Erlebnis Nachhaltigkeit #5: Luv und Lee erleben heißt Natur verstehen

Gastbeitrag von Sandra Lachmann.

Da sitze ich also in der Spätsommersonne auf einem Bootssteg am Bad Zwischenahner Meer und sehe sie stolz rudern – die rund 30 Kinder, die soeben ihre selbstgebauten Flöße zu Wasser gelassen haben. Blaue Tonnen, Holz und Schnüre hatten sie als Materialien bekommen, alles mehr oder eben weniger ordentlich verknotet, aufgeregt zum Ufer getragen und dann vorsichtig den Praxistest gestartet. Und siehe da, bis jetzt ist niemand gekentert.

Floß

Bad Zwischenahn ist der vierte und letzte Stopp auf meiner Nachhaltigkeits-Tour durch die Jugendherbergen im Nordwesten. Und schon bei der Ankunft merke ich, dass sich hier nicht nur der Standort der Jugendherberge, sondern auch das Freizeit- und Bildungsangebot vor allem um eins dreht: ums Wasser. Surfbretter, Flöße, Boote, Kanus, Schwimmwesten, Segel, Paddel … das Außengelände ist rundherum gespickt von Zubehör, das man zum Wassersport benötigt. Aus gutem Grund: Die Jugendherberge Bad Zwischenahn ist Deutschlands einzige mit einer eigenen Segelschule. Und durch sie lernen Heranwachsende, was Wind, Wellen und Wetter eigentlich ausmacht.

Windsurfing

Zu Nachhaltigkeit gehört der Naturschutz, das ist bekannt. Doch was schützt man denn da genau? Was verändert sich, wenn man es nicht tut? Das wird beim Segeln ganz praktisch erlebbar. Biggi Hägemann von den Jugendherbergen hat es passend zusammengefasst: „Nur wer Naturgewalten erlebt, kann sie schätzen und schützen lernen.“ Ich selbst habe meine Segelpremiere gerade erst hinter mir und kann daher mit gutem Gewissen sagen, dass Wasserströmung, Wind und Sandbänke bei so einem Ausflug tatsächlich noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Plötzlich wird das Zusammenspiel spannend und plötzlich wird man daran erinnert, dass der Mensch im Fall der Fälle der Natur unterlegen ist – und nicht umgekehrt. Genau diesen Effekt nutzt das Team der Jugendherberge Bad Zwischenahn in ihrem Angebot: Über den Wassersport soll der Blick für die Natur nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Spaß am Erleben vermittelt werden

Ich habe die Segelsaison der Jugendherberge knapp verpasst. Der herbergseigene Bootssteg ist an diesem Nachmittag bereits leer. Umso freier ist aber mein Blick auf die kleinen Seeleute und ihre selbstgebauten Flösse. Auf die Surfer und Stand Up-Paddler. Ich sehe stolze Gesichter, höre begeisterte „Schaut mal-“Rufe und spüre, dass ein paar Meter hinaus aufs Wasser bereits reichen, um den Kids eine neue Welt zu eröffnen. Wie das erst sein wird, wenn ein echtes Segelboot mit im Spiel ist, kann ich mir lebhaft vorstellen.

Vier Jugendherbergen habe ich besucht, drei wesentliche Erkenntnisse gewonnen:

  1. Seit meiner letzten Klassenfahrt hat sich eine Menge getan: Jugendherbergen haben heute nichts mehr mit Pfefferminztee in Thermoskannen und Bettensälen zu tun, sondern können mit modernen Übernachtungsstätten mithalten.
  2. Nachhaltigkeit wird bei den Jugendherbergen im Nordwesten nicht als Trendthema gesehen, dass man oberflächlich abhandelt, weil sich das eben so gehört. Nein, in vielen kleinen, aber unglaublich überlegten Schritten wird vor allem soziale Nachhaltigkeit ernst genommen und in den Organisationen verankert. Der Clou: Alle Teams tragen den Gedanken mit, ich hatte nie das Gefühl, dass es eine von oben verordnete Pflicht ist. Daher freue ich mich sehr, dass die Jugendherbergen für den Nachhaltigkeitspreis nominiert sind und drücke beide Daumen für die finale Entscheidung.
  3. Keine neue Erkenntnis, aber eine wiederkehrende: Im Norden und am Wasser isses einfach schön! Wer´s nicht glaubt, muss einfach selber hinfahren. Ahoi!

 

Sandra Res++mme

 

Weitere Beiträge aus der Reihe „Erlebnis Nachhaltigkeit“:

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertung)
Loading...
FacebookTwitterMore...