Deutschland erobern im Grünen

Auf Tour im Alten Land, dem Obstgarten Hamburgs

Auf zum Apfel!

Der Apfel der Versuchung hängt im Alten Land – zigtausendfach. Anders als in biblischer Zeit kann er ohne Reue gepflückt werden. Heute führt der Weg zur Apfelernte in ein Naturparadies, das sich am besten per Rad genießen lässt. Kommt mit zur Tour im Alten Land!

Die Schuppentür fliegt auf und als Erster schiebt Tim (5) stolz sein neues Fahrrad ans Tageslicht. „Kann losgehen!“, ruft er nach hinten. Als Nächste kommt seine Schwester Emma (10) zum Vorschein. Beide können es kaum erwarten, in den ersten Fahrradurlaub zu starten. Gemeinsam mit den Eltern Melanie (39) und Frank (37) Ohnesorge aus Lasbek wollen sie das sogenannte „Alte Land“ zwischen Stade und Hamburg erkunden.

Auf Tour im Alten Land: Los geht die Fahrradtour!

Auf Tour im Alten Land: Los geht die Fahrradtour!

Ausgangspunkt Stade

Das Basislager für ihre Expedition zur Apfelernte haben sie in der Jugendherberge Stade aufgeschlagen. Die Unterkunft ist bequem vom nahegelegen Bahnhof aus erreichbar, die Radwanderwege führen quasi direkt am Haus vorbei. „Wir haben uns ganz gezielt Stade ausgesucht, weil wir nach einer bett+bike-Unterkunft gesucht haben“, sagt Frank. Das Gütesiegel des ADFC wird nach festgelegten Kriterien besonders fahrradfreundlichen Unterkünften verliehen (siehe Kasten). Hierzu zählt auch die Jugendherberge Stade. Frank und Melanie sind erfahrene Radtouristen, haben zu zweit schon das gesamte Baltikum erradelt. Und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Die Kinder sind mittlerweile von der Idee eines Fahrradurlaubs genauso begeistert.

Auf der Obsthof-Route geht es Richtung Osten. Nach kurzer Fahrstrecke von rund fünf Kilometern erreichen die vier Radler den Nagelhof – durch ein reich verziertes, hohes Holzportal. Diese Tore, sogenannte „Prunkpforten“, sind typisch für die traditionellen Höfe im Alten Land. Hier können sich die Ohnesorges den Apfelanbau aus nächster Nähe ansehen. Die Obstwiesen des Hofs reichen bis zum Elbdeich. Tim ist der Erste, der dahinter den Sandstrand entdeckt. „Das ist hier ja wie am Meer“, sagt er. Tatsächlich hat die Elbe an dieser Stelle schon eine enorme Ausdehnung. Das Nordufer des Stroms ist in der Ferne erkennbar.

Auf Tour im Alten Land: Kistenweise Frische

KISTENWEISE FRISCHE: Ein echtes Ernte-Erlebnis können sich Besucher des Alten Landes gönnen, zum Beispiel am Tag des Offenen Hofes am 9. und 10. September. Zahlreiche Obstbauern bieten Treckertouren durch ihre Plantagen an. Auf der Strecke erfahren die Gäste viele interessante Details über diese Form des Obstanbaus.

Das Alte Land gilt als das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Europas. Und trotzdem ist von Gigantismus keine Spur zu finden. Das liegt an den vielen familiengeführten Höfen wie dem von Familie Nagel und an der Art des Anbaus, den die Obstbauern „integriert“ nennen. Jeder Apfel wird von Hand gepflückt. Zudem hat eine Vielzahl von Bauern ihren Betrieb auf bio umgestellt. Wieder im Sattel fragt Emma: „Warum heißt das Alte Land eigentlich so?“ Weil weder Melanie noch Frank eine Antwort parat haben und das Smartphone samt Google auf der Radreise mal Pause hat, wird die Antwort bis zur nächsten Rast vertagt. In Stubbes Gasthaus, direkt am Flüsschen Lühe gelegen, treffen sie auf Einheimische, die bereitwillig Auskunft geben. Demnach haben holländische Siedler ab dem 12. Jahrhundert der Elbe mit Entwässerungsgräben Äcker abgetrotzt. Das bereits trockengelegte Gebiet war das „alte Land“, das noch feuchte und in Arbeit befindliche nannten sie das „neue Land“. Schließlich war man am Ziel. Seitdem kann das gesamte Alte Land als Obstgarten genutzt werden, da der gewonnene Boden sehr fruchtbar ist. Als Mittagsimbiss probieren die Ohnesorges in dem gemütlichen Gasthaus die „Königin Laura“. Nein, hierbei handelt es sich nicht um eine der vielen Altländer Apfelsorten, sondern um eine besondere, rote Kartoffel. Sie wird mit Fischvariationen gereicht – lecker!

Das Alte Land soll Welterbe werden

Frisch gestärkt rollen die Räder fast wie von selbst nach Jork, der heimlichen Hauptstadt des Alten Landes, wobei es sich natürlich wiederum um eine beschauliche Fachwerkund Backsteinidylle handelt mit wenigen Tausend Einwohnern. Hier befindet sich übrigens das Büro des „Vereins für die Anerkennung des Alten Landes zum Welterbe der UNESCO“. Seit 2011 laufen die Bestrebungen, die Region offiziell als einmalig zu deklarieren. Nach einiger Zeit werden Tims
Beine wieder müde, sodass die Familie sich mit ihrer Route nun gen Süden wendet. In der Nähe des Biohofs Ottilie legen die vier in der herrlichen Spätsommersonne noch eine Pause ein und lassen sich die Lunchpakete aus der Jugendherberge schmecken. Aus dem Hofladen landen ein paar leckere Mitbringsel – hausgemachtes Apfel-IngwerChutney und Bio-Butterkekse – in den Satteltaschen.

Über die Elbe nach Hamburg-Blankenese

Nun folgt die längste Etappe der Tagestour, Richtung Westen zurück zur Jugendherberge. Der Weg führt durch Obstplantagen und an weiteren uralten, reetgedeckten Höfen vorbei. Die Apfelernte ist in vollem Gange. Nach fast 40 Kilometern sind die Ohnesorges wieder am Ausgangspunkt ihrer Tour angekommen. Morgen steht die alte Hansestadt Stade inklusive Schloss Agathenburg auf dem Programm. Und am letzten Tag ihrer ersten Familien-Fahrradferien gehts mit der Fähre über die Elbe in den schmucken Hamburger Vorort Blankenese. Unser Ausflugstipp: Tag des Offenen Hofes im ganzen Alten Land am 9. und 10. September, das Apfelfest in Steinkirchen am 17. September sowie der Altländer Butterkuchenlauf in Jork am 15. Oktober.

 

Tour im Alten Land

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