Deutschland erobern

Auf Entdeckungstour durch Bayern, Sachsen und Tschechien

Entdeckungstour Klingenthal

Es sind nur ein paar Schritte bergauf, schon steht Familie Gerhardt auf tschechischem Boden. Ganz nah hinter der Jugendherberge Klingenthal verläuft die Grenze zwischen Sachsen und unserem östlichen Nachbarland. Die Entdeckungstour mit spektakulären Ausblicken und spannenden Einblicken auf den Spuren Johann Wolfgang von Goethes kann beginnen!

Für uns ist hier alles Neuland“, gesteht Bernd Gerhardt. Zusammen mit befreundeten Familien ist er aus Borken angereist und hat für zwei Nächte in Ostdeutschlands höchstgelegener Jugendherberge eingecheckt. „Wir kennen uns aus mit der Grenzregion zwischen NRW und den Niederlanden, aber im Vogtland und in Tschechien waren wir noch nie. Wir sind gespannt, was uns auf der Entdeckertour ,Ganz wie Goethe‘ wohl erwartet.“ Warten, das wollen die mitreisenden Kids natürlich nicht. Schon haben sie den Aussichtsturm Otto Hermann Böhm erobert.

Hochgelegene Jugendherberge, noch höherer Turm

Der Turm befindet sich direkt neben der Jugendherberge Klingenthal auf dem Aschberg in 917 Metern Höhe. „154 Stufen!“, meldet Jonas, als er wieder sächsischen Boden unter den Füßen hat. Dafür belohnt oben ein gigantischer Blick, Richtung Südosten reicht er bis ins nahe Tschechien.

Zunächst zieht es die sportbegeisterten Gerhardts aber zur Skisprungschanze, der Vogtland-Arena. Hier ist auch im Sommer ordentlich was los. Zum einen trainieren Skispringer aus aller Welt für die nächste Wintersaison, zum anderen nutzen Besucher die Gelegenheit, das spektakuläre Bauwerk selbst zu erleben. Mit einer Bahn geht es vom Zielraum zunächst hoch zum Schanzenturm. Per gläsernem Aufzug erreichen schließlich alle die Aussichtsplattform.

„Das ist in Echt noch viel steiler als im Fernsehen“, staunt Patricia. Die Achtjährige hält sich beim Blick nach tief unten vorsichtshalber an Mamas Hand fest. Selbst mit Skiern unter den Füßen zu springen – das können sich tatsächlich auch die mutigsten Erwachsenen in der Gruppe nicht vorstellen. Zurück in der Jugendherberge klingt der Tag bei deutschen und tschechischen Grillspezialitäten aus.

AUF EINEN (AB-)SPRUNG - Ein Besuch der Vogtland-Arena darf auf der Rundreise durchs deutsch-tschechische Grenzgebiet nicht fehlen.
AUF EINEN (AB-)SPRUNG – Ein Besuch der Vogtland-Arena darf auf der Rundreise durchs deutsch-tschechische Grenzgebiet nicht fehlen.

Apropos Grenze: Dank der EU ist die Einreise nach Tschechien am nächsten Tag kein Problem. Dennoch hat Mama Sabrina bei den Reisevorbereitungen darauf geachtet, auch für die Kinder gültige Ausweise mitzunehmen. Und wenngleich der Euro als Zahlungsmittel oft akzeptiert wird, holen sich die Gerhardts für den Ausflug ins romantische Loket einige tschechische Kronen aus einem Automaten vor Ort.

Schon von Weitem sieht man die wehrhafte Burg, die über der Altstadt thront. Die Eger umschließt sie fast komplett: Unterhalb der Burg macht sie einen extremen Bogen und bildet so fast eine Halbinsel, auf der sich die Stadt seit dem Mittelalter entwickelt. Daher ihr Name: Loket bedeutet Ellbogen.

Burg Loket - mauritius images / imageBroker / Egmont Strigl
Burg Loket – mauritius images / imageBroker / Egmont Strigl

Goethe ist gut, Gaukler wären noch besser

Auf der Burg gibt es – genauso wie unten in der Stadt – viel zu entdecken, etwa einen historischen Meteoritenbrocken, den schon Johann Wolfgang von Goethe bei seinem Loket-Besuch bestaunte. Der berühmte Dichter feierte hier seinen 74. Geburtstag, somit ist das Thema Goethe allgegenwärtig. Jonas und Patricia sind dennoch etwas enttäuscht: Beeindruckt von der Kulisse finden sie es total schade, dass die jährlichen Ritterspiele erst im August stattfinden. Dort treffen sich Reiter, Gaukler und Markthändler zu einem bunten Fest. Die Kinder sind müde und so brechen die Gerhardts wieder auf Richtung Klingenthal, während die mitreisenden Familien auf dem Rückweg noch einen Abstecher über Karlsbad machen. Später am Abend berichten sie in der Jugendherberge vom mondänen Flair einer vergangenen Epoche, das der alte tschechische Kurort noch immer vermittelt.

Steinstarke Entdeckungstour in Wunsiedel

Schon am nächsten Morgen heißt es: Koffer packen. Tag drei der Entdeckertour auf Goethes Spuren hat aber noch ein echtes Highlight zu bieten: Im Freistaat Bayern wartet Europas größtes Felsenlabyrinth auf die westfälische Entdeckergruppe. Zuvor fahren die Familien mit ihren Autos hinter dem sächsischen Bad Brambach noch einmal nach Tschechien. Vorbei an Franzensbad und Eger erreichen sie bei Hohenberg erneut die Grenze. Hier senkte sich zuzeiten des Kalten Kriegs der Eiserne Vorhang. Heute passieren die EU-Bürger die Stelle wie selbstverständlich. Und bald darauf sind die Entdeckerfamilien schon mittendrin in der Wunderwelt des Felsenlabyrinths Luisenburg. „Wie kommen die riesigen Steine in den Wald?“, will Jonas wissen. Zum Glück ist das Gelände bestens beschildert und hält die Antwort parat: Demnach haben sich die mächtigen Granitblöcke vor 300 Millionen Jahren durch Verwitterung aus der Umgebung herausgebildet. Hier kommt nochmals Goethe ins Spiel. Er besuchte das Felsenlabyrinth mehrfach und entwickelte genau diese Theorie der Entstehung. Zuvor war man davon ausgegangen, dass ein Erdbeben Grund für das gewaltige Naturschauspiel gewesen sei. Weitere Erklärungen braucht Papa Bernd nicht selbst abzugeben, denn er hat alle zu einer geführten Familienrallye angemeldet. Ausgerüstet mit Rucksack und Kompass ziehen die Gerhardts los – und am Ende der Tour sind sie nochmal um einiges schlauer.

„HALLO, WIR SIND HIER OBEN – MITTEN IM FELSENLABYRINTH. KOMMT AUCH SCHNELL RAUF!“
„HALLO, WIR SIND HIER OBEN – MITTEN IM FELSENLABYRINTH. KOMMT AUCH SCHNELL RAUF!“

Eine Theaterbühne mitten im Felsenmeer

Auch die Freilichtbühne für die Luisenburg-Festspiele haben sie gesehen. Dort findet den ganzen Sommer ein buntes Programm statt. Das ist die Stunde für Familie Gerhardt: Kurzentschlossen und mit etwas Glück ergattern sie für den nächsten Tag noch Karten für die Aufführung. Übernachtet wird in der Jugendherberge Wunsiedel. Die Mitgliedskarte haben sie ja dabei! Für die anderen Familien heißt es am Nachmittag hingegen Abschied nehmen. Doch die nächsten „Grenzerfahrungen“ sind schon in Planung, etwa im Norden Richtung Skandinavien. Die Jugendherbergen mit ihren Programmen stehen bereit …

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