Neues erproben

Design in Jugendherbergen: Runde Turnhallen & Lagerfeuer 2.0

Jugendherbergen könnten keinen Design-Wettbewerb gewinnen? Wer weiß, wer weiß! Bei Grundriss, Materialauswahl, Formgebung und Möblierung gehen neu gebaute und frisch sanierte DJH-Standorte durchaus innovative Wege. Architekten und Planer entwickeln gemeinsam mit den Bauabteilungen der jeweiligen Landesverbände Gebäude, die zum Markenkern der Jugendherberge („Gemeinschaft erleben“) passen, die Bedürfnisse der heutigen DJH-Mitglieder berücksichtigen und im Gedächtnis bleiben. Vielfalt ist dabei Programm: Kein Haus sieht aus wie das andere! Und auch inhaltlich widmet sich das DJH bei der ein oder anderen Klassenfahrt dem Thema Design.

Jugendherbergen mit dem gewissen Design-Extra

Runde Turnhalle in Bad Tölz

Die eMotion-Base der Sport-Jugendherberge Bad Tölz ist eine außergewöhnliche Turnhalle: Der multifunktionale Bewegungsraum kommt als holzverschalte Rotunde mit umlaufenden Balkon daher und strahlt im Dunkeln durch eine gezielte Beleuchtung weit über das Jugendherbergsgelände hinaus. Ob die kreisrunde Grundfläche eine architektonische Spielerei ist? Nein, das Design fußt auf den die Fachkenntnisse und Ideen des Sport-Kinesiologen  Dr. Werner Klingelhöffer.

Jugendherberge im längsten Gebäude der Welt

Die Jugendherberge Prora im Seebad Binz (Rügen) befindet sich im längsten Gebäude der Welt: 4,5 Kilometer ist der sogenannte „Koloss von Rügen“, ein im Dritten Reich entstandener Häuserblock am Ostseestrand, lang. 152 Meter davon beheimaten seit 2011 die Jugendherberge mit angeschlossenem Campingplatz. Ihre Gestaltung folgt dem Prinzip „Aus Grau macht bunt“ – im konkreten wie übertragenen Sinne. Den leuchtenden Farben der Möblierung im Inneren gelingt es, einen respektvoll-fröhlichen Kontrapunkt zu den dunkeln Zeiten der deutschen Geschichte zu setzen, die Schulklassen hier bei der Klassenfahrt „Demokratie lernen“ intensiv behandeln.

Expo-Architekten für Bayreuth

Die neu eröffnete Jugendherberge Bayreuth wurde von denselben Architekten entworfen, aus deren Feder der deutsche Pavillon für die Expo 2020 in Dubai stammt. Das Auffällige am Bayreuther Grundriss: Aus der Vogelperspektive erkennt man ein Y. Aus gutem Grund: das ganze Konzept des Standortes orientiert sich an den Bedürfnissen der sogenannten „Generation Y“.

Lörrach und das Vitra Design Museum

Foto: Vitra Design Museum / Julien Lanoo

Die Produkte von Vitra, sie sind längst Designklassiker. In Weil am Rhein steht das allein durch seine Gebäudeform eindrucksvolle Vitra Design Museum, das die Geschichte und Gegenwart des Designs erforscht und diese in Beziehung zu Architektur, Kunst und Alltagskultur setzt. Im Rahmen der dreitägigen Klassenfahrt „Kultur, Design und Architektur im Dreiländereck„, angeboten von der Jugendherberge Lörrach, besuchen SchülerInnen das Museum und erhalten in Workshops Einblicke in den Gestaltungsprozess und wie in die damit verbundenen Herausforderungen an Fantasie, rationalem Denken und manueller Fertigkeit.

Gemeinsame Gestaltungsrichtlinien für den Nordwesten und Bayern

Die Jugendherbergen im Nordwesten und in Bayern haben gemeinsame Gestaltungsrichtlinien entwickelt, die inzwischen bei jeder Jugendherbergs-Sanierung oder -Neueröffnung berücksichtigt werden. „Brand on Bau“ ist der Titel ihres 110 Seiten starkes Handbuch, das maßgeblich darüber entscheidet, wie Ihr Euch bei einem Aufenthalt in den Jugendherbergen im Nordwesten und in Bayern fühlt. Zum Beispiel wurde festgelegt, dass inhouse immer ein „Lagerfeuer 2.0“ zu finden sein muss – ein zentraler offen gestalteter Begegnungsort, der wie ein klassisches Lagerfeuer Gemeinschaftsmomente fördert.

Wie das aussehen kann, zeigt der obige Entwurf für den Aufenthaltsbereich der neuen Jugendherberge Oldenburg (EÖ Oktober 2019): Im Erdgeschoss werden die Rezeption, der Speiseraum, Spielangebote, ein kleine Bühne, Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten sowie das Angebot von Sozialen Medien räumlich nicht voneinander getrennt, sondern in einem fließenden und transparenten Raumkonzept gestaltet.

Alpenländisches Casual-Design in Garmisch-Partenkirchen

So lässig wie ein junger Snowboarder, so stylisch ein Design-Hostel und so charmant wie eine alpenländische Almhütte: Das Casual-Design der Moun10-Jugendherberge in Garmisch-Partenkirchen begeistert Alpinsportler, junge Backpacker und naturverbundene Familien gleichermaßen. Die Gestaltung orientiert sich an regionaler Identität, interpretiert sie aber konsequent auf moderne Weise. So gibt es beispielsweise klassische Bauernstühle im Haus – allerdings bunt gestrichen. Stilisierte Vogelhäuschen geben die Zimmernummern an, schwarz-weiße Höhenprofil-Karten schmücken die Gänge und in der Sauna kann man in feschen Strandstühlen liegend den Blick aufs Bergpanorama durch bodentiefe Fenster genießen.

Bauhaus-Spuren in Meppen

Steht Ihr vor der Jugendherberge in Meppen, blickt Ihr auf eine ganz besondere Architektur, die 2000 nach einem Entwurf des renommierten Künstlers Franz Erhard Walther errichtet wurde. Das Klassizistische Symmetrieprinzip der beiden kubischen Nebenbauten, rechts und links vor dem Hauptgebäude, und die klaren einfachen Bauformen der beiden Kuben erinnern stark an die Baukunst des Bauhauses. Gleichzeitig lässt die dreiflügelige Anlage des Baukörpers Parallelen zur barocken Palastarchitektur zu. Ein spannendes Gebäude für alle Architektur-Interessierten, das Teil des internationalen Kulturnetzwerks Koppelschleuse Meppen ist.

Wenn Ihr noch mehr über Gestaltung und Design von Jugendherbergen erfahren wollt, solltet ihr unbedingt Abonnent des DJH-Instagram-Accounts werden. Dort wird es bald einige Stories und Bilder zu dem Thema geben. Einfach dem Hashtag #DJHdesign folgen.

Abschließend interessiert mich natürlich noch eines brennend: Welche Jugendherberge punktet bei Euch mit ihrer Gestaltung besonders?

Sandra Lachmann

Mit der Patchwork-Familie im Grünen, mit einem Workshop auf einer Nordsee-Insel oder mit Freundin in der Großstadt: Sandra hat bereits in ganz unterschiedlichen Situationen in einer Jugendherbergen eingecheckt. Die Vielfalt hat die Bloggerin so begeistert, dass sie noch mehr über die Jugendherbergen von heute erfahren wollte. Daher tourt sie nun durch Deutschland und schreibt hier über ihre Erlebnisse und Aufenthalte. Weitere DJH-Stories liefert die 36-jährige Bremerin auch für heiterbisstuermisch.de.

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