neuen Gäste geklärt sind, sieht Patrick Meier im Bistro nach dem Rechten, kümmert sich um das Geschirr und füllt die Automaten und die Kaffeemaschine auf.

Gurke_Kirsche_Aqua

12 Uhr: Ein offenes Ohr

„Wenn wir viele Gruppen haben, gibt es auch mittags viel zu tun. Häufiger gibt es Änderungen im Programm oder besondere Wünsche zur Verpflegung. Da muss man direkt reagieren und sich beispielsweise eng mit der Küche abstimmen.“

ToDo_Aqua

14 Uhr: Vorbereitung ist alles

Nach der Mittagspause geht es weiter mit Vorbereitungen für die kommenden Tage. Patrick Meier stellt die Veranstaltungstipps zusammen und bereitet die Rechnungen für den nächsten Tag vor. „Die Arbeit geht einem hier nie aus.“

Sprechblase_Aqua

15 Uhr: Teamsitzung

Kurz vor Ende der Frühschicht trifft sich das Team täglich zu einer kurzen Besprechung und zur Übergabe an die Spätschicht. „Meist geht es um praktische Dinge, aber hier ist auch Raum, um Probleme offen anzusprechen“, so Patrick Meier.

DJH-Jobbörse

Ein Handicap ist kein Hindernis
Die Arbeitsplätze in den Jugendherbergen stehen grundsätzlich allen offen. In der Jugendherberge Trier haben sieben von 35 Mitarbeitern ein Handicap. Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich bei seinem Besuch im September 2014 beeindruckt von den Erfolgen. Eine Vorreiterrolle hat auch die Jugendherberge Leer. Für sein Engagement erhielt das Haus 2014 den Rudolf- Freudenberg-Preis 2014. Und in den rheinischen Jugendherbergen werden mehr als 50 Menschen mit Behinderung entsprechend ihren Fähigkeiten beschäftigt. Die betreuenden Arbeitstrainer berichten von einem tollen Betriebsklima. Zur Jobbörse

1 Kommentar

  1. Für meine Wanderungen und Kultururlaube – mit oder ohne Enkel schätze ich die moderne Ausrichtung der DJH-Häuser sehr. Ich freue mich, dass Mitarbeiter mit Handicaps freundlich, engagiert und gewissenhaft ihre Aufgaben erfüllen – z.B. das Frühstücksbuffet richten und achten, dass kleine und grosse hungrige Gäste satt werden. Bitte die interne Personalaushilfe z.B. bei Urlaub oder Krankmeldungen verbessern. Es geht nicht an. dass eine hochmotivierte Heimleiterin wochenlang die Arbeit von 3 Mitarbeitern zusätzlich schultert, weil von 6 nur 3 Mitarbeiter einsatzbereit sind. Vorschlag: bitte einen überregionalen Hintergrunddienst einrichten mit Studenten und internationalen Praktikanten, die auf Zeit DJH-Häuser bei Personalnotstand service-fähig halten. Ich bin gerne DJH-Mitglied und könnte mir vorstellen, dass noch mehr Großeltern den Enkeln zeigen könnten, wie Zusammenleben ohne Dünkel allen Freude machen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.