Neues erproben

Film ab – Filmfreizeit vor Industriekulisse

Einen Film im Fernsehen zu sehen, macht Spaß. Noch mehr Vergnügen macht es aber, einen Film selbst zu drehen! Diese Möglichkeit bietet das „Filmcamp für junge Medienmacher“ in Duisburg.

Er liebt mich nicht mehr, ich bin ihm zu dick!“ Theatralisch schluchzt Lea auf, die ersten Tränen kullern. „Du kannst noch mehr Emotionen zeigen“, ruft ihr Regisseur Lukas zu, „rauf dir die Haare oder schlag die Hände vors Gesicht!“ Lea nickt und plötzlich scheint es klick zu machen: also mehr Dramatik! Ein zweites Mal schluchzt und weint sie und die Hände kommen auch noch zum Einsatz. Der Regisseur ruft: „Super, danke!“ Die erste Szene ist im Kasten. 22 Jungen und Mädchen klatschen begeistert Beifall. Sie alle sind Teil eines Teams, das für eine Woche in der Jugendherberge Duisburg Landschaftspark zu Gast ist, um an einem gemeinsamen Filmprojekt zu arbeiten – wie echte Filmstars. Die einen stehen vor der Kamera, die anderen dahinter, so wie Niko, einer der Kameramänner des Teams. Niko ist 14 Jahre alt und hat mit seinem Freund Erik schon mehrere private Kurzfilme gedreht. Als er von der Möglichkeit erfuhr, in Duisburg an diesem Filmcamp teilzunehmen, war er sofort Feuer und Flamme. Zusammen mit Erik ist er nun Teilnehmer des einwöchigen Ferienprogramms.

Filmfreizeit vor Industriekulisse

Agieren im Scheinwerferlicht

In andere Rollen schlüpfen, sich ausprobieren, Schüchternheit überwinden – die Gründe, vor der Kamera zu stehen, sind genauso vielfältig wie die, dahinter zu wirken. Niko war immer schon fasziniert von den alten Super-8-Filmen seines Opas: „Was mein Opa auf seinen Filmen alles festgehalten hat, fand ich schon immer total faszinierend. Das wollte ich auch immer gerne machen. Allerdings sind es heute andere Themen als damals. Und die Technik hat sich natürlich auch verändert. Das ist heute viel einfacher.“ Weiter erzählt er: „Wir drehen hier gerade einen Film über Vorurteile und Ausgrenzung – so Sachen über Probleme der heutigen Jugend halt. Wer dick ist, ist auch gleichzeitig doof – oder doch nicht? Wir wollen das Publikum bewusst provozieren und damit anregen, mal über die eigenen Vorurteile nachzudenken. Das wird heutzutage nämlich viel zu selten gemacht! Stattdessen gibt einer das Motto vor, und alle anderen tuten in dasselbe Horn!“

Filmfreizeit vor Industriekulisse

Zaubern mit Farbe

Lea sitzt inzwischen wieder in der Maske. Die Tränen, die eben noch so effektvoll gerollt sind, haben Spuren auf dem Make-up hinterlassen. Sie lässt sich auf einen der Stühle plumpsen und wartet, bis Neele mit einem dicken Puderpinsel zu ihr kommt und sie nachschminkt. Auch Neele ist eine der Teilnehmerinnen des Filmcamps. Sie will aber nicht vor oder hinter der Kamera stehen, sondern hat mehr mit Kamm und Pinsel im Sinn. Ausgebildete Maskenbildnerinnen zeigen ihr, was ein kamerataugliches Make-up ausmacht – und nun ist sie mit ein paar anderen Mädchen dafür verantwortlich, dass Lippenstift und Haare bei allen Schauspielern sitzen und gut aussehen! Neele hat sich schon vor dem Filmcamp für Frisuren und Make-up-Trends interessiert, aber hier kann sie diese Vorliebe erst richtig ausleben: „Es macht so viel Spaß zu sehen, wie man mit Farbe und Frisur einen ganz anderen Typ aus jemand machen kann. Luise, ein graues Mäuschen, wird so zum Vamp, und Hannah, die große Hübsche, kann man ganz unscheinbar werden lassen, total irre!“

Filmfreizeit vor Industriekulisse

Spannende Projekte, Hausgemacht

Ob es um Cybermobbing geht, um erste Liebe oder Toleranz, stets  werden die Filmthemen vom Filmteam selbst entwickelt und umgesetzt  – unter der Mithilfe von Mitarbeitern der Film- und Medienakademie für Kinder und Jugendliche (FMKJ). Eine Rahmengeschichte und einen möglichen Einstieg in die erste Szene bringen die Fachleute vom Filmcamp meist mit, die genaue Geschichte überlegen sich die jugendlichen Drehbuchautoren selbst. „Manchmal haben die Kids etwas abgedrehte Ideen für die Handlung“, erläutert schmunzelnd Frank Hellmich, Campleiter und Geschäftsführer der Film- und Medienakademie. „Wichtig ist es dann einfach, dass die Kinder den Unterschied zwischen einem fiktiven Drehbuch und der Wirklichkeit nicht aus den Augen verlieren!“

Filmfreizeit vor Industriekulisse

Schlüsselkompetenzen entdecken und fördern

Alle Fachbereiche, die sogenannten „Departments“ des Films, werden in diesem spannenden Projekt von den Kindern und Jugendlichen selbst übernommen. „Gerne stärken wir auch Schlüsselkompetenzen wie Organisations- und Kooperationsfähigkeit“, erläutert Frank Hellmich. Jedem Department (mit maximal fünf Kids) steht ein Teamer mit Rat und Tat zur Seite. Ob es um Regie oder Aufnahmeleitung geht, das Schreiben des Drehbuchs, Kameraführung, Maske, Requisite oder Musik – jeder Teilnehmer kann sich auf dem Gebiet einbringen, das ihm am meisten liegt. Und das macht meist so viel Spaß, dass der ein oder andere Teilnehmer zum „Wiederholungstäter“ wird!

Am letzten Tag wird das Projekt auf einer großen Filmgala Eltern und Freunden schon mal in ersten Szenen vorgeführt. Der richtige Schnitt kommt erst danach. Den komplett fertigen Film bekommen alle Mitwirkenden später als DVD nach Hause geschickt. Mit etwas Glück wird er sogar im Fernsehen ausgestrahlt. Als sich alle Teilnehmer des Filmcamps zum Abschied in den Armen liegen, kullern Leas Tränen schon wieder – diesmal ganz echt und ungeschminkt. Große Gefühle eben!


Sie möchten selbst sehen, was in unseren Filmcamps entstanden ist?

Hier geht’s: www.jh-ferien.de/filme


Extrainterview

Manuel Stechele (19) war mehrfach als Teilnehmer und im letzten Jahr als Teamer beim Filmcamp in Duisburg dabei. Der Start einer Karriere? Wir fragten nach.

Weißt du noch, wann du das erste Mal beim Filmcamp dabei warst?

Manuel Stechele: Na klar, mit elf. Unglaublich lange her. Insgesamt war ich sechs Mal dabei, im letzten Jahr zum ersten Mal als Teamer.

Wie war es, auf der anderen Seite zu stehen?

Manuel Stechele: Es war eine super Erfahrung. Mein Team war für die Standfotografie zuständig. Das heißt, wir waren verantwortlich dafür, dass im Film keine Anschlussfehler passieren. Da habe ich erst so richtig gemerkt, was ich bei den Filmcamps alles gelernt habe und weitergeben konnte.

Und jetzt? Geht es beruflich in Richtung Film?

Manuel Stechele: Ja, tatsächlich. Die Filmcamps waren eine super Möglichkeit, sich auszuprobieren. Mich hat es gepackt. Daher auch sechs Mal! Klingt verrückt, war aber super. Gerade bin ich dabei, mein Fachabi im Bereich Medien zu machen! Und dann mal schauen …


Filmcamp Angebote entdecken

 

Film ab – und Action!

Jugendherberge Duisburg Landschaftspark · Rheinland

Willkommen beim Filmcamp für junge Medienmacher! Vor laufender Kamera im gleißenden Scheinwerferlicht stehen? Oder lieber für die richtigen Bilder und Töne am Filmset sorgen? Wer wissen will, wie ein Film gedreht wird, kann seine Karriere im Filmcamp der Filmakademie beginnen.

Leistungen: 7 Ü/VP, Unterbringung im Mehrbettzimmer mit Du/WC, Bettwäsche, Komplettbetreuung, Technik- und Materialkosten, medienpädagogisches Programm mit Filmtrainings in den Produktionsdepartments, Filmgala
Teilnehmer: Kinder von 11 bis 14 und Teens von 14 bis 17 Jahren
Teilnehmerzahl: min. 20 Personen
Termine: 09.–16.7.2016, 16.–23.7.2016, 13.–20.8.2016, 08.–15.10.2016 (11–14 Jahre), 15.–22.10.2016 (14–17 Jahre)
Preis/Person: 324 €
Buchung: jh-ferien.de

 

Maz ab in der Filmwerkstatt!

Jugendherberge Osnabrück · Unterweser-Ems

Drehbuch schreiben, Regie führen oder in andere Rollen schlüpfen: Hier könnt ihr es einmal ausprobieren! Eine spannende Woche, die euch neue Blickwinkel ermöglicht – und an deren Ende ihr euren eigenen Film mit nach Hause nehmt.

Leistungen: 5 Ü/VP, Mehrbettzimmer, Kursleitung, professionelle Filmwerkstatt, Freizeitangebote, Betreuung durch Teamer
Teilnehmer: Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren
Teilnehmerzahl: min. 15 Personen
Termin:  24.–29.7.2016
Preis/Person: 315 €
Buchung: osnabrück.jugendherberge.de

 

Move@Media

Jugendherberge Lindlar · Rheinland

Möchtest du ein eigenes Computerspiel oder eigene Comicfiguren entwickeln? Oder als Regisseur und Produzent dein eigenes Video gestalten? Die Medien-ferien machen es möglich.

Leistungen: 7 bzw. 8 Ü/VP, Mehrbettzimmer, Bettwäsche, Komplettbetreuung durch MEDIA-Team, move-@media-Programm, Freizeitprogramm
Teilnehmer: Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren
Teilnehmerzahl: min. 15 Personen
Termine: 16.–24.7. (8 Ü), 24.–31.7.2016 (7 Ü)
Preis/Person: 284 € (8 Ü),  254 € (7 Ü)
Buchung unter: jh-ferien.de

Seit 100 Jahren vertreten die Jugendherbergen Werte, die das Leben bereichern. Für alle, die mit offenen Augen durch die Welt gehen. Die Gemeinschaft erleben wollen und aufeinander zugehen. Mutig. Auch mal übermütig.

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