Erlebnis Nachhaltigkeit #3: Jugendherberge Leer beschäftigt Menschen mit und ohne Behinderung

Gastbeitrag von Sandra Lachmann. 

Ein schmuckes gemütliches Gebäude steht mir gegenüber, als ich in den Innenhof der Jugendherberge Leer einbiege. Roter Backstein, Butzenfenster und ein alter Briefkasten mit Posthorn – hier hat die friesische Gebäudetradition Spuren hinterlassen, ohne kitschig zu wirken. Wer mich ein bißchen kennt, weiß, wie gut mir das gefällt.

Bei einem Täschen Tee mit dem Hausleiter Markus Heisterkamp erfahre ich, wer den wichtigsten Anteil daran hatte, dass die Jugendherberge sowohl außen als auch innen frisch und einladend daherkommt: der Leerer Günter Prahm, der sich in seiner Stadt für den Erhalt historischer Gebäude einsetzt. Davon profitierte auch das 1789 im Stil des niederländischen Barocks erbaute Armenhaus, das nach der Nutzung als Kinderheim, Altenheim und Jugendzentrum seit 1982 Sitz der Jugendherberge ist. Verlangt solch eine Nutzungshistorie nicht fast danach, das Haus auch heute in einen besonderen sozialen Dienst zu stellen? Der Landeverband der Jugendherbergen Nord-West tat es. Und zeigt, wie der moderne Arbeitsmarkt sozial gerecht und damit nachhaltig gestaltet werden kann.

 

Leer Anno

 

„Inklusion“ lautet der Schlüsselbegriff. Zwölf feste Angestellte arbeiten in der Jugendherberge Leer, die Hälfte von ihnen hat eine körperliche oder geistige Behinderung. Ich erfahre das übrigens erst am Ende meiner Führung durch das Haus – und hätte es sonst auch nicht bemerkt. Weder die Architektur noch der Service oder das Programm gaben einen Hinweis. Dementsprechend verblüfft war ich. Marcus Heisterkamp schildert mir, wie das Konzept in die Tat umgesetzt wurde und dabei wird ein wesentlicher Erfolgsfaktor deutlich: die richtige Reihenfolge. Die Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten wurden erst festgelegt, nachdem das Personal mit und ohne Beeinträchtigung als Team gefunden war. Und es funktionierte. So gut, dass die Jugendherberge den Rudolf-Freudenberg-Preis 2014 gewann.

 

Team

 

Die Jugendherberge hat übrigens auch vollausgestattete Seminarräume. Dort lassen sich problemlos Fortbildungen oder Gesprächsrunden durchführen. Viele Unternehmen nutzen das sozial vorbildliche Klima des Hauses bereits für solche Anlässe. Vielleicht werden es ja noch mehr? Am besten zum Thema Inklusion! Denn was die Jugendherberge Leer schafft, sollte doch auch anderen Organisationen möglich sein. Oder?

 

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