Deutschland erobern

Auszeit mit Ausblick

Ausblick von der Jugendherberge Bayrischzell

Weil Urlaub die beste Zeit für einen Perspektivwechsel ist

Kopf aus, Erholung an. Das gelingt am besten in einem neuen Umfeld. Dort, wo der Alltag nicht zu Hause ist, die Pflichten pausieren und das Auge Neues entdeckt. Mal hoch hinauf, mal tief hinunter. Wer den Perspektivwechsel wagt, auf den warten unvergessliche Abenteuer. Wir besuchen sechs Häuser, die dafür den perfekten Ausgangspunkt bieten. Das Motto: Stimmt die Richtung, kommt die Erholung fast von allein …

 

JUGENDHERBERGEN MIT AUSBLICK

Der Blick reicht weit. Rechts auf die Voralpen, links auf das majestätisch aufragende Kaisergebirge, dessen Kuppen Ende Oktober bereits schneeweiß gepudert sind. Kristallklare Luft, Kuhglockengeläut und der unter den Füßen knischende Erstschnee des Jahres runden das Bild vom perfekten bayerischen Urlaubsidyll ab. „Was für Glückspilze wir sind: Es liegt tatsächlich schon Schnee“, freut sich Hannah Maric, während sie den Blick über die Bergspitzen gleiten lässt. Gerade hat sie mit ihrem Mann Josip in der Jugendherberge Bayrischzell-Sudelfeld eingecheckt. „Eine Empfehlung von Freunden“, wie sie verrät. Den Alltag und den Stress im Büro für ein paar Tage vergessen, frische neue Eindrücke sammeln, Energie für das Jahresfinale tanken, das ist für die Illustratorin nach einem intensiven Arbeitsjahr inklusive Schritt in die Selbstständigkeit besonders wichtig. „Kopf aus, Urlaub an – unser Motto!“, lacht Josip während er die Wanderschuhe schnürt. „Wo ginge das besser als in den Bergen – ganz weit weg vom Lärm der Stadt?“

Ausblick beim Rodeln in den Alpen

WELCHES HAUS HAT DEN BESTEN AUSBLICK?

Diese besondere Lage wollen die Marics voll auskosten: Zum Start in den Kurzurlaub steht gleich eine Erkundung des Wandergebiets rund um den Wendelstein an, das auch bei Schnee wunderbar zu begehen ist. Der Weg startet direkt vor dem strahlend gelben Haus in Südhanglage. Das Ziel: der Erlebnisgipfel Wendelstein. „Praktisch, dass die Jugendherberge so weit oben liegt“, schmunzelt Hannah. „Da müssen wir nicht gleich am ersten Tag schon viele Höhenmeter machen.“ Mit rund 1.200 Metern über dem Meeresspiegel ist das Haus die zweithöchste Jugendherberge Deutschlands, lediglich die Jugendherberge Feldberg „Schwarzwald“ thront mit etwa 34 Höhenmetern Vorsprung über ihr. Diese einzigartige Lage macht Bayrischzell-Sudelfeld zum perfekten Ausgangspunkt unserer Reise zu sechs Jugendherbergen, die erholsame Auszeiten mit eindrucksvollen Perspektivwechseln verbinden. Ob neue Landschaften, neue Standpunkte, überraschende Richtungswechsel oder ein Blick über den eigenen Tellerrand: Wer hier einkehrt, nimmt Abstand vom Alltag und verschafft der Erholung so ihren wohlverdienten Platz.

WENN DIE HÖHENANGST ZU HAUSE BLEIBT

Von Oberbayern aus führt uns die Reise zunächst Richtung Baden-Württemberg: Hoch über dem wildromantischen Donautal, auf einem Felsvorsprung im Naturpark Obere Donau gelegen, besticht die Jugendherberge Burg Wildenstein nicht nur durch eine Bilderbuchaussicht. Die Burganlage aus dem 11. Jahrhundert mit ihren Geheimgängen bildet zwischen April und Oktober auch die Kulisse für ein unvergessliches Outdoorabenteuer mit Tiefgang: Wem es gelingt, die Höhenangst zu überwinden, der kann sich hier von der historischen Burgbrücke 25 Meter in die Tiefe abseilen. So wie Tom Sörensen und Sohn Fritz (9): „Wir sind nicht nur große Mittelalterfans, sondern lieben es auch, neue Outdoor-Sportarten auszuprobieren“, erklärt Papa Tom. „Ein Abenteuer wie dieses können wir uns unmöglich entgehen lassen.“ Begleitet werden die Zwei dabei von Teamer Olaf. „Ich hatte überhaupt keine Angst“, strahlt Fritz, als er wieder Boden unter den Füßen hat. „Klar, am Anfang muss man sich etwas überwinden, aber es ist voll cool zu sehen, wie die Erde Stück für Stück wieder näherkommt. Ich würde am liebsten sofort nochmal los.“ Papa Tom hat da noch eine viel bessere Idee, schließlich locken im Umland auch ein Kletterpark und ein Kletterfelsen zu Gipfelstürmen: „Warum nicht gleich zum nächsten Höhenflug ansetzen?“

Ausblick vom Baumwipfelpfad Panarbora

AUF AUGENHÖHE MIT DEN BAUMKRONEN

Weniger steil, aber mindestens genauso spektakulär ist die Aussicht, die der dritte Stopp unserer Reise seinen Gästen bietet: Dafür reisen wir an den Rand des Naturparks Bergisches Land. Eingebettet in das Waldgebiet des Nutscheids liegt die Jugendherberge Waldbröl „Panarbora“, ein in vielerlei Hinsicht einzigartiges Haus: Wer auf dem elf Fußballfelder gro-
ßen Gelände zu Gast ist, bekommt die Chance, mit allen Sinnen in den Lebensraum Wald einzutauchen. Dazu gehören unter anderem spektakuläre Erlebnisse wie das Spazieren auf einem 1,6 Kilometer langen Baumwipfelpfad, ein Abenteuerspielplatz und interaktive Lernstationen zur heimischen Flora und Fauna. Das Highlight aber sind die Unterkünfte selbst: Wer in Panarbora eincheckt, hat die Chance, in einem von sechs Baumhäusern zu übernachten. „Atemberaubend“, resümiert Rebecca Scheel nach ihrer ersten Baumhausnacht, die sie von ihrem Freund geschenkt bekam. „Beim ersten Blick aus dem Fenster auf Augenhöhe mit den Baumwipfeln zu sein, den Anblick werde ich so schnell nicht vergessen. Wie schön wäre es, man könnte jeden Morgen so aufwachen?“

Warnemünde - Jugendherberge mit Ausblick

DEN HORIZONT IM BLICK

Großartige Aussichten verspricht auch das vierte Haus, das wir auf unserer Deutschlandtour besuchen. An der mecklenburgischen Ostseeküste, im malerischen Ostseebad Warnemünde, 200 Meter vom Strand entfernt gelegen, ist die Jugendherberge Warnemünde dank ihres zum Haus gehörigen Wetterturms schon aus der Ferne leicht zu erkennen. Wie ein Leuchtturm ragt das elfgeschossige Gebäude, das vom Deutschen Wetterdienst zur Erfassung von Niederschlagsmengen genutzt wird, in die Höhe. Wer das Glück hat, eines der Zimmer in den acht Turmetagen, die zur Jugendherberge gehören, zu ergattern, erlebt eines der schönsten Naturparadiese Deutschlands aus der Vogelperspektive. „Jeder, der das Meer liebt, muss hier mal übernachtet haben“, schwärmt Jörn Berger aus Berlin. „Diese fantastische Aussicht auf den Ozean und vor der Tür der 15 Kilometer lange Sandstrand – das bedeutet für meine Familie und mich Erholung!“

EINE BERAUSCHENDE KULISSE

Auch bei unserem vorletzten Halt spielt die Naturgewalt Meer die Hauptrolle. Dazu reisen wir von der Ostsee- hinüber zur Nordseeküste. Und kehren in einem Haus ein, das Schmuggler- und Piratenträume wahr werden lässt: Die Jugendherberge Wangerooge liegt nicht nur auf einer bezaubernden acht Quadratkilometer großen Insel mitten im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer, sondern ist – neben einem modernen Haupthaus – auch in einem Gebäude untergebracht, das der Seefahrt wie kein zweites ein Gesicht gibt: der 56 Meter hohe historische Westturm – gleichzeitig das Wahrzeichen der Insel. „Wir haben dieses Mal ein Zimmer ganz oben im siebten Stock ergattert“, freut sich Olaf Jansen. „Die Nordsee hat für meine Frau und mich zu jeder Zeit ihren Reiz: das Rauschen der Wellen, das Watt, die steife Brise, Sand zwischen den Zehen, das Kreischen der Möwen – und dazu die Aussicht, die bis an den Horizont reicht. Das ist eine wortwörtlich berauschende Kulisse, um die Gedanken mal vom Bürostress auf die wichtigen Themen zu lenken.“

Hoch hinaus mit Rollstuhl - Ausblick inklusive

HIER KOMMEN ALLE HOCH HINAUS

Einen echten Höhepunkt unserer Reise bildet der letzte Stopp. Dabei liegt die Jugendherberge Niebüll mitten in Nordfriesland, zwölf Kilometer von der Nordsee entfernt, auf dem flachen Land. Ein idealer Ausgangspunkt, um den Blick über die endlose Weite schweifen zu lassen, in die Insel- und Halligwelt einzutauchen, ein Schiff zu besteigen oder das nahe gelegene Dänemark zu entdecken? Gewiss! Aber auch direkt vor den Toren der Jugendherberge lauern traumhafte Aussichten, die den Urlaub zu einem besonderen Erlebnis für Menschen mit und ohne Handicap werden lassen: „Mit dem Rollstuhl in die Bäume“, so lautet das Motto beim Programm „Perspektivenwechsel“. Dabei fahren Abenteurer ab acht Jahren von der Jugendherberge Niebüll aus in den Klettergarten Filu, der ihnen ein unvergessliches Erlebnis garantiert. Mut, Geschicklichkeit, Teamwork und ein wenig Ausdauer – mehr braucht es nicht, um zwischen April und Oktober im Hochseilgarten zu einem spektakulären Höhenrausch abzuheben. Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist, nimmt ihn einfach mit, die Parcours sind dafür ausgelegt. „Die meisten Hürden stecken ja in den Köpfen der Menschen!“, findet Mia (17), die mit ihrer Familie den Ausflug in luftige Höhen antritt. „Ich finde es großartig, dass es hier keine Barrieren gibt.“

Denn auch dafür sind Urlaube schließlich da: sich selbst und die Umwelt aus einer neuen Perspektive zu erleben, den eigenen Horizont zu erweitern, Sorgen, Probleme und Ängste für ein paar Tage über Bord zu werfen, den Blick aufs Hier und Jetzt zu richten und den Moment zu genießen. Die passenden Reiseprogramme finden Sie auf den Webseiten der jeweiligen Jugendherberge.

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