mit der Schule

Die Folgen der Corona-Pandemie für Schülerinnen und Schüler

Der Himmel ist blau, wir sehen eine lange Flucht und Dr. Jan Christoph Störtländer steht vor der Uni Bielefeld

Die Folgen der Corona-Pandemie für Schülerinnen und Schüler sind noch nicht absehbar. Aber nach vielen Monaten ohne echte Erlebnisse in der Gruppe und dem Erfahrungsaustausch mit Gleichaltrigen, ist es an der Zeit, wieder pädagogischen Angebote zu ermöglichen. Sie sind für die Entwicklung sozialer Kompetenzen und Fähigkeiten einfach unersetzlich. Einen spannenden Einblick bietet unser Interview mit Erziehungswissenschaftler Dr. Jan Christoph Störtländer von der Uni Bielefeld.

Herr Störtländer, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Kinder und Jugendlichen in Deutschland mit Blick auf den jetzt mehrere Monate andauernden „Lockdown“?  

Die Verwirklichungschancen junger Kinder und Jugendlicher sind in Deutschland abhängig vom Elternhaus ungleich verteilt und Schule hat die Tendenz, hier nicht auszugleichen, sondern bestehende Ungleichheiten zu verstärken. Das setzt sich fort in der Situation des Homeschooling, wo man jetzt schon sieht, dass Eltern ganz unterschiedlich dazu in der Lage sind, ihre Kinder zu Hause zu unterstützen. Welche genauen Auswirkungen das haben wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Allerdings gehe ich davon aus, dass Auswirkungen sichtbar werden. 

Welche Folgen hat eine so lange Zeit ohne den gewohnten Kontakt zu Gleichaltrigen für die Entwicklung heranwachsender Menschen?   

Menschen sind grundsätzlich soziale Lebewesen und für ein gelingendes Leben auf das Zusammenleben mit anderen Menschen und der Welt der Natur angewiesen. „Sie setzen sich Ziele und sind einander Ziele“, so die Philosophin Martha Nussbaum. Insofern ist für alle Menschen eine Situation wie diese, in der der Kontakt zu anderen Menschen stark eingeschränkt ist, ungünstig. Und bei Kindern und Jugendlichen kommt hinzu, dass sie in sehr kurzer Zeit sehr viele Lebensphasen durchlaufen und hier herrscht Stillstand in den klassischen Entwicklungsmöglichkeiten. 

Welche Folgen hat eine so lange Zeit: Gibt es hier Unterschiede je nach Alter der Kinder und wenn ja – wie werden diese sichtbar?     

Je jünger Kinder sind, desto dringender sind sie auf echte spürbare Beziehungen mit anderen Menschen angewiesen, weil sie sich diese Menschen und auch diese Beziehungen noch nicht vorstellen können. Jeder kennt das, durch das „Kuckuck-Bah-Spiel“, auf einmal ist Mama oder Papa wieder da. Das bedeutet, dass gerade kleine Kinder sehr konkret etwas mit anderen Menschen auch mit gleichaltrigen machen sollten, um sich entwickeln zu können. Dazu gehört eben auch so was wie sich anfassen, laufen und so weiter und so fort. Das lässt sich im Übrigen auch nicht durch das Digitale vollständig ersetzen. 

Die Schulen öffnen wieder: Was ist jetzt für die Schülerinnen und Schüler wichtig, um wieder als Klasse/Gruppe zusammenzufinden?  

Mit Sicherheit ist es für Schule insgesamt wichtig, wieder zu einer Art von Normalität auch im Unterricht zurück zu finden und wieder zu fairen Prozeduren der Leistungserbringung und des Erwerbs von Abschlüssen. Mir erscheint es allerdings genauso wichtig, dass solche Lehrgelegenheiten nicht außer Acht gelassen werden, die dazu dienen, Verbundenheit zu schaffen und das soziale Miteinander – was jetzt stark gefehlt hat – ja ein Stück weit auch nachzuholen. Man denke da an Ausflüge oder auch Klassenfahrten. Dies ist übrigens auch eine Forderung von SchülerInnen-Verbänden bundesweit. 

Wie kann man dieses „Zusammenfinden“ aktiv unterstützen und welche Möglichkeiten gibt es hier vor allem mit dem Blick auf die außerschulischen Lernorte?  

Zahlreiche außerschulische Lernorte haben bereits die Möglichkeit signalisiert, Bildung bei ihnen stattfinden zu lassen, zum Beispiel Museen. Darüber hinaus – wir haben über Ausflüge und Klassenfahrten gesprochen – scheint es mir durchaus eine gute Idee – im Rahmen des Möglichen – diese Verbundenheit von der ich eben auch gesprochen habe, dieses Erleben auch von Gruppe und Gemeinschaft an außerschulischen Lernorten in der Natur zu ermöglichen, zum Beispiel in einer guten Jugendherberge. 

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