Gemeinschaft erleben

InBeat 2017: Headliner Norman Keil über das anstehende Musikfest in Niebüll

Satte Sounds und mitreißende Melodien: Am 23. September wird aus der Jugendherberge Niebüll wieder ein Festivalgelände. Alle zwei Jahre findet dort, im hohen Norden Schleswig-Holsteins, „InBeat“ statt. Ein Musikfest, das es bundesweit kein zweites Mal gibt: Musiker mit und ohne Handicap stehen gemeinsam auf der Open-Air-Bühne und bringen ihr Publikum zum Tanzen und Mitsingen. Ein Tag ganz im Zeichen von Toleranz und guten Tönen! Eintritt? Frei.

Mit der Jugendherberge Niebüll hat die Veranstaltung einen idealen Ort gefunden, denn Inklusion prägt hier das ganze Jahr über den Alltag. So setzt sich das Team vor Ort aus Menschen mit und ohne Behinderung sowie aus verschiedenen Ländern zusammen. Das Haus ist weitestgehend barrierearm und bietet sechs rollstuhlfreundliche Zimmer an. Viele Freizeiten und Klassenfahrtsprogramme sind zudem für Inklusionsgruppen geeignet. Hier können sogar Rollstuhlfahrer klettern!

Stündlich ab 14 Uhr könnt Ihr insgesamt sechs Konzerte am 23. September erleben. Den krönenden Abschluss bildet der Auftritt vom erfolgreichen Songwriter Norman Keil. Wir haben ihn gefragt, was für ihn den Reiz des InBeats ausmacht, was Jugendherbergen für ihn bedeutet und warum die Nordsee in seinem Leben wichtig ist.

Inbeat in Niebüll: Headliner Norman Keil

Norman, Dein Gig nächsten Monat in Niebüll ist nicht der erste Jugendherbergs-Auftritt, richtig?

Nein, in einer Zeit wo die kleineren Clubs aussterben, finde ich Auftritte in Jugendherbergen eine wirklich sinnvolle Alternative. Außerdem such ich immer besondere Locations. Meistens ist es sinnvoller und erfolgreicher, nicht in der großen Stadt zu spielen, sondern an Orten, wo sich Menschen noch richtig freuen, dass mal was los ist, und nicht schon vom Überangebot gesättigt sind. Zum Beispiel spiele ich jedes Jahr auf der Hallig Langeness, bei „Kultur auf den Halligen“. Da ich also jedes Jahr an dem Ortschild „Niebüll“ vorbeifahre, war es mehr als logisch, dass ich bei InBeat spiele 😉 Zum Thema „Jugendherbergen“ sag ich immer: „Wohnzimmer-Konzerte kann jeder, aber Herbergs-Konzerte sind geiler!“  Wenn der DJH jetzt für jede Herberge in Deutschland 6 Bühnenpodeste, eine kleine Anlage und ein bischen Licht kaufen würde, könnten wir ganz schön viele Tourneen spielen.

InBeat ist ein inklusives Open Air. Für dich das erste dieser Art oder hast Du bereits mit Musikern, die ein Handicap haben, eine Bühne gerockt?

Tatsächlich ist es mit meiner Musik die erste Veranstaltung, aber da wir oft
gehandicapte Leute im Publikum haben, weiß ich, wieviel Spaß man mit ihnen hat und wieviel Lebensfreude sie ausstrahlen.

Ist Musik ein Schlüssel für mehr Toleranz im Alltag?

Unbedingt! Musik wird niemals sterben und immer da sein. Mit Musik kann man
unglaublich viele Menschen erreichen. Langweilige Reden und Vorträge will doch keiner hören, vor allem junge Leute nicht. Aber die sind die Zukunft und am Ende für eine tolerante Welt verantwortlich. Viele große Musiker haben mit Musik mehr gesagt und erreicht als große Redner mit erhobenem Zeigefinger.

Kennst Du inklusive Band oder Musikprojekte, die Dich begeistern?

Leider nicht, aber das kann sich ja auf dem InBeat-Festival ändern.

Auf deinem aktuellen Album 20sechzehn kann man den Song „Klassenfahrt“ hören. Worum geht´s in diesem Lied und welche Erinnerungen sind hineingeflossen?

„Klassenfahrt“ beschreibt ein Gefühl. Aufbruchstimmung, das erste Mal verknallt sein, die Welt entdecken, gegen Regel verstoßen, um die eigenen Grenzen zu erfahren. Ein Gefühl das man hat, wenn man verliebt ist, mit dem Menschen durchdreht, alles erlebt und nach 15 Jahren Beziehung dann vielleicht vor dem eigenen Scherbenhaufen steht , nachdem man geheiratet hat, zusammengezogen ist und vielleicht Kinder hat. Wenn der Altag die Beziehung zerfressen hat, obwohl man sich früher mal so toll fand. Und man fragt sich, wo das alles hin ist, und denkt an die geile Zeit. Hinschmeißen oder zurück holen, das muss sich jeder selbst beantworten. Bei dem Lied „Klassenfahrt“ gibt es eine Chance, ein Neuanfang mit der gleichen Person ist möglich. Weißt du noch damals……

Du hast Dein Album auf Sylt vorgestellt, vis à vis zu Niebüll also. Warum das? Hast Du einen besonderen Bezug zur Nordsee?

Ja, im Norden hat alles für mich als Solokünstler begonnen und irgendwie
wurden die Fans da oben immer mehr. Eigentlich bin ich ja in Erfurt geboren und in
Giessen (Hessen) aufgewachsen, aber irgendwie traf der Spruch „Der Prophet im eigenen Land gilt nichts“ bei mir zu. Naja, das ändert sich gerade, aber die Nordlichter habe ich echt ins Herz geschlossen.

Warum sollte man Deiner Ansicht nach bei InBeat im Publikum stehen?

Als Künstler kämpfen wir ja auf jeder Ebene für mehr Toleranz, allein deswegen sollte man dabei sein. Außerdem soll am 23.09. nur Schrott im Fernsehen kommen, Kneipen und Läden haben alle geschlossen, Benzin wird an dem Tag nicht verkauft und der Strom wird außer auf dem „InBeat“ überall in Deutschland abgestellt. Wenn das mal keine Argumente sind;-))

Wenn Du bei Etagenbett wählen kannst: oben schlafen oder unten?

Ich habe immer ein Vier-Bett-Zimmer für mich alleine und wechsel alle 30 Minuten
das Bett. Ich erzähle euch im Nachbericht, ob ich oben oder unten besser geschlafen habe.

Danke, Norman. Wir nehmen Dich beim Wort!

Diese Bands stehen für Euch bei InBeat auf der Bühne:

 

14 Uhr Elbkidz

15 Uhr Wunschlistenband der Sylter Lebenshilfe

16 Uhr Stadtmusikanten

17 Uhr M7

18 Uhr GENTS

19:30 Uhr Norman Keil

Nebenbei könnt Ihr Euch an Jim’s Bar einen alkoholfreien Cocktail mixen lassen, Kaffee und Kuchen stehen auch bereit, und frisch vom Grill kommt die eigens für die Veranstaltung komponierte „Niebüller Currywurst“. Für die Kleinen wird´s währenddessen nicht langweilig: Es gibt’s ein buntes Kinderprogramm.

Eintritt für das Festival: frei!

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

1 Kommentar zu “InBeat 2017: Headliner Norman Keil über das anstehende Musikfest in Niebüll

  1. Kai Dannert

    Moin, ich bin am 23. mit dabei und freue mich jetzt schon auf eine geile Atmosphäre. Hoffentlich spielt das Wetter mit!
    Gruß von der Ostsee

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.