Deutschland erobern in der City

Familienurlaub in Berlin: Mit Kindern auf Zeitreise

30 Jahre Mauerfall – ein schöner Grund, um dem „dicken B oben an der Spree“ mal wieder einen Besuch abzustatten, dachte sich auch Familie Löffelbein: Im Juni machen sie einen Familienurlaub in Berlin, in die Stadt, die wie keine andere an das geteilte Deutschland erinnert. Wir durften sie begleiten …

Es gibt sie, diese Orte, an die es einen immer wieder zieht. Die eine magische Anziehungskraft auf einen ausüben, weil sie mit schönen Erinnerungen, tollen Erlebnissen oder einer ganz besonderen Energie verbunden sind. Für Familie Löffelbein aus Kornwestheim-Pattonville bei Stuttgart ist dieser Ort ganz klar: Berlin. Papa Ron (37) hat hier Familie, Mama Lea (35) kennt die Stadt, seitdem sie als kleines Kind mit ihrer Mama Freunde im Osten besuchte, und auch für ihre drei Kinder ist Berlin längst viel mehr als nur die Hauptstadt: Nur wenige Monate nach der Geburt des jüngsten Familienmitglieds Ella (3) verbrachten die Löffelbeins in Berlin 2016 ihren ersten gemeinsamen Familienurlaub zu fünft. Nun, drei Jahre später, ist es wieder so weit: Die Löffelbeins reisen gemeinsam in ihre Lieblingsstadt …

Eine Familie steht vor einem Stück Mauer in Berlin. Im Hintergrund sieht man das Bild "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben" von Dmitri Wladimirowitsch Wrubel. Es zeigt deb Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker.

WENN NICHT JETZT, WANN DANN?

Der Zeitpunkt für den Familienurlaub in Berlin ist jedoch nicht zufällig gewählt. „Was mich an Berlin so fasziniert, ist die historische Bedeutung“, erklärt Papa Ron. „Man fühlt sich hier fast ein bisschen wie auf Zeitreise, weil überall noch die Spuren der Geschichte zu entdecken sind, ganz besonders die des Mauerfalls.“ Und dieser jährt sich im November ja bereits zum 30. Mal. „Ich finde, das ist ein guter Zeitpunkt, mit unseren Kindern, gerade den beiden Großen, mal auf Mauer-Entdeckungstour in unserer Lieblingsstadt zu gehen. In den Medien und auch in der Schule ist das Thema schließlich überall präsent.“ Als Ausgangspunkt für ihren Familienurlaub in Berlin haben sich die Löffelbeins dieses Mal die Jugendherberge Berlin-Am Wannsee ausgesucht. „Großstadttrubel auf der einen, erholsame Familienzeit am See auf der anderen Seite – das klang für uns alle nach einer super Kombination“, erklärt Mama Lea als wir sie am Samstagmorgen an der S-Bahn-Haltestelle Berlin-Nikolassee, nur zehn Minuten Fußweg von der Jugendherberge entfernt, treffen. „Das Beste ist, dass wir von hier unkompliziert ohne Auto in die City kommen.“

Die Familie Löffelbein beginnt Ihren Städtetrip. Fröhlich starten sie von der Jugendherberge Wannsee.
STARTKLAR – Gleich nach dem Frühstück am Samstagmorgen brechen die fünf Löffelbeins auf: Erst geht es zu Fuß zur S-Bahn-Haltestelle Berlin-Nikolassee und von dort aus mit der Bahn direkt bis zum Brandenburger Tor.

HINEIN NACH BERLIN

Tatsächlich dauert die Fahrt von Wannsee zum Brandenburger Tor nur 30 Minuten. Zeit, die die fünf nutzen können, um sich über das Wahrzeichen Berlins zu informieren, das bis 1989 für den Verkehr geschlossen war und heute als das Symbol der Freiheit schlechthin zählt. „Warum gab es die Mauer damals eigentlich?“, will Béla wissen. „Nachdem Deutschland 1945 den Weltkrieg verloren hatte, wurde es von den Siegermächten – England, Frankreich, den USA und der Sowjetunion – in vier Zonen eingeteilt“, erzählt Mama Lea. „Diese Zonen achteten darauf, dass die Deutschen sich nach dem schlimmen Krieg an die Regeln hielten und ihr Land friedlich wieder aufbauten.

Lotta-Mia hält ein Schild hoch auf dem der Satz "Achtung - Sie verlassen jetzt West-Berlin"
GRENZKONTROLLEN IN DER STADT?
Vom Checkpoint Charlie sind gerade Béla und Lotta-Mia schwer beeindruckt.

Dabei hatte jede Zone eigene Ideen, wie man dieses Ziel umsetzen könnte. Der Teil, der später zur DDR wurde, wurde vom heutigen Russland kontrolliert und hatte sehr strenge Regeln. Als man merkte, dass deswegen immer mehr Menschen die Zone verließen, beschloss man, mit einer Mauer den neuen Staat DDR zu schützen.“ „Krass“, staunt Béla. „Ja, erst als die Menschen 1989 auf die Straßen gingen und forderten, dass die Mauer verschwinden und unser Land wieder eins werden müsse, konnten sie die Politiker zum Umdenken bewegen.“ „Toll, dass die alle zusammen für die Idee gekämpft haben“, findet Béla. „Ja“, nickt Ron. „Sonst hätte es den Mauerfall nicht gegeben.“

DAS HERZ VON BERLIN

Familie Löffelbein ist in der U-Bahn am Brandenburger Tor.
SO VIEL ZU ENTDECKEN – Mit der U- und S-Bahn legen die Löffelbeins die teils großen Distanzen innerhalb Berlins ganz entspannt zurück.

Wenig später haben die fünf das Herz der Hauptstadt erreicht. „So viele Menschen“, macht Ella große Augen, als sie die vielen Touristen sieht, die das Viertel zwischen Pariser Platz und Reichstag bevölkern. Instinktiv greift sie nach Mamas Hand. Lotta-Mia und Béla sind da längst losgestürmt, um das beeindruckende Gebäude mit seinen Säulengängen genauer zu betrachten. „Findet hier nicht auch Silvester das Feuerwerk statt?“, fragt Béla, als die fünf wieder Richtung Bahn laufen. „Nicht nur das! Das Brandenburger Tor ist der Ort schlechthin, um gemeinsam zu feiern, zum Beispiel den Gewinn der Fußball-WM 2014“, erzählt Papa Ron. „Sicher kein Zufall, wenn man überlegt, dass es den Menschen gelang, genau hier eine Mauer niederzureißen, die sie vorher trennte.“ 

Bela und Lotta-Mia essen eine echte Berliner Currywurst.
EIN FAMILIENURLAUB IN BERLIN GEHT DURCH DEN MAGEN – Currywurst mit Pommes – der perfekte Mittagssnack für die fünf Löffelbeins, nachdem sie am Vormittag bereits viele Meter zu Fuß gemacht haben.

IM FAMILIENURLAUB IN BERLIN: AUF DEN SPUREN DER UNTERWELT

Da am Himmel erste Regenwolken aufziehen, ändern die Löffelbeins spontan ihren Plan: Statt zur nächsten Sehenswürdigkeit, geht es für sie ins Deutsche Spionagemuseum am Potsdamer Platz – sehr zur Freude der Kinder, denn hier warten mit dem Laserparcours und einem Geheimlabor jede Menge interaktive Spielstationen, die Lotta-Mia, Béla und Ella einen Eindruck davon vermitteln, wie Geheimagenten zu Zeiten der DDR gearbeitet haben, wie sie Nachrichten verschlüsselten und im Schattenreich ihre geheimen Aufträge erfüllten. Nach zwei Stunden können sich die fünf nur schweren Herzens losreißen, doch der Magen knurrt und die Sonne ist zurück. Zeit, die Entdeckertour fortzusetzen.

Bela geht durch einen Laserparcours im Berliner Spionagemuseum.
IN GEHEIMER MISSION – Action-Spaß garantiert: Beim Besuch des Spionagemuseums
schlüpft Béla im Laserparcours in die Rolle eines echten Spions.

BERLINER GESCHICHTE: KUNTERBUNTE SPUREN DER WIEDERVEREINIGUNG

Nachdem sie sich – typisch berlinerisch – eine Currywurst und Pommes haben schmecken lassen, geht es für die Löffelbeins mit der U-Bahn zur Warschauer Straße in Friedrichshain und von dort aus zu Fuß zur East Side Gallery. „Genau hier verlief also die Mauer?“, will Lotta-Mia wissen, als die fünf eine der berühmtesten Open-Air-Galerien der Welt erreicht haben. „Ja“, nickt Papa Ron. „Aber das hier ist natürlich nur noch ein ganz kleiner Teil.“ „Und warum wurde sie nicht abgerissen?“, bohrt Béla nach. „Weil man eine bessere Idee hatte: Man hat Künstler aus der
ganzen Welt eingeladen, mit Gemälden auf den ehemaligen Mauerstücken ein Zeichen für Frieden und Zusammenhalt zu setzen. Dabei sind über 100 Bilder entstanden, von denen man einige noch besichtigen kann. Sie sind ein Zeichen dafür, dass man Mauern friedlich überwinden kann und natürlich ist die East Side Gallery ein Mahnmal, dass so etwas Schreckliches wie die Mauer nie wieder das Land trennen soll.“

Am besten Orientiert man sich an einem Reiseführer. So kann man die Stadt Berlin erlesen und entdecken. Hier hocken die Löffelbeins mit einem Reiseführer vor einem Stück der East Side Gallery.
NACHLESEN – Wer hat die alten Mauerstücke der East Side Gallery in so tolle Kunstwerke verwandelt? Die Löffelbeins informieren sich direkt in ihrem Reiseführer

GRENZKONTROLLEN IN DER EIGENEN STADT

Während die Temperaturen steigen, geht es für die Löffelbeins zum letzten Höhepunkt ihrer Berlin-Zeitreise: dem Checkpoint Charlie. „Um von Ost nach West zu kommen, mussten die Menschen genau an dieser Stelle die Grenze passieren. Neben dem Checkpoint Charlie gab es noch zwei weitere Grenzübergänge: die Checkpoints Alpha und Bravo“, erzählt Mama Lea. „Wie gruselig“, findet Lotta-Mia. „Menschen, die vorher in einer Straße gewohnt haben, mussten plötzlich eine Grenze überqueren, um ihre Nachbarn zu sehen.“ Papa Ron nickt. „Ja, und längst nicht jeder durfte hier rübermarschieren. Die Menschen im Westen konnten mit ihrem Pass in die DDR einreisen, aber vom Osten in den Westen kamen nur ausgewählte Personen, etwa Politiker.“

Die drei Kinder der Familie Löffelbei drücken sich die Nase am Fenster des  Spionage-Museums platt.
„MUSEEN SIND LANGWEILIG? DIESES NICHT!“

DAS WAR EINMAL: EIN KLIMA DER ANGST

Béla macht große Augen: „Wie schlimm!“ Mama Lea nickt: „Oh ja! Ich habe solche Grenzkontrollen sogar selbst erlebt.“ „Echt?“, staunt Lotta-Mia. „Erzähl!“ „Eure Oma hatte eine Freundin in Ost-Berlin, die wir oft besucht haben. Und dafür mussten wir, ehe die Mauer fiel, über die Grenze in die DDR einreisen. Da gab es Grenzwachen mit Maschinengewehren, vor denen ich als Kind große Angst hatte. Ich erinnere mich noch an das eine Mal, da durften wir bei der Ausreise nicht weiter, weil die Kontrolleure den Verdacht hatten, dass Oma uns Kinder aus der DDR rausschmuggeln wollte.“ Lotta-Mia ist erschrocken: „Und dann?“ „Zum Glück konnten wir das klären, wir hatten ja die Pässe dabei. Trotzdem: eine schlimme Vorstellung, dass viele gegen ihren Willen nicht mehr in den Westen durften. Gut, dass diese Zeit schon lange hinter uns liegt.“

Lea, Lotta-Mia und Lea sitzen in einem Trabant. Diese Autos sind aus der Stadt fast verschwunden. Früher waren sie von der Straßen der DDR nicht wegzudenken.
„ICH BIN FROH, DASS UNS DEUTSCHE HEUTE KEINE MAUER MEHR TRENNT.“

FAMILIENURLAUB IN BERLIN: IMMER FÜR EINE ENTDECKUNG GUT

„Kannst du dich eigentlich noch an den Mauerfall erinnern?“, fragt Béla seinen Papa auf dem Rückweg nach Wannsee. „Wir waren damals noch sehr klein, fast so jung wie Ella“, erzählt Ron. „Ich habe nur noch vage Erinnerungen an die Fernsehbilder: Da haben die Menschen auf der Straße getanzt und sich vor Freude in den Armen gelegen. Das war ein ganz besonderer Tag.“ „Wie heute“, stellt Béla fest. „Cool, was wir alles gesehen haben! Berlin ist echt meine Lieblingsstadt.“ „Meine auch“, findet Lotta-Mia. „Hier gibt‘s immer was zu erleben.“ „Apropos: Ich finde, wir haben heute genug erlebt und können jetzt ruhig mal ein bisschen faulenzen!“, schlägt Lea vor. „Lust auf eine Abkühlung? Die Jugendherberge liegt so toll am See, das müssen wir ausnutzen … “

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